Ex-Stuttgarterin Conny Dietz Paralympics-Ikone hilft blindem Leonberger zu Borussia Dortmund ins Stadion

Conny Dietz: links als Fahnenschwenkerin im Signal Iduna Park, rechts beim Walking Football – und in der Mitte als Deutsche Meisterin im Goalball. Foto: privat

Conny Dietz setzt sich bei Borussia Dortmund ehrenamtlich für Menschen mit Handicap ein. Sie hat sich auch um das Ticket für den Leonberger Andreas Beutelspacher gekümmert.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Für den Leonberger Andreas Beutelspacher geht an diesem Samstag ein Traum in Erfüllung: Er besucht das Bundesliga-Fußballspiel von Borussia Dortmund gegen Holstein Kiel. Der Trip ins Ruhrgebiet zum Saisonfinale ist für den 56-Jährigen keinesfalls eine Selbstverständlichkeit: Er ist blind, was den Stadionbesuch selbstredend ein wenig anders macht als das bei sehenden Personen der Fall ist.

 

Conny Dietz engagiert sich – und ist ebenfalls riesiger Dortmund-Fan

Dafür, dass auch sehbeeinträchtigte Menschen im Dortmunder Signal Iduna Park ein unvergessliches Fußballerlebnis haben können, sorgt unter anderem Conny Dietz. Die einstige Stuttgarterin engagiert sich bei der Borussia ehrenamtlich für die Belange von Personen mit Handicap. Das Besondere: Auch die 63-Jährige, die unter anderem bei den Paralympics 1996 in Atlanta Gold im Goalball gewonnen hat, ist fast komplett blind. Albinismus lautet ihre Diagnose, eine Stoffwechselkrankheit, aufgrund derer sie nur Umrisse und Farben erkennen kann.

Für den Stadionbesuch von Andreas Beutelspacher hat sich derweil der Düsseldorfer Andreas Vogt stark gemacht, er finanziert ihn auch. Und Conny Dietz war es, die seine Anfrage ans Ticketing des Bundesligisten herangetragen hat. „Dort war schnell klar, dass man das möglich macht“, berichtet sie. Denn Karten für die Heimspiele der Borussia zu bekommen, ist alles andere als einfach. „Außerdem gibt es ziemlich viele ähnliche Anfragen.“

Dürfen (auch dank Conny Dietz) ins Stadion: Andreas Vogt (links) und der blinde Andreas Beutelspacher Foto: Simon Granville

Aber wie wird dieser Besuch denn ablaufen? Wo genau wird Andreas Beutelspacher sitzen? Wie ist generell die Situation für sehbeeinträchtigte Menschen in deutschen Stadien? Auf all diese Fragen hat Conny Dietz, die seit 26 Jahren eine Dauerkarte für den Signal Iduna Park hat und vor Spielbeginn eine der Fahnenschwenkerinnen auf dem Rasen ist, die Antworten.

„Die Plätze für Sehbehinderte und blinde Menschen sind in Block 5“, sagt sie, „direkt unten an der Haupttribüne neben den Rollstuhlplätzen.“ Und, was sie allerdings nicht extra erwähnt: Die berühmte Südtribüne mit ihren rund 25 000 Stehplätzen befindet sich direkt links davon. 20 Plätze gibt es laut Conny Dietz in Block 5. Gemessen an der Größe des Stadions, das mit mehr als 81 000 Plätzen das größte in Deutschland ist, seien das eigentlich zu wenig. „In Berlin gibt es zum Beispiel 30“, fügt sie hinzu. In allen Ligen gebe es ihrer Meinung nach auch zu wenig Rollstuhlplätze.

Spiel mit Transponder und Kopfhörer für den Kommentar

Auf seinem Platz angekommen, erhält Andreas Beutelspacher einen Transponder und Kopfhörer. So kann er verfolgen, was die Blinden-Kommentatoren des Vereins von sich geben. Sie sitzen, wie andere Medienvertreter auch, auf der Pressetribüne.

„Der Kommentar für Blinde ist ausführlicher, detailreicher“, sagt Conny Dietz, „mehr noch als ein Radiokommentar.“ Es werde noch mehr erklärt und auf die einzelnen Situationen eingegangen. Fun Fact am Rande: Wenn Conny Dietz die Mannschaft zu Auswärtsspielen begleitet, überlässt sie die raren Plätze für Sehbeeinträchtigte den anderen. „Ich stehe eigentlich immer im Gästeblock und die Leute neben mir beschreiben dann, was gerade passiert“, sagt sie und schmunzelt.

Bayer Leverkusen als Vorreiter – dank Christoph Daum

Plätze für blinde Personen und die Möglichkeit des Kommentar-Empfanges gibt es in Dortmund seit 2005. Realisiert wurde dies beim Umbau des Stadions vor der WM 2006. „Die allererste Blindenreportage gab es aber schon 1999 bei Bayer Leverkusen“, weiß Conny Dietz. Der dortige Fanclub „Sehhunde“ hatte Kontakt zum damaligen Bayer-Trainer Christoph Daum aufgenommen. Der fand die Idee toll und setzte sich dafür ein. Mittlerweile bieten sämtliche 36 Erst- und Zweitligisten Kommentarplätze für Sehbeeinträchtigte und Blinde an. „In der 3. Liga gibt es auch einige Vereine, die das haben“, so Dietz.

Sie hofft, dass sich an diesem Samstag vor dem Spiel ein Treffen mit Andreas Beutelspacher und Andreas Vogt ergibt. Und dann fehlt eigentlich nur noch ein Sieg der Borussia aus Dortmund.

Conny Dietz und Saisonfinale

Conny Dietz
Die 63-Jährige gewann im Goalball, eine Art „Sitzhandball“, unter anderem 1996 Gold bei den Paralympics in Atlanta. 1985 und 2005 war sie Europameisterin, 2007 Weltmeisterin. 2008 war sie bei den Sommer-Paralympics in Peking Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier. Vor den Sommer-Paralympics 2012 in London war sie eine der Fackelläuferinnen. Jüngst hat sie „Walking Football“ für sich entdeckt.

Saisonfinale
Bei einem Sieg über Holstein Kiel mit zwei oder mehr Toren Unterschied ist Borussia Dortmund sicher in der Champions League – ebenso bei einem Sieg mit einem Tor Unterschied, wenn der SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt nicht gewinnt. Oder bei einem Sieg mit einem Tor Unterschied, wenn Freiburg gegen Frankfurt mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnt. Oder bei einem Unentschieden gegen Kiel, wenn Freiburg verliert.

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