Herr Wohlfahrt, in Stuttgart ist Sasa Kalajdzic der neue Liebling der Fans – steigt nun auch in Österreich das Kalajdzic-Fieber?
Sie können sich sicher vorstellen, was hier los ist, wenn einer in zwei Länderspielen drei Tore schießt. Dann sind die Zeitungen voll mit Jubelgeschichten. Bei Sasa kommt hinzu, dass man ihn bei uns noch gar nicht so gut kennt.
Er hatte in Österreich nur 33 Erstligaspiele bestritten, ehe er 2019 zum VfB kam.
Insidern war Sasa schon länger bekannt, doch hatte er als Jungprofi immer wieder Verletzungspech. Trotzdem wurde er früh von mehreren ausländischen Clubs gescoutet. Sein kometenhafter Aufstieg in der deutschen Bundesliga hat sehr viele Menschen überrascht, zumal nach seiner langen Verletzungspause.
Bei Admira Wacker Mödling ist man jetzt vermutlich besonders stolz.
Allerdings. Wir freuen uns alle mit ihm und verfolgen seine Entwicklung genau. Weil Sasa ein toller Junge ist – und weil wir zum Glück auch geschäftliche Beziehungen zum VfB haben. Je erfolgreicher er spielt, desto besser ist es auch für uns.
Ihr Club würde bei einem Weiterverkauf an der Ablöse partizipieren?
Ich darf nicht mit Ihnen über konkrete Vertragsinhalte plaudern. Aber Sie können fest davon ausgehen, dass wir bei jedem seiner Tore einen Grund haben mitzujubeln.
Lesen Sie hier: Unser Interview mit Sasa Kalajdzic
Bedeutet: Sie hoffen, dass Kalajdzic möglichst bald und für möglichst viel Geld verkauft wird.
Nein, so denke ich nicht. Ich würde ihm raten, nicht übereilt den Verein zu wechseln. Er sollte sich genau überlegen, zu welchem Club er mit seiner Spielweise am besten passt. Und er sollte aus meiner Sicht mindestens ein weiteres Jahr beim VfB bleiben. Ich durfte ja in Stuttgart Ähnliches erleben wie er. Das war damals mit die schönste Zeit in meiner Karriere. Nur war ich eben schon 32, als ich zum VfB kam. Sasa ist erst 23 und hat noch alles vor sich.
Was trauen Sie ihm zu?
Ich traue ihm alles zu. Das Wichtigste ist im Profisport immer, dass man auch Krisen überwindet und sich durchboxt, wenn es mal nicht läuft. Dass Sasa dazu in der Lage ist, hat er mit seiner schweren Knieverletzung ja bereits bewiesen. Deshalb glaube ich, dass ihn auch weitere Täler nicht aus der Bahn werfen werden.
Beliebt macht ihn nicht aber nicht nur der sportliche Erfolg, sondern auch sein bescheidenes und sympathisches Auftreten.
Ich denke, es ist einerseits die österreichische Mentalität, die ihn von vielen anderen Spielern unterscheidet. Zu ihr gehört eine gewisse Lockerheit, die im Profigeschäft nicht schaden kann. Gleichzeitig ist er andererseits für sein Alter bereits sehr reif und hat ein sehr professionelles Denken. Und dadurch, dass er für heutige Verhältnisse erst relativ spät Profi geworden ist, hat er auch die nötige Demut zu wissen, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass er jemals auf die Idee kommen könnte abzuheben und zu glauben, dass von jetzt an alles von alleine läuft. Schon gar nicht nach Toren gegen Schottland und gegen die Färöer.
Moment. Sie haben damals mit Österreich gegen die Färöer verloren.
Wovon sprechen Sie?
Von der historischen 0:1-Schmach im September 1990.
Ach ja, richtig. Das hatte ich verdrängt. Es war das einzige Mal, dass ich froh war, als Ersatztorwart nur auf der Bank zu sitzen. Ist aber schon sehr lange her.
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In der Gegenwart ist aber auch nicht alles rosig. Ihr Club hat die Hauptrunde der österreichischen Bundesliga als Tabellenletzter abgeschlossen.
Das stimmt zwar, ich sehe aber keinen Grund, in Panik zu verfallen. Wir haben nur zwei Punkte Rückstand auf den Vorletzten und sind in den Play-offs absolut konkurrenzfähig. Zudem müssen Sie eines wissen: Wir sind ein Ausbildungsverein. Bei unserem letzten Spiel standen sieben Spieler aus unserer Nachwuchsakademie in der Startelf. Es ist die Philosophie unseres Clubs, junge Talente auszubilden – und dann an größere Vereine zu verkaufen. Sasa war nicht der erste Spieler und wird auch nicht der letzte bleiben.
Hätten Sie auch wieder ein Toptalent für den VfB im Angebot?
Es gibt bei uns einen 19-Jährigen, von dem ich überzeugt bin, dass er einen ähnlichen Weg wie Sasa gehen kann. Seinen Namen verrate ich Ihnen aber nicht.