Ex-Trainer des VfB Stuttgart Daran ist Bruno Labbadia gescheitert
Als Retter verpflichtet, ist für Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart nach knapp vier Monaten schon wieder Schluss. Wir schauen auf die Gründe der misslungenen Mission.
Als Retter verpflichtet, ist für Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart nach knapp vier Monaten schon wieder Schluss. Wir schauen auf die Gründe der misslungenen Mission.
Bruno Labbadia ist im Moment der Enttäuschung bei sich geblieben. In ruhigem Ton sprach der 57-Jährige nach dem 0:3 beim 1. FC Union Berlin. Wie schon nach den sechs Niederlagen zuvor in der Fußball-Bundesliga mit dem VfB Stuttgart. Die Zahlen des vermeintlichen Retters lesen sich deshalb wie eine Horrorbilanz für den Abstiegskandidaten: elf Spiele, sieben davon verloren, dreimal unentschieden gespielt und nur eine Begegnung gewonnen. Entsprechend ist seine zweite Amtszeit beim VfB Stuttgart nun zu Ende gegangen. Für das Pokal-Viertelfinale und die restlichen acht Saisonpartien in der Bundesliga übernimmt Sebastian Hoeneß.
Labbadias Analysen der letzten vier Monate glichen sich nach den Spielen nahezu im Wortlaut: „Unser Problem ist, dass wir keine Treffer erzielen.“ „Wir haben zu einfache Gegentore kassiert.“ „Das Glück ist uns nicht hold“. Ergänzen ließe sich aus Labbadias Sicht, dass sich die Mannschaft einmal mehr nicht belohnt habe für ihr anfangs gutes Spiel. Drei Chancen vergaben die Stuttgarter zuletzt im Stadion An der Alten Försterei, ehe sie in Rückstand gerieten. „Aus dem Nichts“, wie Labbadia sagte.
Doch es hat Gründe, dass der VfB als Tabellenletzter den Anschluss an die rettenden Plätze zu verlieren droht und der Trainer mit seiner Mission gescheitert ist und durch einen neuen Coach ersetzt wird. Einfach ausgedrückt: Die Elf schafft es nicht, vorne Tore zu erzielen und hinten stabil zu stehen. Sie braucht hundert Prozent auf allen Ebenen. Ein fundamentales Problem, dem Labbadia mit seiner Überzeugung begegnete, nicht viel zu ändern. Sein 4-3-3-System nicht und auch nicht die Herangehensweise.
Mutig trat der VfB vor allem gegen Teams aus dem oberen Tabellenbereich an – Union Berlin, Eintracht Frankfurt, FC Bayern, SC Freiburg und RB Leipzig. In diesen Begegnungen reichte allerdings die Qualität nicht für Siege, denn individuelle Fehler wurden meist bestraft – und diese waren das einzig beständige im Stuttgarter Spiel.
Gegen vermeintlich schwächere Gegner (FSV Mainz 05, TSG Hoffenheim, Werder Bremen, FC Schalke 04, VfL Wolfsburg) mangelte es an Konsequenz (Ausnahme der 3:0-Sieg gegen den 1. FC Köln) und zeitweise auch an der Mentalität, sich gegen den sportlichen Untergang vom Anpfiff weg zu wehren.
Keine zwei Spiele lang gelang es dem VfB, sein Leistungsniveau zu halten. Ordentlichen Phasen folgten ernüchternde Auftritte. Labbadia vermittelte der Mannschaft in knapp vier Monaten weder Konstanz noch die zuvor geforderten Tugenden. Hatte er gar die Kabine verloren, weil sich nach einer strapaziösen Vorbereitung zwar die Laufwerte erhöhten, sich aber kein Erfolg einstellte?
Intern wie extern wird immer wieder die Kaderzusammenstellung kritisiert. Sie geht auf Sven Mislintat zurück, der einen anderen Fußballstil vor Augen hatte als jetzt Labbadia – offensiver und jugendlicher. Die Trennung von dem Sportdirektor wirkt also nach, zumal sich einige Profis Mislintat noch immer verbunden fühlen. Labbadia sah sich in der Rolle den Mangel zu verwalten, unterstützt vom neuen Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Zumal mit Serhou Guirassy der beste Torschütze wochenlang ausgefallen ist. Ein großes Handicap, denn der geschasste Chefcoach fand keine funktionierende Alternativlösung, jedenfalls nicht über mehrere Partien hinweg.
Dass Spieler (Silas Katompa, Waldemar Anton) nicht auf ihrer besten Position eingesetzt wurden, ist ein weiterer Kritikpunkt. Und vieles zusammengenommen, führt zu der Frage, ob die VfB-Mannschaft überhaupt gut genug ist, um sich durch den Abstiegssumpf zu kämpfen. Bisher versuchen es zu viele Kicker noch mit Ballettschuhen an den Füßen statt mit dem Messer zwischen den Zähnen.
Einer Reihe von Spielern wird auch unterstellt, dass sie mit neuen Clubs liebäugeln. Talent steckt ja im Team. Das betonen vor allem die gegnerischen Trainer gerne. Der VfB verfüge über spannende Akteure mit Potenzial. Doch der Abstiegskampf ist kein Zukunftsprojekt, und die Individualisten sollten möglichst im Hier und Jetzt zu einer Einheit mit Kämpferherz geformt werden – nun mit Sebastian Hoeneß als neuem Trainer.