InterviewEx-Trainer des VfB Stuttgart Warum sich Markus Babbel um die VfB-Abwehr sorgt

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Nach der Startniederlage gegen den SC Freiburg muss der VfB Stuttgart im Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 vor allem in der Defensive zulegen. Wir haben den früheren Nationalverteidiger Markus Babbel gefragt, wie das gelingen kann.

Markus Babbel war als Trainer zuletzt in Australien tätig. Foto: imago/Action Plus
Markus Babbel war als Trainer zuletzt in Australien tätig. Foto: imago/Action Plus

Stuttgart - Die 2:3-Niederlage des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg hat auch Markus Babbel verfolgt, der frühere Abwehrspieler und Trainer des Aufsteigers. Der 48-Jährige weiß: Vor allem in der Defensive wird entschieden, ob es zum Klassenverbleib reicht.

Herr Babbel, was sagt ein ehemaliger Nationalverteidiger zum Abwehrverhalten des VfB beim Bundesligastart gegen den SC Freiburg?

Wenn ich sagen würde, das war etwas naiv, dann wäre das sicher noch freundlich ausgedrückt. Die Gegentore waren natürlich viel zu einfach. Vor allem das erste, als sich Nils Petersen vermutlich selbst darüber gewundert hat, wie frei er da im Strafraum stand. In der Bundesliga erlebt man so etwas selten.

Wie sind solche Freiräume zu erklären?

Der VfB musste erkennen: Das ist nicht mehr die zweite Liga, sondern die Bundesliga. Mir hat die letzte Entschlossenheit und Aufmerksamkeit gefehlt. Und ich hatte den Eindruck: die Spieler kannten gar nicht ihre Gegner.

Ihr Ernst?

Das ist heute ein grundsätzliches Problem im Fußball. Die Spieler werden von ihren Trainern mit so vielen Informationen gefüttert, dass sie meinen, sich selbst gar nicht mehr auf ihren Gegenspieler vorbereiten zu müssen. Da fehlt mir häufig die Eigeninitiative. Zu unser Zeit war das noch eine Selbstverständlichkeit.

Was muss sich in Mainz ändern?

Ich sehe keinen Grund, die Spielphilosophie nach einem Spiel über den Haufen zu werfen. Aber es bedarf einer höheren Intensität und Akribie. Die Spieler müssen sie in jedem Moment hellwach sein und mit allen Mitteln das eigene Tor verteidigen.

Halten Sie die VfB-Defensive für stark genug, um in der Bundesliga zu bestehen?

Klar ist: Ob der VfB den Klassenverbleib schafft, wird maßgeblich von der Defensive abhängen. Ich denke, es wird ein Kampf bis zum Schluss. Einen echten Topmann sehe ich in der Abwehr nicht. Ich fürchte, bei Marcin Kaminski wird nicht mehr so viel kommen, er spielt bereits an seinem oberen Limit. Waldemar Anton ist ein Spieler, der aus seiner Zeit in Hannover mit sehr viel Negativerfahrung behaftet ist. Marc Oliver Kempf ist häufig verletzt, genau wie Konstantinos Mavropanos. Und Holger Badstuber wurde in die zweite Mannschaft versetzt.

Eine nachvollziehbare Entscheidung?

Ich vermag das schwer zu beurteilen und will es auch nicht. Die Rigorosität und Endgültigkeit seiner Ausbootung hat mich aber schon überrascht.




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