Ex-VfB-Trainer zu TuS Mechtersheim Das steckt hinter dem Engagement von Jürgen Kramny in der Oberliga

Jürgen Kramny gibt seine Anweisungen nun in der Oberliga. Foto: imago images/Jan Huebner/Harald Bremes via www.imago-images.de

Jürgen Kramny stand als Spieler und Trainer beim VfB Stuttgart unter Vertrag, seit dem Ende seiner Tätigkeit bei der U19 von Eintracht Frankfurt 2022 war er ohne Job. Nun steigt er bei Rheinland-Pfalz/Saar-Oberligist TuS Mechtersheim ein. Was steckt dahinter?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Der Terminplaner meinte es schon mal gut mit Jürgen Kramny. Sein erstes Spiel als neuer Cheftrainer des TuS Mechtersheim gegen TuS Koblenz steigt an diesem Freitag. „Da kann ich am Samstag VfB gegen Mainz im Stadion schauen“, sagt Kramny. Das Bundesligaduell seiner beiden ehemaligen Clubs interessiert den 52-Jährigen natürlich brennend.

 

Doch mindestens genauso intensiv muss er nun die fünfte Liga im Blick haben. Am Montag leitete er erstmals das Training beim Tabellen-13. der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Wie dieses Engagement zustande kam? „Der Sportliche Leiter des Vereins hat mich kontaktiert. Ich hatte Zeit und Lust – und habe zugesagt“, sagt Kramny.

Dieser Sportliche Leiter heißt Orhan Lokurlu, und er zieht nicht nur die Strippen bei dem Dorfclub aus dem 3000-Einwohner-Ortsteil der Gemeinde Römerberg, er ist mit seiner Spielerberatungsagentur auch europaweit unterwegs. Zu seinen Klienten zählen (neben Kramny selbst) zum Beispiel die Profis Marvin Wanitzek (Karlsruher SC) oder Malik Batmaz (Preußen Münster/früher VfB Stuttgart).

Vorgänger Uwe Rapolder

Kramny ist bereits der dritte Coach in Mechtersheim in der erst vier Spieltage alten Saison. Nach der Vorbereitung, noch vor dem ersten Punktspiel, trennte sich der Club von Marco Göbel (30). Interimsweise übernahm ein Mann mit prominentem Namen: Uwe Rapolder, der schon 49 Mal in der Bundesliga und 236 Mal in der zweiten Liga in der Verantwortung stand, sagte für die ersten drei Spiele zu – ein Freundschaftsdienst für Lokurlu. Im vierten Saisonspiel stand der Co-Trainer als Verantwortlicher an der Linie, jetzt kommt Kramny.

Er fährt nun drei- bis viermal die Woche von seinem Wohnort Ludwigsburg-Poppenweiler zum Training (jeweils 18.30 Uhr). Eine gute Autostunde braucht er für die 110 Kilometer, meint er. Bis zum Saisonende hat Kramny zugesagt. Natürlich weiß er, dass er seine Ansprüche herunterschrauben muss.

„Keine 400 Bälle im Schrank“

„Es hat hier keine 400 Bälle im Schrank, das ist kein Riesenclub, es ist idyllisch dort, es gibt nette Leute, und ich will dieser jungen Mannschaft helfen“, sagt Kramny. Am Liebsten hätte er noch seinen Weggefährten Walter Thomae, mit dem er vor kurzem gemeinsam die Drittligapartie VfB II gegen 1860 München anschaute, als Co-Trainer mitgebracht. Doch die Finanzstärke des TuS hat seine Grenzen.

Nach den Trainerstationen Mainz 05, VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld war das U-19-Bundesligateam von Eintracht Frankfurt (2020 bis 2022) seine bisher letzte Station auf professioneller Ebene. Warum es danach mit einem höherklassigen Engagement nicht klappte? „Die Strukturen haben sich geändert. Die Vereine bauen auf junge Trainer, die sie führen können. Ich will mich aber nicht erziehen lassen“, sagt Kramny. Außerdem sei er nicht der Typ, der bei Vereinen aktiv anruft, wenn ein Stuhl wackelt: „Das ist nicht mein Stil.“

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