Die hauchdünn verpasste belgische Meisterschaft tat Alexander Blessin weh. Sehr weh. Doch der Trainer von Union Royale Saint-Gilloise hatte zwei ziemlich große Trostpflaster, die ihm richtig gut taten: Der gebürtige Stuttgarter holte mit dem Club aus dem Brüsseler Stadtteil den belgischen Pokal und damit den ersten Titel für den Verein seit 85 Jahren. Und er bekam bei den Pro League Awards in Middelkerke die Auszeichnung zum Trainer des Jahres in Belgien, zum zweiten Mal nach 2021 – damals als Coach des KV Ostende.
Eintracht ausgeschaltet
„Ich bin sehr zufrieden, was wir in der abgelaufenen Saison geleistet haben“, sagt Blessin. Zumal in der ersten K.-o.-Runde der Conference League Bundesligist Eintracht Frankfurt mit einem 2:1-Sieg am Main (Hinspiel 2:2) ausgeschaltet werden konnte. Im Achtelfinale war dann allerdings Endstation gegen Fenerbahce Istanbul (0:3 und 1:0).
In der Meisterschaft lag Saint-Gilloise nach der regulären Runde sieben Punkte vor dem RSC Anderlecht und sogar 19 Punkte vor dem FC Brügge. In den folgenden Play-offs verspielte das Blessin-Team den Vorsprung aber noch. Am Ende fehlte ein Zähler auf den FC Brügge, der sich zum 19. Mal den belgischen Meistertitel sicherte.
Punkte werden halbiert
Zur Erklärung: Nach der regulären Runde werden die Punkte in Belgien halbiert. Saint-Gillois ging mit drei Punkten vor Anderlecht und neun Punkten vor dem FC Brügge in die Play-offs. „Wir hatten zwischendurch Nervenflattern und ein paar Verletzte. In den letzten sechs Spielen dieser Mammutsaison haben wir uns wieder gefangen, kein Spiel mehr verloren, aber es hat eben leider knapp nicht gereicht“, sagt Blessin, der den Modus logischerweise nicht allzu prickelnd findet. Wobei er da offenbar nicht der einzige ist. Für die übernächste Saison wird überlegt, dass alle Punkte in die Play-offs mitgenommen werden und nicht mehr nur die Hälfte.
Wie auch immer: Blessin freut sich sehr auf die Champions-League-Qualifikationsspiele, die zwischen dem 26. und 28. Juli starten. „Diese Hymne zu hören, hat schon was Faszinierendes“, sagt der gebürtige Stuttgarter, für den ein späteres Duell in der Königsklasse gegen den VfB Stuttgart natürlich ein „absoluter Traum“ wäre. Zwischen 1997 und 1999 reichte es für den ehemaligen Stürmer immerhin zu sieben Bundesliga-Einsätzen im Dress der Weiß-Roten, einmal war er im Uefa-Cup am Ball.
Trainerstart bei RB Leipzig
Zwischen 1999 und 2001 spielte er auch für die Stuttgarter Kickers. Seine Karriere als Trainer begann Blessin 2012 als U-17-Coach bei RB Leipzig. In seiner ersten Station im Erwachsenenbereich, 2020/21 beim KV Ostende, bekam er gleich die Auszeichnung zum Trainer des Jahres in Belgien. Nach dem Jahr beim CFC Genua in Italien (Januar bis Dezember 2022) kehrte der 51-Jährige im Juli 2023 nach Belgien zurück – und knüpfte gleich wieder an die Erfolge an.
Es ist kein Wunder und ein offenes Geheimnis, dass es ihm an Anfragen und Angeboten nicht fehlt – auch nicht aus Deutschland und England. Doch derzeit plant er seinen bis zum Ende der kommenden Saison laufenden Vertrag auch zu erfüllen. „Ich fühle mich wohl, es macht riesig Spaß. Saint-Gilloise ist wirklich ein ganz besonderer Club, in dem nicht der ungeheure Druck herrscht wie bei Anderlecht oder Brügge, den Vereinen mit riesigem Fan-Potenzial“, erklärt Blessin. Und dann ist da ja noch diese faszinierende Champions-League-Hymne und die Aussicht auf ein Duell mit dem VfB.