Existenzgründerin Maria Kaiser „Ein gutes Produkt allein reicht nicht“

Die Deutsch-Chilenin Maria Kaiser beschäftigt sich  aktuell  mit Mangos aus Burkina Faso, die zu Körperbutter verarbeitet werden Foto: Horst Rudel
Die Deutsch-Chilenin Maria Kaiser beschäftigt sich aktuell mit Mangos aus Burkina Faso, die zu Körperbutter verarbeitet werden Foto: Horst Rudel

Die Naturwissenschaftlerin Maria Kaiser berät die Hersteller von Rohstoffen für Naturkosmetik. Derzeit beschäftigt sie sich mit Mangos aus Burkina Faso, die zu einer Körperbutter verarbeitet werden.

Wirtschaft: Thomas Thieme (tht)
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Stuttgart - Nein, Maria Kaiser arbeitet heute als Selbstständige nicht weniger als zu ihrer Zeit als Angestellte. „Wahrscheinlich sogar mehr“, räumt sie ein – aber mit einem entscheidenden Unterschied: „Ich kann jetzt besser planen.“ Dadurch bleibt der Mutter von zwei acht- und 17-jährigen Söhnen mehr Zeit, am Familienleben teilzunehmen. „Ich arbeite tagsüber, wenn die Kinder in der Schule sind, und manchmal abends, wenn sie schon schlafen.“ Auch für Freizeitbeschäftigungen findet sich heute Raum. Die 42-Jährige engagiert sich ehrenamtlich im Forum der Kulturen Stuttgart und macht Zumba.

Die Stuttgarterin mit den chilenischen Wurzeln schüttelt den Kopf, wenn sie sich an die Zeit erinnert, in der sie für ein Unternehmen 18 Wochen im Jahr im Ausland unterwegs war. Ihre Eltern seien damals aus Lörrach nach Stuttgart gezogen, um sie und ihren Ehemann Ralf, als Agraringenieur auch viel auf Reisen, bei den Kindern zu unterstützen. „Die Großfamilie war damals ein Hochleistungsbetrieb. Alle waren sehr angespannt und ich selbst bin an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gekommen“, sagt Maria Kaiser.

Männliche Kollegen wurden oft sofort eingestellt

Nach dem Studium der Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim hatte sie zunächst immer wieder nur befristete Stellen gefunden, während ihre männlichen Studienkollegen direkt eingestellt wurden. „Es war frustrierend zu sehen, wie die Männer an mir vorbeizogen. Ich fühlte mich benachteiligt trotz meiner gleichwertigen MINT-Ausbildung und zum Teil auch überqualifiziert für meine damaligen Tätigkeiten“, sagt sie. In Vorstellungsgesprächen habe es keine Rolle gespielt, dass sie die „Idealbesetzung“ für eine Stelle gewesen sei. Sie war eine Frau, noch dazu die Mutter eines Babys. Erst nach einem weiteren Studium, dass sie mit einem betriebswirtschaftlichen MBA abschloss, fand sie schließlich feste Arbeit bei einem Stuttgarter Importeur für pflanzliche Öle, wo sie fünf Jahre geblieben ist.

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag fasste die Naturwissenschaftlerin den Entschluss, ihrem (Berufs-)Leben eine andere Wendung zu geben. Sie gab das sichere Beschäftigungsverhältnis auf und machte sich nach kurzen Zeit in der Arbeitslosigkeit selbstständig. „Ich war mir anfangs gar nicht sicher, ob ich das wirklich will – immerhin ist es ein großes Risiko“, sagt sie. Kontakte zu möglichen Auftraggebern hatte sie zwar, dennoch schwirrten ihr immer wieder dieselben Fragen im Kopf herum: Was biete ich an und zu welchen Preis, damit meine Kunden zugreifen? Bekomme ich die Aufträge auch bezahlt? Finde ich nach den Projekten neue Auftraggeber? Wie versichere ich mich? In administrativen Fragen war die Arbeitsagentur ein Ansprechpartner, von der sie auch einen Gründungszuschuss erhalten hat.

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