Stuttgart - Die Kollegen sitzen im Flugzeug mit Ziel Karibik. Die Daheimgebliebenen sitzen auf Terrasien und genießen den Dschungel zu Hause. Wer keinen Urlaub macht oder nach den Ferien Lust auf mehr hat, holt sich mit der Auswahl exotischer Pflanzen einfach die Urlaubsstimmung in den Garten. Pflanzen mit großen Blättern lassen ein Dschungelfeeling aufkommen. Warme Blütenfarben in Gelb, Orange und Rot machen gute Laune.
Kleine Stadtgärten und Innenhöfe sind wie gemacht für eine Umgestaltung. Dabei heißt es nicht kleckern, sondern klotzen: weg mit zubetonierten Flächen, Beete und eine Bewässerung anlegen. Denn wer große Blätter hat, hat auch viel Durst. Im Dschungel regelt das der alltägliche Tropenregen, zu Hause regnet es aus dem Drip-Schlauch. Die feuchte Erde, die Verdunstung durch die große Masse der Blätter senkt die Temperatur in der Umgebung. Durch die Beschattung der Blätter ergibt sich ebenfalls ein angenehmeres Kleinklima.
Viele der exotischen Pflanzen sind nicht frosthart. Dann ist der Spaß nach dem Winter vorbei und muss im nächsten Frühjahr neu gepflanzt werden. Oder man packt die Pflanzen dick ein wie Weihnachtspakete, mancher Exot ist frostfester, als es in den Büchern steht.
Verschiedene Stauden kombinieren
Damit die Beete nicht leer stehen, empfiehlt sich eine Kombination mit mehrjährigen Stauden. Als Großblattpflanzen mit dekorativem Laub eignen sich Hosta oder Funkien. Herausragend ist die Sorte „Sum and Substance“, sie trägt ihre hellgrünen Blätter auf langen Stielen. „Big Daddy“ verspricht nach ihrem Namen ein größeres Exemplar zu werden als Blaublattfunkie. Zu den größten ihrer Art gehört „Empress Wu“ mit blau bereiften Blättern mit bis zu 1,20 Meter Wuchshöhe.
Hosta sind als mehrjährige Stauden in unseren Breiten winterhart und werden von Jahr zu Jahr schöner. Knöteriche sind nicht nur in der Wiese schön. Für den Exotengarten empfiehlt sich der Buntblattknöterich Persicaria microcephala „Red Dragon“. Der Rote Drache wird bis zu einem Meter hoch. Seine weißen Blüten sind eher klein, die purpurroten Blätter mit pfeilartiger silbriger Zeichnung, die an den Trieben bogenartig zur Seite neigen, sind sein Schmuck. Der Knöterich verträgt bis zu minus fünf Grad Frost.
Faserbananen und Bambuspflanzen
Über allem wedeln die Blätter der Japanischen Faserbanane Musa bajoo. Das aus China stammende Bananengewächs zählt zu den winterhärtesten Bananenstauden. Der Stamm besteht aus Fasern, kann in hiesigen Breiten bis zu vier Meter hoch werden. Die Blätter werden bis zwei Meter lang. Im Winter sterben die oberen Pflanzenteile ab. In durchlässige Kübelpflanzenerde eingepflanzt schützt man den Wurzel- und Stammbereich mit einer dicken Abdeckung aus Mulch und Laub. Trotz guter Pflege wird man aber kaum Bananen ernten.
Gesellschaft aus Fernost erhalten die Bananen von Bambuspflanzen. Die Bambusse der Gattung „Fargesia“, der Schirmbambus, zählen zu den immergrünen Arten und sind in unseren Breiten relativ frosthart. Vor dem Hintergrund seiner zwei bis drei Meter hohen Halme pflanzt man die blühenden Exoten.
Das Indische Blumenrohr Canna indica vereint beides: exotisches Blattwerk und große, farbstarke Blüten. Anders als der Name es vermuten lässt, sollen die ersten Pflanzen dieser Art im 16. Jahrhundert von den karibischen Inseln nach Europa gebracht worden sein. Bei der Sorte „Pretoria“ stehen orangefarbige Blüten über den Blättern mit gelber Aderung. Die Sorte „Durban“ mit grünrotem Laub hat rote Blattadern. Gepflanzt werden sollten sie so, dass die Nachmittagssonne durch ihre Blätter scheint, für psychedelische Augenblicke. Die Wurzelstöcke können ausgegraben und wie Dahlienknollen überwintert werden.
Blätter-Farbshow mit Buntnesseln
Buntnesseln (Solenostemon, früher Coleus), die angestaubten Pflanzen von Omas Fensterbrett, machen im Dschungelgarten eine große Farbshow mit ihren Blättern. „Dark Cherry“ bildet dichte Nesselbüsche mit weinroten Blättern, bei „Dark Scarlet“ haben die Blätter zum Rot der Blattfläche einen gelben Rand. Es gibt auch Sorten mit limonengrünen Blättern. Wer sie aufheben möchte, zwickt im Herbst Stecklinge ab, steckt sie zum Bewurzeln in einen Blumentopf mit Pflanzerde auf die Fensterbank, bis sie nächstes Jahr wieder nach draußen dürfen.
Einfach blühende Dahlien mit orangefarbigen und knallroten Blüten dürfen in einem tropischen Garten nicht fehlen. Heiße Farben Rot, Orange und Gelb sind in sich stimmig wie die „Bishop“-Serie oder die gelbe „Taxidriver“. Es darf noch mehr Knallrot sein durch die Ergänzung mit Crocosmia „Lucifer“, besser bekannt als knollenbildende Montbretie.
Pflanzen in Gruppen zusammensetzen
Wer im Sommer im Dschungelgarten sitzen möchte, sollte ihn freilich schon im Mai nach den Eisheiligen bepflanzt haben. Etwas Vorplanung ist also nötig. Dschungel bedeutet Üppigkeit, lieber wenige verschiedene Pflanzen in Dreier- oder Fünfergruppen zusammensetzen als von vielen Arten eine einzelne Pflanze. Je kleiner die Pflanzen vom Wuchs her, desto größer die Gruppe. Zu einer Bananenstaude fünf Canna, drei Begonien und acht Buntnesseln gesetzt, verwandeln einen Hinterhof von fünf mal fünf Metern in ein exotisches Atrium.
Und sollte man den Dschungel irgendwann satthaben, pflanzt man sich im nächsten Jahr die Toskana mit Zitrusfrüchten und Oliven oder ein Meerbeet mit Strandnelken und Meerfenchel.
Info
Inspirationen für exotische Gärten gibt es hier: Gärtnerei Hügin, Zähringerstr. 281, 79108 Freiburg, www.ewaldhuegin.com, außergewöhnliche Stauden und einjährige Pflanzen, Schaugarten. – Die Königslutter + Flora Mediterranea, Königsgütler 5, 84072 Au/Hallertau, www.floramediterranea.de, Kübelpflanzen, Citrussortiment. – Tuingoed Foltz, Hereweg 346, 9651 AT Meeden, NL, www.tuingoedfoltz.nl, Gärtnerei und Schaugarten. – Great Dixter, Northiam, Rye, East Sussex TN31 6PH, UK, der Garten des Gartenplaners Christopher Lloyd, der Exotische Garten ist Teil der Gartenanlage.
Eine Auswahl an weiteren Exoten fürs Urlaubsbeet:
Elefantenohr, Colocasia esculenta, knolliges Aronstabgewächs mit großen Blättern an langen Stielen, frostfrei überwintern. – Ingwerorchidee, Roscoea purpurea, orchideenähnliche lila Blüten, Laub bis 30 cm hoch, Knollen mit Mulchabdeckung winterhart – Neuseelandflachs, Phormium tenax, farbige schwertartige Blätter, bis 1,5 Meter hoch.