Exotische Wasserbüffel im Bottwartal Die Liebe der Weigles zu den Büffeln teilten anfangs nicht alle

Uli Weigle holt die Büffel für den Tierarzt ab – treiben muss er sie nicht. Foto:  

Trotz anfänglichen Gegenwinds – inzwischen weiden Margot, Leo und die zehn anderen Wasserbüffel seit fünf Jahren im Bottwartal und halten das Schilf in Schach. Anfangs waren nicht alle von den Exoten begeistert.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

„Mädels!“, hallt der Ruf von Andreas Weigle durch den Regen. Und tatsächlich: Dort hinten, bei den Schilfpflanzen, erscheinen einige riesige, dunkle Tiere. Erst beäugen die zwölf Wasserbüffel die Ankömmlinge vorsichtig, dann setzen sich in Bewegung. „Ich habe gestern Abend schon mit ihnen geschwätzt“, sagt der 59-Jährige. „Sie verstehen es zwar nicht – aber dass am nächsten Tag etwas Besonderes ansteht, das verstehen sie.“ Und in diesem Fall hat die Tierärztin ihren Besuch angekündigt. Im Kreis grassiert die Blauzungenkrankheit, viele Viehhalter müssen ihre Tiere impfen lassen. Auch für die Exoten im Bottwartal gibt es keine Ausnahme.

 

In Großbottwar sind die Wasserbüffel beliebt

Seit fünf Jahren gehört die Herde Asiatischer Wasserbüffel zum Landschaftsbild im Bottwartal. Das Projekt wurde von der Stiftung Naturelife International um ihren Präsidenten Claus-Peter Hutter vorangetrieben – Unterstützung kam von der Stadt und dem eigens gegründeten Verein für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal. Doch anfangs gab es auch ordentlich Gegenwind. Manche befürchteten, die Landschaft würde durch die Büffel zu einer Schlammwüste, oder entlaufene Büffel, die den Verkehr gefährdeten. Auch einige Behörden hatten Bedenken.

Doch inzwischen hat sich die Herde etabliert. Jüngst, zum fünfjährigen Jubiläum, gab es Lob aus dem Kreishaus: Der Landrat des Kreises Ludwigsburg, Dietmar Allgaier, würdigte die „geduldige Pionierarbeit und das ehrenamtliche Engagement“ jener, die die Ansiedelung der Büffel damals vorangetrieben hatten und sich weiterhin engagieren. Auch vielen Großbottwarern sind die Tiere ans Herz gewachsen. „Derzeit stehen die Büffel auf den Weideflächen Richtung Straße. Viele Leute vermissen sie schon, weil sie vom Feldweg nicht mehr zu sehen sind“, sagt der Andreas Weigle.

Der Halter der Tiere ist sein 26-jähriger Sohn Uli – auch er liebt die Tiere. „So ein Büffel ist wie ein Elefant. Schlägt man ihn einmal, erinnert er sich ein Leben lang daran“, sagt er. Wie die kräftigen Tiere wohl auf die Spritze der Tierärztin reagieren, wird sich zeigen. Bislang trottet die Herde vorsichtig, aber wohlwollend hinter den Nebenerwerbs-Landwirten her. „Das läuft nur auf Zuruf, mit Zwang erreicht man nichts“, sagt Uli Weigle. Die Büffel haben ihren eigenen Kopf. „Wenn man herkommt und ist gestresst, dann merken sie das. Dann geht gar nichts“, sagt Andreas Weigle.

Eigentlich ist das Projekt eine Wiederansiedelung. Denn fossile Funde belegen, dass vor 200 000 Jahren Büffel im Murr- und Bottwartal gelebt haben. So wurden 1927 in Steinheim die Stirnplatte und das Gehörn eines prähistorischen Europäischen Wasserbüffels gefunden. Das Ziel des Projekts: Dem sich immer weiter ausbreitenden Schilf Einhalt zu gebieten und die Artenvielfalt wieder zu erhöhen. Denn im Gegensatz zu anderen Vierbeinern können Wasserbüffel auch aus Schilfgras, Binsen, Ampfer und Sauergräsern Nährstoffe gewinnen. Daher können die Büffel auch auf Wiesen weiden, die für Rinder nicht in Frage kommen würden. Die Verantwortlichen legen Wert darauf, dass die sehr robusten Tiere in der Regel nicht mit Antibiotika behandelt werden, weshalb ihre Hinterlassenschaften auch keine entsprechenden Rückstände aufweisen. So soll sich eine „natürliche Dungfauna“ entwickeln, die wiederum Fliegen, Käfer und andere Insekten anzieht. „Diese Wiese hier sah vor kurzer Zeit noch so aus wie das Gebiet dort drüben“, erklärt Uli Weigle und deutet auf einen Bereich mit meterhohen Schilfpflanzen.

Die Büffel formen die Landschaft durch ihre Lebensweise

Uli Weigle ist der Halter der Büffel. Foto: Weingand

Die ersten Schlammlöcher für die Büffel wurden noch von Menschenhand ausgehoben, doch die Tiere baden und suhlen sich inzwischen auch selbstständig durch die Landschaft. Durch die so entstehenden Kleingewässer werden Lebensräume für Kiebitze, Bekassine, Gelbbauchunke und viele Insektenarten wieder freigelegt. Die Rechnung scheint aufzugehen: „Ich bin erstaunt, wie positiv dynamisch sich die Auenlandschaft durch den Einsatz der Wasserbüffel entwickelt“, sagte der Direktor des Naturkundemuseums Stuttgart, Lars Krogmann, schon im vergangenen Jahr bei einem Besuch bei den Büffeln.

An manchen Tagen ist das Fell der Büffel mit einer Schlammschicht überzogen. Gerade bei Sonnenschein suhlen sie sich gerne – das Bad verschafft Abkühlung, die Schlammschicht wirkt als natürlicher Parasitenschutz. Durch ihre breiten und spreizbaren Klauen können sich die Tiere auch auf schlammigem Untergrund gut fortbewegen – dank des Schneeschuhprinzips macht ihnen dabei auch ihr Körpergewicht von bis zu 800 Kilogramm zu schaffen. „Sie bekommen auch viel weniger Klauenentzündungen – bei normalen Rindern wäre das auf diesem Boden ein Problem“, sagt Andreas Weigle, während er durch den Schlamm stapft.

Kurz darauf sind die Tiere im stählernen Korral angekommen, der am Rand der Weide aufgestellt ist. In dem engen Gatter hat die Tierärztin Maria Kronenberger es leichter, die Spritzen zu setzen. Uli Weigle markiert die geimpften Büffel farbig. Ab und zu kommt in der Herde etwas Unruhe auf, Helfer stemmen sich gegen die Metallstreben, damit die Tiere den Korral nicht umwerfen. „Man muss einem Büffel schon einen guten Grund geben, damit er durchgeht“, sagt Andreas Weigle. Mit der Leitkuh Margot sollte man sich zum Beispiel gut stellen. „Wäre jetzt ein kleines Kalb da, würden sie und die Mutter es schützen.“

Die Büffel vernichten Schilf und produzieren wertvollen Dung

Im Korral werden die Büffel geimpft. Foto: Weingand

Doch davon kann keine Rede sein. Am Ende ist die Veterinärin erstaunt: „Die waren sehr, sehr ruhig. Die meisten Rinderherden wären jetzt im Kreis herumgerannt.“ Da ziehen Leitkuh Margot, Bulle Leo und die zehn anderen Büffel schon wieder gemächlich von dannen und tun, was sie am besten können. Schilf vernichten und Dungfauna verteilen.

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