Exotischer Garten Hohenheim Nächtlicher Radau im Park stresst Anwohner

Von Caroline Holowiecki 

Der Exotische Garten der Uni Hohenheim verkommt zum Treffpunkt von Jugendlichen, sagt eine Nachbarin. Sie ärgert sich über Lärm, Müll und sogar Autos. Tatsächlich patrouilliert dort seit dem vergangenen Jahr ein Sicherheitsdienst.

So idyllisch ist es nicht immer - an dieser Bank treffen sich laut der Anwohnerin regelmäßig junge Leute, manche kommen sogar mit Autos Foto: Caroline Holowiecki
So idyllisch ist es nicht immer - an dieser Bank treffen sich laut der Anwohnerin regelmäßig junge Leute, manche kommen sogar mit Autos Foto: Caroline Holowiecki

Hohenheim - Die Sonne glitzert durch die Zweige der Bäume, neben ein paar Gassigängern sind im Hohenheimer Park fast nur Eichhörnchen unterwegs. Morgens im Winter, das ist für Anna Müller eine gute Zeit. Da ist es ruhig. Die Frau wohnt neben der Grünanlage an der Universität Hohenheim. Und sie weiß: Wenn es wärmer wird, wird es wieder diese Nächte geben, in denen sie kein Auge zumacht. Selbst mit Ohrstöpseln.

Laut Anna Müller verkommt der exotische Garten zum Feierort. Regelmäßig seien Böller zu hören, in lauen Nächten seien im Park auch Autos unterwegs – mit Licht und lauter Musik. Gerade das Sitz-Rondell nahe der Paracelsusstraße sei ein beliebter Treffpunkt. „Es nervt so dermaßen“, klagt die Frau. „Ich gehe ins Bett und weiß nicht, ob ich Schlaf bekomme.“ Sie hat selbst an der Uni studiert, seit 2007 wohnt sie direkt am Park. Die Belästigungen würden zusehends schlimmer.

Sie will nicht als Querulantin dastehen

Anna Müller ist nicht der richtige Name der Anwohnerin. Den will sie aus mehreren Gründen nicht in der Zeitung lesen. Sie fürchtet Nachteile für sich und das Unternehmen, für das sie tätig ist. „Ich möchte auch nicht als Querulantin dastehen“, sagt sie. Die 45-Jährige hat eine Diskussion aus dem Internet ausgedruckt. „Zieh doch aufs Land“, haben Leute unter einen Beitrag geschrieben, der sich um einen ähnlichen Sachverhalt dreht.

Anna Müller betont, sie sei extra in diese Ecke von Plieningen gezogen, weil sie geglaubt hatte, es sei eine leise Nachbarschaft. „Anfangs war es super ruhig“, das habe sich aber mit dem Siegeszug der Handys geändert. Immer und überall werde nun die Musik aufgedreht. „Ein bisschen mehr Rücksicht; das vermisse ich in den letzten Jahren“, sagt sie.

In letzter Zeit war im Park offenbar mehr los

Das Thema ist nicht neu. „In den vergangenen Jahren beobachtet die Parkleitung immer wieder, dass sich Jugendliche nachts im Park aufhalten und Müll hinterlassen“, sagt Florian Klebs, ein Sprecher der Hohenheimer Hochschule. Bänke seien demoliert worden. Probleme gebe es zumeist im Frühjahr und Sommer, mal mehr, mal weniger, „in der Wahrnehmung der Parkleitung war im letzten Jahr allerdings insgesamt nicht mehr los als in anderen Jahren“, sagt er. Allenfalls der Müll habe leicht zugenommen.

Alkohol ist auf dem Gelände verboten. Allerdings ist dies einer von mehreren Punkten auf der Parkordnung, um die sich so mancher Besucher ganz offensichtlich wenig schert. Das Tier-Fütterungsverbot werde ebenso oft ignoriert wie die Tatsache, dass die Wiesen nicht zum Spielen oder Picknicken freigegeben seien. Kontrollen seien bei gut 30 Hektar schwierig. Abgesperrt wird hier nachts nicht. „Um gegen das Problem vorzugehen, ist die Universität im vergangenen Jahr dazu übergegangen, einen Sicherheitsdienst zu beauftragen, der zu neuralgischen Zeiten im Park patrouilliert“, erläutert Florian Klebs.

Anwohner sollen bei Problemen anrufen

Auch beim Ordnungsamt schlagen Beschwerden auf, bestätigt Stefan Praegert, der zuständige Leiter, „das betrifft alle öffentlichen Grünanlagen“. Demnach kommen Klagen vereinzelt, aber sie nehmen tendenziell leicht zu. „Wir sind regelmäßig mit Streifen da“, sagt er. Gleiches gilt für die Polizei, betont der Sprecher Johannes Freiherr von Gillhausen. „Es ist kein Brennpunkt, das kann man aus polizeilicher Sicht nicht sagen“, sagt er, gleichwohl räumt er ein, dass das der Einzelne anders wahrnehmen könne. Anwohner sollten sich nicht scheuen, bei Problemen anzurufen.

Die Hohenheimer Anwohnerin Anna Müller hat das schon mehrfach gemacht, wie sie sagt. Von den Polizisten habe sie sich indessen nicht immer ernstgenommen gefühlt. „Der Kontakt mit der Polizei war in 80 Prozent echt daneben“, sagt sie. Von den Ordnungshütern wünscht sie sich mehr Sensibilität in der Sache, von den Jugendlichen wiederum mehr Rücksichtnahme. „Die Gesellschaft funktioniert nur mit Regeln.“

Sonderthemen