Expedition Erdreich auf den Fildern 73-Jähriger vergräbt Teebeutel für die Forschung

Mithilfe von genormten Teebeuteln, die für drei Monate im Boden vergraben werden,  erforschen die Teilnehmenden den Bodenzustand. Foto: Frank Wahlenmaier
Mithilfe von genormten Teebeuteln, die für drei Monate im Boden vergraben werden, erforschen die Teilnehmenden den Bodenzustand. Foto: Frank Wahlenmaier

An bis zu 9000 Standorten in ganz Deutschland helfen Bürgerforscher aktuell mit, die Qualität des Bodens zu untersuchen. Mit dabei ist ein 73-Jähriger aus Leinfelden-Echterdingen, der Teebeutel im Vorgarten verbuddelt hat.

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Leinfelden-Echterdingen - Gesunde Böden sind vielfältig, wertvoll und vor allem: extrem wichtig. Sie sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sichern die Nahrungsmittelproduktion, filtern Schadstoffe aus dem Trinkwasser und spielen eine große Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt und für das Klima. Um den Zustand der Böden bewerten und sie in Zukunft nachhaltiger nutzen zu können, werden zahlreiche Daten aus ganz Deutschland benötigt. Bürgerforschende aus allen Bundesländern sowie mehr als 300 Schulen nehmen an der „Expedition Erdreich“ teil. So auch ein 73-Jähriger aus Leinfelden-Echterdingen.

Bis September erheben sie Bodendaten an bis zu 9000 Standorten. Es ist das erste derart umfassende Bürgerprojekt in der Bodenforschung in Deutschland. Mithilfe von genormten Teebeuteln, die für drei Monate im Boden vergraben werden, sowie weiteren Bodenuntersuchungen erforschen die Teilnehmenden den Bodenzustand. Begleitet wird die Aktion vom BonaRes-Zentrum für Bodenforschung und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Ziel ist es, mit den Daten eine frei zugängliche Landkarte zu erstellen, damit jeder Bürger einsehen kann, wie es um die Qualität des Erdbodens in Deutschland steht. Die Teebeutel helfen den Wissenschaftlern dabei, an die Daten, wie pH-Wert oder Körnung des Bodens, zu kommen, und um wertvolle Erkenntnisse schlussfolgern zu können. „Der Tee ist für die Mikroorganismen im Boden ein dankbares Futter“, sagt Luise Wunderlich vom Redaktionsbüro des Wissenschaftsjahres, welches im Rahmen der Bioökonomie steht. Ein von den kleinen Organismen belebter Boden sei ein Indiz dafür, dass die Qualität der Erde gut sei.

Eine Landkarte für die Güte des Bodens

Norbert König aus Leinfelden-Echterdingen ist einer von rund 4500 Datensammlern, die vom Bundesministerium auserkoren worden sind, um an jeweils zwei eigens ausgewählten Standorten Erdproben zu nehmen. „Ich habe mich letztes Jahr für die Aktion angemeldet und bereit erklärt, diese medial zu begleiten“, sagt er. „Ich war erfreut, als ich im Februar den Anruf bekam, dass ich mitmachen darf.“

Drei Teebeutel kommen in den Vorgarten

Neben den insgesamt zwölf Teebeuteln wurde auch eine kleine Waage, eine Schaufel und eine ausführliche Anleitung nach Leinfelden-Echterdingen geschickt. Der pensionierte Physiker scheint in der Tat der ideale Kandidat für diesen Forschungszweck zu sein. In seinem Garten züchtet er nämlich selbst Obst. „Letztes Jahr habe ich über 30 Kilo Kiwis geerntet“, erzählt der Hobbygärtner. So gut sei der Boden auf der Filderebene.

Sein grüner Daumen lässt sich auch noch mal im Vorgarten erkennen, wo nun die ersten drei Teebeutel vergraben werden sollen. Schon beim Ausheben der Löcher warten die kleinen Helfer, wie Würmer oder Kellerasseln, auf ihren Imbiss. Mit seinen beiden Enkelkindern möchte er die Tage dann noch nach Heilbronn fahren, um dort die restlichen Teebeutel zu vergraben. Und dann heißt es wohl abwarten und Tee trinken.




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