Experiment in Stuttgart Seil reißt bei Ballonstart in die Stratosphäre

Der Ballon stieg in die Luft, doch die Messgeräte blieben am Boden. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Stuttgarter Schüler haben über Monate hinweg getüftelt, um Umweltdaten in 40 Kilometer Höhe zu sammeln. Doch dann geht etwas schief.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Eigentlich sei das ja Naturwissenschaft par excellence, also Naturwissenschaft schlechthin, sagt der Lehrer Felix Streich danach: „Wir haben etwas ausprobiert – und das hat nicht geklappt.“ Wobei man sagen muss: Der Ballon ist am Freitag wie geplant in die Luft gestiegen. Nur hat ein entscheidendes Teil gefehlt: die Styroporbox, in der all die Geräte waren, mit denen Schüler des Stuttgarter Königin-Katharina-Stifts Daten in der Luft sammeln wollten. Denn beim Start riss das Seil, an dem der Fallschirm und die Box an dem Ballon befestigt waren.

 

Reißfeste Seile dürfen nicht genutzt werden

Mit den Geräten wollten die Acht- bis Zehntklässler die Temperatur, den Luftdruck, die Solarenergie auf einer Solarzelle, den Ozonwert, die UV-Strahlung und die Höhenstrahlung messen. Und das in einer Höhe von rund 40 Kilometer, also in der Stratosphäre. Diese ist die zweite Schicht der Erdatmosphäre. Zum Vergleich: Flugzeuge fliegen zwischen neun und zwölf Kilometer über dem Meeresspiegel.

Es sei gesetzlich vorgegeben, dass bei solchen Stratosphärenballons keine reißfesten Seile genutzt werden dürfen, erläutert Felix Streich. Und durch einen Windstoß beim Start rutschte das Seil durch die Hände der Haltenden, „das war der Todesstoß“.

Hintergrund der Aktion war: Das Königin-Katharina-Stift hat seit vielen Jahren Klassen für hochbegabte Kinder und Jugendliche. In diesem Rahmen können die Schüler jedes Jahr wählen, an welcher Art von Projektunterricht sie teilnehmen – ein Angebot dabei war das Sammeln von Daten in der Stratosphäre mittels eines Ballons. Das Interesse daran sei immens gewesen, sagt die Schulleiterin Kathrin von Vacano-Grohmann. Ein kleiner Wermutstropfen: Die ganze Gruppe bestand aus Jungs.

Messgeräte hätten per Fallschirm landen sollen

Ein knappes Jahr lang hatten sich die rund 20 Schüler auf diesen Freitag vorbereitet: Sie bastelten an den Geräten, die an dem Ballon in die Luft steigen sollten. Die Idee war nämlich: Der Ballon platzt in einer gewissen Höhe, die daran befestigten Messgeräte fliegen per Fallschirm zu Boden. Mittels einer Ortung der GPS-Geräte wären die Lehrer dann dorthin gefahren, wo die Geräte landen – und hätten ab kommender Woche mit den Schülern die Daten ausgewertet.

Schule benötigt 1000 Euro für Wiederholung

Stattdessen müssen sie nun nochmals Geld auftreiben. Denn so ein Ballon, das benötigte Heliumgas sowie die Geräte sind nicht ganz günstig: Die Baden-Württemberg-Stiftung hatte den Schülern dafür 2500 Euro gespendet. Davon sind nun 1000 Euro „weggeflogen“: Der Ballon hatte 800 Euro gekostet, das Gas 200 Euro.

In den kommenden Tagen wollen die Lehrer und die Schulleiterin prüfen, ob sie die 1000 Euro erneut zusammenbekommen und den Ballonstart wiederholen. Und dann klappt es bestimmt auch, dass die Box mit den Messgeräten mitfliegt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Luft Himmel Schüler Klima Umwelt