Experimente in Stuttgart-Feuerbach Die Neugier der Kinder wecken

Von Petra Mostbacher-Dix 

Zum Tüftlertag haben Kinder des Element-i-Kinderhauses Spatzennest Holzexperimente gemacht.

Spielerisch lernen die Kinder den Werkstoff Holz kennen. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Spielerisch lernen die Kinder den Werkstoff Holz kennen. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Stuttgart-Feuerbach - Wir sind drei, vier und fünfeinhalb.“ Auf das halbe Jahr, das sie älter ist, legt Merle wert. „Denn nächstes Jahr komme ich in die Schule“, sagt sie fröhlich, bevor sie auf einen Stuhl, dann auf eine Werkbank steigt, um einen Stahlkugel durch eine Röhre auf ein quadratisches Holzstück fallen zu lassen. „Kirsche“ hat sie angefordert, das ist ein härteres Material. Noch härter ist Eiche. Auf letzteres hat der „Ball“ nur eine leichte Delle hinterlassen.

Anders sieht es bei den Holzplättchen aus Fichte und Kiefer aus: Da ist eine richtige Kuhle zu entdecken. Neugierig spürt Merle den Auswirkungen der Kräfte nach – zusammen mit Lea, Zoe, Can und den anderen. Sechs Kinder sind an diesem Tag im Element-i-Kinderhauses Spatzennest aufgebrochen, um mit ihren Erzieherinnen Linde, Kerstin und Anne im Stadtbezirk Feuerbach das Unternehmen Türenmann zu besuchen.

Der Vertrieb von Fenstern, Türen, Markisen, Rollladen und Wintergärten macht beim sechsten Tüftler- und Forscherinnentag mit. Diesen Aktionstag rief die Element-i-Bildungsstiftung 2014 ins Leben: Kinder sollen sich ausprobieren, ihre Talente und Stärken entdecken können, heißt es dort. Deren natürliche Neugier für naturwissenschaftlich-technische Fragestellungen soll bestärkt, der kindliche Forscherdrang beflügelt werden. Das findet Tobias Rehder, einer der drei Geschäftsführer, gut. Er führt gemeinsam mit Ralph Werner die Türenmann-Geschäfte. „Wir machen das zweite Mal mit“, sagt er. „Wir wollen den Kindern das Material Holz näherbringen, die verschiedenen Holzarten, deren Eigenschaften und die dazugehörigen Bäume, aber auch vermitteln, was Handwerk ist, wie Dinge entstehen und funktionieren.“ Das alles sei früher im Leben integriert gewesen, sozusagen in der Dorfmitte zum Zuschauen und Anfassen. „Heute sind die Handwerksbetriebe meistens im Gewerbegebiet, zwangsläufig gibt es nicht mehr so viele Berührungspunkte.“

Einig mit den Erzieherinnen ist Rehder, dass Betriebe als außerschulische Lernorte Kindern eine neue Welt eröffnen können, Interesse für Naturwissenschaften, Technik, Handwerk wecken – und damit vielleicht andere Berufsfelder erschließen. Fehlen doch nicht nur im Handwerk Auszubildende. „Wobei unsere heutigen Gäste dafür noch zu klein sind“, sagt Rehder, dessen Firma mit verschiedenen Bildungseinrichtungen zusammenarbeitet, auch bei Joblinge engagiert ist, einer Initiative für junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen beim Einstieg in die Ausbildung und Arbeit. „Wir sind eine Truppe, die viel rausgeht, das macht allen viel Spaß“, schwärmt die Erzieherin Kerstin, während ihre Kolleginnen Linde und Anne betonen, dass der Tüftler- und Forscherinnentag besondere Lernerlebnisse ermögliche. Vor Ort sein, etwas erleben und selbst ausprobieren sei nachhaltiger als abstrakt zu erklären. Darin sind sich die Erzieherinnen einig. „Die Kinder sind total neugierig und fragen uns manchmal oft Löcher in den Bauch.“

Das macht Türenmann-Projektleiter Alexander Mauz, Ausbildungsleiter Michael Schmid, Schreiner- Auszubildender Julian Hellbach sowie Justus Textor, Dualer BWL-Student mit Schwerpunkt Handwerk, Spaß. Mit den Kleinen experimentieren sie nicht nur in Sachen Werkstoff, sondern bauen auch Vogelhäuschen. Alle Fragen werden beantwortet, auch persönliche. So will der Nachwuchs schon mal wissen, wer von den Erwachsenen schon selbst Kinder hat. „Ich, zwei“, antwortet Mauz schmunzelnd, bevor er mit seinen Kollegen die fertigen Häuschen in eine Tüte voller Mitbringsel wie Taschenlampe oder Maßstab packt. Den probiert Can gleich begeistert aus – während Zoe betont: „Das Vogelhäuschen ist toll, es kommt an mein Fenster.“

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