Warum gibt es in diesem Jahr in der Region Stuttgart so viele Wespen? Der Schädlingsbekämpfer Adrian Machal kennt die Gründe und gibt Tipps.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Vor einer Eisdiele in Marbach umschwirren Wespen die Gäste. Es sind etwa fünf – das kommt den Besuchern eigenartig vor. „So viele sind es sonst nicht“, sagt einer und versucht, sich die Insekten mit rudernden Armen vom Leib zu halten. Ein Anruf beim Experten bestätigt: In der Region Stuttgart sind derzeit erheblich mehr Wespen unterwegs als sonst.

 

Der Fachmann heißt Adrian Machal. „Wir erleben ein ungewöhnlich heftiges Wespenjahr“, sagt der Schädlingsbekämpfer mit Firmensitz in Backnang. Sein Einzugsgebiet reicht von Stuttgart bis Heilbronn. Er habe alle Hände voll zu tun, auch in Richtung Schwäbisch Hall und Aalen, sagt Machal: „Wir erhalten seit Juni täglich etwa 100 bis 200 Anrufe – in einem schwachen Jahr sind es nur 30 bis 50.“

Adrian Machal arbeitet nur mit Schutzanzug – alles andere wäre zu gefährlich. Foto: Gottfried Stoppel

Die Wespenvölker wachsen bis zum August immer an. Aber diesmal so stark wie selten. Der Frühling war trocken: Es hat im März und April wenig geregnet. „Die Königinnen konnten bis jetzt Völker mit Tausenden Wespen bilden“, erklärt Adrian Machal. Ein Faktor sei das Obst. Es reifte diesmal im Juli dank der Regenfälle besonders gut und falle schon auf den Boden. „Die Kolonien können sich schön ausbilden.“

Wespenplage auf der Terrasse

Effektiven Schutz vor Wespen gibt es auf der Terrasse nicht, sagt Machal. „Wenn Duftstoffe mal wirken, hat das eher mit Glück zu tun.“ Auch von Hausrezepten wie angezündetem Kaffee und dessen Rauch halte er wenig. Und Pavillons mit Insektenschutzgitter seien erst recht nicht jedermanns Sache. „Stellt man fest, dass immer wieder Wespen kommen, sollte man in der Umgebung nach einem Nest Ausschau halten.“

Kugeln der Wespen können groß wie Medizinbälle werden

Meistens nisteten sich die Wespen in Gebäuderitzen ein und vermehrten sich dort. Die gemeine Wespe bevorzuge Rollokästen, hat der Experte beobachtet. Hingegen baue ihre Schwester, die sächsische Wespe, gerne draußen Kugeln. „Die können so groß wie ein doppelter Medizinball werden.“ Die Feldwespe wiederum habe lange Beine, schaukele beim Fliegen – und krabbele gerne unter Blechabdeckungen. Vorbeugend zu verhindern sei das Eindringen in Hohlräume nur mit Silikon und Acryl, weiß Adrian Machal. „Aber wer macht das schon?“

Machal entfernt seit 17 Jahren Wespennester. Und musste zu Beginn bitteres Lehrgeld zahlen. „Ich steckte meinen Kopf durch eine Luke in einen Dachboden und wurde wegen einer Glühbirne über meinem Kopf sofort von 20 bis 30 Wespen gestochen“, erzählt der 36-Jährige, der seit 2017 selbstständig ist und ein Büro in Stuttgart hat.

Der Wespenbekämpfer ist seit neun Jahren stichfrei

Seitdem sei er vorsichtig, erzählt der Schädlingsbekämpfer. Er trage immer Schutzkleidung aus Leinen und Baumwolle, ziehe Lederhandschuhe über. Der Lohn: Machal ist seit neun Jahren stichfrei. „Einziger Schwachpunkt ist der Kopfschutz: Wenn man ihn zu nah am Gesicht trägt, kann die Nase gestochen werden.“

Ruhe bewahren und Rückhand nutzen

Wespen stechen – anders als Bienen – auch mal einfach so zum Test, manchmal auch fünf- oder sechsmal. „Wenn sie bei einem landen, sollte man sie mit ruhiger Hand zum Wegfliegen animieren, möglichst ohne hektische Bewegungen“, rät Adrian Machal, der dazu gerne die Rückhand benutzt. Sicherer seien elektrische Fliegenklatschen.

Die Kunden reagierten auf Wespennester fast immer sehr aufgeregt, erzählt der Kammerjäger. In der Regel seien sie nicht begeistert, dafür Geld ausgeben zu müssen – doch am Ende zeigten sie sich immer erleichtert. „Ein beruhigteres Gefühl bei den Menschen zu hinterlassen gibt mir persönlich viel“, sagt Adrian Machal, der auch das Detektivische an seiner Arbeit schätzt. „Wir haben immer einen Plan und eine Lösung.“

Ohne Weiteres ein Wespennest zerstören dürfe er nicht, erzählt der Unternehmer und verweist auf Naturschutzgesetze. Es müsse eine Gefahrenlage vorliegen, und man müsse sachkundig vorgehen. Besonders geschützt sei die Hornisse. „Man braucht dafür eine Ausnahmegenehmigung des Bundesumweltamtes.“

Wespenbekämpfung ohne Schutz vermeiden

Auf Teufel komm raus sollten Hausbewohner keinesfalls ein Wespennest zerstören, rät Adrian Machal. „Wenn man wild herumfuchtelt, mit Wasser herumspritzt und ohne Schutzkleidung arbeitet, kann das leicht im Krankenhaus enden.“ Insbesondere Menschen mit Allergien sollten doppelt vorsichtig sein.

Der Unternehmer warnt ausdrücklich vor Abzocke in seinem Gewerbe. „Man sollte im Internet immer schauen, ob der Kammerjäger aus der Region kommt.“ Er hörte von schwarzen Schafen, die mehr als 1000 Euro für das Entfernen eines Wespennests verlangten. Normal sei aber ein Preis von 100 bis 150 Euro netto. „Viele Versicherungen bezahlen das Entfernen – es ist auch steuerlich absetzbar.“

Warum die Zahl seiner Wespeneinsätze seit Jahren immer weiter in die Höhe schnellten, darüber kann Adrian Machal nur Mutmaßungen anstellen. Über den Klimawandel will er nicht spekulieren, „aber die Großwetterlagen halten länger an“. Letztlich helfe er den Menschen bei ihrem Problem und freue sich am Ende mit ihnen.