Die Ernte der Kakaofrüchte erfolgt in Handarbeit berichtet Also Chipana. Auf dem Foto im Hintergrund ist eine mit der Machete geöffnete Kakaofrucht zu sehen. Foto: Käthe Ruess
25 Arbeitstage für 100 Kilogramm Kakaobohnen: Aldo Chipana gewährt in Holzgerlingen authentische Einblicke in die Welt des Kakaoanbaus. Er stammt aus einer Familie, die in Bolivien vom Kakaoanbau lebt.
Käthe Ruess
15.04.2025 - 13:44 Uhr
„Schokolade ist Liebe, die man sich selbst schenkt“, ist ein weitverbreitetes Zitat, dass das Glücksgefühl beschreibt, dass viele mit dem Genuss der süßen Leckerei, die aus Kakao hergestellt wird, verbinden. Wie dieser produziert wird und mit welchen Herausforderungen die Kakaobauern zu kämpfen haben, davon berichtete Aldo Chipana auf Einladung des Aktionskreis Eine Welt in Holzgerlingen.
Aldo Chipana ist im Tiefland von Bolivien geboren und stammt aus einer Familie, die vom Kakaoanbau lebt und Mitglied in der Produzentengemeinschaft „El Ceibo“ ist, die Bioanbau fairtrade-zertifiziert betreibt.
Ein langer Weg: Von der Bohne zum Kakao
Neben seinem Masterstudium der Agrarökonomie in Hohenheim, das er vor rund drei Wochen erfolgreich abgeschlossen war, ist er auch als Referent für Fairtrade Deutschland und das Entwicklungspädagogische Informationszentrum Reutlingen tätig. In dieser Funktion war er nun in der Holzgerlinger Johanneskirche.
Im Weltladen, den der Verein betreibt, wird auch Schokolade verkauft, die aus Kakao der Kooperative „El Ceibo“ hergestellt wird. Anhand eigener Fotos und selbstgedrehter Filmsequenzen sind die Eindrücke, die Aldo Chipana den gut 50 Interessierten in gut eineinhalb Stunden bietet, greifbar und authentisch.
Eine Kakaofrucht wiegt rund ein halbes Kilogramm. Foto: Käthe Ruess
Der Fairtrade-Landwirt bekommt mehr Geld
Aldo Chipana, der sich in seiner Masterarbeit unter anderem mit Ökonomie und Nachhaltigkeit im Kakaoanbau beschäftigt hat, hat berechnet, dass es im Durchschnitt 25 Arbeitstage braucht, um 100 Kilogramm exportfähige Kakaobohnen zu produzieren. Dafür erhält ein Bauer im konventionellen Monokultur-Anbau rund 200 Euro. Ein Landwirt mit Fairtrade-Zertifizierung bekommt bis zu 700 Euro, so Chipanas Berechnung mit aktuellen Preisen.
Die rund 5,5 Millionen Kleinbauern weltweit, die Kakao in den klimatisch geeigneten Regenwaldzonen in Äquatornähe anbauen, spüren den Klimawandel. Aldo Chipana berichtet von längeren Trockenzeiten und einer zunehmenden Waldbrandgefahr.
Die rund 1300 Mitglieder von „El Ceibo“ begegnen dieser Entwicklung damit, dass sie den Kakao in Agroforsten kultivieren, also in Mischkultur mit Bananen, Avocado und Kaffee sowie höheren Bäumen, die nicht nur den für Kakaobäume notwendigen Schatten liefern, sondern auch der Holzproduktion dienen können. Dadurch erschließen sie weitere Standbeine, schaffen ein günstiges Mikroklima und unterstützen die Artenvielfalt.
Die Sortiermaschine für Kakaobohnen hat viel geändert
Allein aus ökonomischer Sicht rechne sich diese Anbauweise nicht, aber unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sei sie am sinnvollsten: „Es lohnt sich nur, wenn es Menschen gibt, die bereit sind, mehr zu zahlen“ – unter anderem in den Weltläden: „Ihre Arbeit wirkt“, betont Chipana.
Für „El Ceibo“-Mitglieder gibt es dadurch nicht nur den garantierten Mindestpreis, sondern unter auch eine zusätzliche Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Diese hat die Kooperative bereits in Bildungsprojekte, den Aufbau einer Pflanzen- sowie einer Fischzucht, in den Aufbau einer Schokoladenfabrik und in die Anschaffung einer Sortiermaschine für die getrockneten Kakaobohnen investiert: „Manuell haben wir fürs Sortieren von 100 Kilogramm acht Stunden gebraucht, jetzt zehn Minuten“.