Experte verteidigt Neugestaltung Ludwigsburger Arsenalplatz wird bald grün sein
Die Kritik an der Neugestaltung mitten in Ludwigsburg hält an. Die Blauglockenbäume als invasive Art stehen im Fokus. Ex-Blüba-Chef Volker Kugel sieht das anders.
Die Kritik an der Neugestaltung mitten in Ludwigsburg hält an. Die Blauglockenbäume als invasive Art stehen im Fokus. Ex-Blüba-Chef Volker Kugel sieht das anders.
Blauglockenbäume wurden in der Schweiz als invasive Art verboten, in Ludwigsburg hat man gleich 31 Exemplare davon auf dem neu gestalteten Arsenalplatz angepflanzt. Das sorgte bei manchen schon für die Befürchtung, die alten Kastanien könnten durch aggressives Wurzelwachstum der Paulownia tomentosa, wie der Baum fachsprachlich heißt, gefährdet werden – beispielsweise dadurch, dass sie den für Ludwigsburg so typischen Bäumen das knappe Wasser wegnehmen.
Volker Kugel, gelernter Baumschulgärtner, studierter Gartenbauingenieur und ehemaliger Direktor des Blühenden Barocks Ludwigsburg, hält solche Befürchtungen für „kompletten Oberquatsch“. Schon die Einstufung des Blauglockenbaums als invasive Art sei höchst umstritten, sagt er. „Die einzige invasive und EU-weit verbotene Art ist der Götterbaum. Aber der produziert auch Unmengen an Samen, die unfassbar keimfähig sind, und breitet sich überall aus.“
Ein Beispiel dafür sei Stuttgart, wo die Stadt entlang der Hauptstätter Straße versuche, der jungen Götterbäume Herr zu werden – doch die seien nur schwer wieder loszuwerden; einfaches Abschneiden reiche nicht aus. Auch in Esslingen rücken laut einer Mitteilung der Stadt ganze Götterbaumfamilien den eigentlich dort heimischen Bäumen gefährlich nah auf die Rinde. Die Wurzeln des Götterbaums enthalten ein Gift, das andere Pflanzenarten um ihn herum hemmt und unterdrückt. Mehr noch: Sie können sogar Asphalt sprengen und in Mauerritzen eindringen.
Eine solche Gefahr bestehe beim Blauglockenbaum hingegen nicht, sagt Kugel. Er habe vielmehr sehr viele Vorteile, und die Stadtverwaltung habe mit ihm eine gute Entscheidung getroffen. „Er wächst sehr schnell und hat deshalb die beste CO2-Umsatzbilanz aller Bäume, und durch seine großen Blätter macht er tollen Schatten.“
Hinzu komme: „Die Kastanie selbst ist auch kein Schwächling.“ Dennoch hätten die Bäume am Arsenalplatz bislang durch hohe Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius gelitten. Dass vor allem Bitumendächer derart heiß werden und diese Hitze auch an die Umgebung – also auch an die Baumkronen – abgeben können, hat die Friedrich-Naumann-Stiftung bereits vor drei Jahren berichtet. Das Stadtarchiv am Arsenalplatz hat zwar ein Ziegeldach, doch dafür umrahmt es den Platz an zwei Seiten, was für einen zusätzlichen Hitzestau sorgt. Aus Sicht von Volker Kugel ist die Umgestaltung des Platzes für die alten Kastanien eine wesentliche Verbesserung.
Und der Baumexperte prophezeit: „In drei Jahren wird der Arsenalplatz oben komplett zugewachsen sein.“ Erst nach mehreren Jahren werde man die Kronen der neu gepflanzten Bäume wohl ein wenig stutzen müssen, damit das Blätterdach nicht allzu sehr wuchert.