Braune Thuja-Hecken sind auch im Winter ein Problem, sagt Volker Kugel, früherer Chef des Blühenden Barocks in Ludwigsburg. Er rät zur raschen und fachgerechten Entsorgung.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Die Zeiten der klassischen Thuja-Hecke sind vorbei. Immer mehr Gärten im Landkreis Ludwigsburg sind von einem traurigen Bild geprägt: Vertrocknete, braune Hecken, die einst als grüne Grenze zwischen Nachbarn dienten, sind inzwischen eher ein Fall für die Entsorgung. Und diese Entsorgung sollte noch im Winter geschehen.

 

Pilze und Schädlinge, die an den Gewächsen haften, könnten sich verbreiten, befürchtet Volker Kugel, Gartenexperte und ehemaliger Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg. Er warnt davor, das Problem einfach auszusitzen: „Die kranken Thuja-Hecken müssen raus, weil sie Sporen des Pilzes Kabatina thujae tragen, die durch den Wind verbreitet werden.“

Volker Kugel rät, die Entsorgung alter Thuja-Hecken nicht auf die lange Bank zu schieben. Foto: privat

An der Thuja festzuhalten und zu hoffen, dass sie sich erholt, sei verfehlt, sagt Kugel. „Die Thuja hat keine Zukunft mehr – ihre Chancen, gesund zu bleiben, gehen immer mehr zurück.“ Aber durch eine fachgerechte Entsorgung könne man die Ausbreitung der Krankheit zumindest hinauszögern. Punktuell sehe er immer noch grüne Hecken, ein oder zwei Kilometer weiter sehe es manchmal ganz anders aus.

Die Sporen werden im Frühjahr wieder aktiv

Das Problem sieht Kugel in der Untätigkeit: „Die Pilzsporen halten sich über den Winter und werden im Frühjahr wieder aktiv.“ Deswegen stellt sich für Laien jetzt die entscheidende Frage: Wie entsorgt man die Thuja-Hecken richtig?

Kugel warnt: „Wenn man das Schnittgut im heimischen Garten oder in einer Hobby-Kompostanlage entsorgt, verbreiten sich die Sporen weiter.“ Gut aufgehoben seien die Reste in professionellen Kompostwerken. Dort werden die Erreger bei Temperaturen von etwa 75 Grad Celsius abgetötet.

Im eigenen Komposthaufen erreicht das Material nicht die notwendigen Temperaturen.

Volker Kugel, ehemaliger Direktor des Blühenden Barocks

Besonders Hobby-Kompostierer sollten vorsichtig sein. „Im eigenen Komposthaufen erreicht das Material nicht die notwendigen Temperaturen, um die Pilzsporen zu zerstören“, erklärt Kugel. Zwar könne man das Material auch über den Restmüll loswerden, aber die Tonnen seien zu klein. Das wäre auch teuer und sei von der Abfallwirtschaft so nicht vorgesehen.

Das Landratsamt Ludwigsburg rät von einer Entsorgung im eigenen Garten oder gar im Wald dringend ab. Erste Anlaufstation für die Verbraucher seien die Häckselplätze im Landkreis. Grüngutmaterial, das von Pilzen oder Schädlingen befallen ist, sollte dort entsorgt werden. Das Grüngut werde schnell geschreddert und innerhalb von 48 Stunden in Kompostwerke gebracht, so ein Sprecher des Landratsamts.

Tipp des Experten: Im Winter die Neupflanzung planen

Wer braune Thuja-Hecken im Garten hat, sollte aktuell keinen Ersatz anpflanzen. „Die Frostperiode steht noch bevor“, sagt Volker Kugel. Er rät dazu, die alten Hecken erst mal zu entfernen und den Boden für das Frühjahr vorzubereiten. Volker Kugel rät, jetzt schon zu planen, und empfiehlt folgende Alternativen:

  • Die immergrüne Ölweide: Sie verträgt Trockenheit und ist deutlich weniger krankheitsanfällig. Sie wächst auf sandigen, lehmigen und nährstoffarmen Böden, und sie wächst relativ schnell mit 30 Zentimeter pro Jahr. Sie hat Früchte und ist eine Nahrungsquelle für Insekten, hält auch länger als die Thuja.
  • Die Eibe: Sie hält länger als die Thuja, die nur 15 bis 25 Jahre alt wird. Eiben sind extrem widerstandsfähig gegen Kälte, Wind und Trockenheit sowie gegen Krankheiten. Sie ist auch in Schattenlagen die bessere Alternative.
  • Die Hainbuche: Diese ist robust und schnittverträglich, zudem hat sie ökologisch viele Vorzüge und ist langlebig.
  • Die Liguster: Laut Kugel ein „Hidden Champion“, bei milden Wintern bleiben die Blätter und damit der Sichtschutz, man kann die Pflanze leicht zurückschneiden, sie sei „extrem preiswert“.
  • Die portugiesische Lorbeerkirsche: Sie ist resistenter gegen Pilzkrankheiten und gegen Frost, sie sieht nicht so künstlich wie die Thuja aus, und man muss sie nicht so oft schneiden. Sie riecht auch angenehmer, kommt mit Schatten besser zurecht und hat Beeren, die von Vögeln gefressen werden.