Immer öfter sorgen Waschbären im Rems-Murr-Kreis für Schäden in Gärten oder auf Dachböden. Experten erklären nun in Burgstetten, wie mit den Tieren umzugehen ist.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Sie kommen nachts, klettern über Dächer, öffnen Mülltonnen wie kleine Einbrecher – und sorgen inzwischen für hitzige Debatten: Der Waschbär ist im Rems-Murr-Kreis längst kein exotischer Gast mehr, sondern ein Nachbar mit Konfliktpotenzial.

 

Um über die wachsende Population und den Umgang mit den Tieren zu informieren, lädt das Kreisforstamt zu einer öffentlichen Veranstaltung ein, wie das Landratsamt Rems-Murr mitteilt. Der Informationsabend findet am Dienstag, 17. März 2026, um 19 Uhr im Florian-Haus in Burgstetten statt. Fachleute aus Forschung, Verwaltung und Praxis wollen dort erklären, warum sich der Waschbär so erfolgreich ausbreitet – und was Bürgerinnen und Bürger tun können, wenn der maskierte Räuber im Garten auftaucht.

Waschbären sorgen zunehmend für Ärger

Dass das Thema viele Menschen bewegt, zeigt ein Blick auf die jüngsten Ereignisse im Landkreis. Immer häufiger melden Bewohner verwüstete Gärten, geplünderte Mülltonnen oder nächtliche Geräusche auf dem Dachboden. Waschbären sind geschickte Allesfresser, und im Siedlungsraum finden sie reichlich Nahrung.

Diese Mülleimer-Orgie am Bahnhof in Weiler wird einem Waschbären angelastet. Foto: dpa-tmn, esc

Manchmal eskalieren die Begegnungen. In Kirchberg an der Murr etwa endete der Fund eines geschwächten Waschbären im vergangenen Herbst mit einem Polizeischuss – ein Vorfall, der unter Anwohnern heftige Diskussionen auslöste. Während die Polizei das Tier aus Tierschutzgründen erlöst haben will, reagierten einige Augenzeugen entsetzt.

Waschbären plündern S-Bahn-Haltestellen im Rems-Murr-Kreis

Auch an anderen Orten zeigen die Tiere ihre erstaunlichen Fähigkeiten: Am S-Bahn-Haltepunkt Weiler/Rems etwa wurden Mülltüten aus Halterungen gerissen und der Inhalt über den Bahnsteig verteilt. Stadtjäger gehen davon aus, dass Waschbären auf Futtersuche dahintersteckten.

Die Ausbreitung hat inzwischen ein beträchtliches Ausmaß erreicht. Allein im Rems-Murr-Kreis wurden zuletzt mehr als tausend Tiere pro Jahr erlegt, während gleichzeitig immer mehr Bürger über Schäden an Häusern oder Gärten berichten. Naturschützer warnen darüber hinaus vor Auswirkungen auf heimische Arten – etwa wenn Waschbären Amphibien oder Eier von Bodenbrütern fressen.

Waschbär-Infoabend: Experten diskutieren Lösungen im Rems-Murr-Kreis

Der Infoabend soll deshalb mehr sein als eine klassische Vortragsrunde. Nach der Begrüßung durch die Burgstettener Bürgermeisterin berichten die Wildtierbeauftragten des Landkreises über ihre Arbeit im Gelände. Ein Wissenschaftler der Wildtierforschungsstelle erklärt die Biologie des Waschbären, ein Forscher der Goethe-Universität spricht über Krankheiten und Ausbreitung der Art. Zum Abschluss schildert ein Stadtjäger seine Erfahrungen aus der Praxis.

Im Anschluss können Besucher Fragen stellen und mit den Fachleuten diskutieren. Denn eines scheint im Rems-Murr-Kreis inzwischen klar: Der Waschbär ist gekommen, um zu bleiben. Die entscheidende Frage ist nur noch, wie Mensch und Tier künftig miteinander auskommen.