Experten raten Bei der Geldanlage auf die Kosten achten

Von Sabine Marquard 

Je länger das Ersparte nahezu unverzinst auf dem Tagesgeldkonto bleibt, desto mehr frisst die Inflation davon weg. Sparer suchen händeringend nach Alternativen. Die Experten vom privaten Bankenverband raten, die Kosten unbedingt im Blick zu haben.

Wer sich für Aktien als Geldanlage entscheidet, sollte einen langen Atem  haben, raten  Experten. Das Bild  zeigt den Handelssaal an der Frankfurter Börse. Foto: dpa
Wer sich für Aktien als Geldanlage entscheidet, sollte einen langen Atem haben, raten Experten. Das Bild zeigt den Handelssaal an der Frankfurter Börse. Foto: dpa

Stuttgart -

Je länger das Ersparte nahezu unverzinst auf dem Tagesgeldkonto bleibt, desto mehr frisst die Inflation davon weg. Sparer suchen händeringend nach Alternativen. Die Experten vom privaten Bankenverband raten, die Kosten unbedingt im Blick zu haben.

Muss ich als Sparer mit Negativzinsen rechnen?

Der Wettbewerb unter den Kreditinstituten ist so groß, dass Negativzinsen für normale Sparer kaum vorstellbar sind.

Auf welche Kosten muss ich bei der Geldanlage achten?

Das kommt darauf an. Bei Spareinlagen gibt es in der Regel keine Kosten. Das ist bei Wertpapieren anders. Nach einer Wertpapierberatung erhalten Sie detaillierte Produktinformationen. Sämtliche Kosten sind hier ausgewiesen – sowohl die ein­maligen Kosten für den Kauf als auch jährlich laufende Gebühren. Betrachten Sie alle Kosten im Verhältnis zur Anlagesumme und -dauer sowie zur erwartenden Rendite. Wichtig ist, was unterm Strich übrig bleibt.

Ist eine Anlage in Gold ratsam?

Gerade in unsicheren Zeiten gilt Gold als Krisenwährung. Gold eignet sich daher als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen mit etwa fünf bis zehn Prozent. Bedenken Sie, dass Gold keine regelmäßigen Erträge bringt und eine Rendite nur erzielt wird, wenn der Goldpreis steigt. Doch der Goldpreis schwankt ähnlich stark wie Aktien, und niemand weiß, wie er sich entwickeln wird. Gold ist kein Allheilmittel. Kaufen Sie nicht zu kleine Goldeinheiten, das ist teuer.

Welches Risiken bergen offene Immobilienfonds?

Offene Immobilienfonds legen überwiegend in eine Vielzahl gewerblich genutzter Objekte wie Grundstücke und Immobilien an. Die Anlagen sind breit gestreut über verschiedene Standorte und Nutzungsarten, um das Risiko zu mindern. Von allen Fondsarten schwanken offene Immobilienfonds am wenigsten und erzielten in der Vergangenheit, je nach Fonds, eine stabile Wertentwicklung von zwei bis drei Prozent. Als Beimischung sind sie besonders für konservative, langfristig orientierte Anleger geeignet.

Kann ich offene Immobilienfonds jederzeit wieder verkaufen?

Bei offenen Immobilienfonds gilt eine zweijährige Mindesthaltefrist sowie eine einjährige Kündigungsfrist – wobei bereits während der Mindesthaltefrist gekündigt werden kann. Der Verkauf von Fondsanteilen über die Börse ist zwar jederzeit möglich, dann aber abhängig vom aktuellen Tagespreis und in der Regel gebührenpflichtig.

Bleiben die Zinsen noch lange so niedrig?

Die Geldpolitik im Euroraum wird wahrscheinlich auch im nächsten Jahr kaum eine Zinswende vollziehen. Und das Beispiel USA hat gezeigt, dass auch nach einer Zinswende der Notenbank die Zinsen nur langsam steigen.

Wie lege ich einen größeren Betrag aus einer Lebensversicherung an?

Das kommt auf Ihre persönliche Situation an. Haben Sie Schulden bzw. Kredite, sollte man diese in der Regel zuerst tilgen. Für eine Anlage ist relevant, wie lange Sie das Geld anlegen können, wie risikobereit Sie sind, welche Ersparnisse Sie bereits haben und wie diese angelegt sind. Grundsätzlich sollte man sein Geld nicht einseitig investieren. Besser breit streuen und verschiedene Laufzeiten abdecken. Für Notfälle sollte eine Reserve schnell verfügbar zurück gelegt werden. Ihr Berater kann Sie im Detail unterstützen.

Soll man Aktien kaufen, auch wenn die Wirtschaftslage unsicher ist?

Solange die Wirtschaft weltweit wächst und die Unternehmenserträge steigen, bleiben die Aussichten für die Aktienmärkte positiv. Viele Aktienunternehmen zahlen attraktive Dividenden. Politische Entwicklungen, wie internationale Handelskonflikte, können jedoch immer wieder zu Kursrückschlägen führen. Daher sollte man nur einen Teil seines Vermögens in Aktien langfristig anlegen – also zehn Jahre oder länger.

Ich habe einen größeren Betrag frei, den ich in Aktien investieren möchte. Soll ich das auf einmal tun?

Größere Beträge sollte man am besten aufteilen, um nach und nach zeitlich versetzt Aktien zu kaufen. So lässt sich ein Kauf zu Höchstpreisen vermeiden.

Ich kann monatlich einen gewissen Betrag zur Seite legen. Kann ich dennoch Aktien kaufen?

Wenn Sie langfristig anlegen wollen, über zehn Jahre oder länger, und Schwankungen aushalten können, ist ein Aktienfonds-Sparplan eine gute Alternative. Ist das Kursniveau bereits hoch, sollten sie mit kleineren Monatsraten beginnen. Wenn die Börsen anfangen zu fallen, sollten Sie Ihre monatliche Sparrate erhöhen. Legen Sie aber nur Geld an, das Sie langfristig liegen lassen können. Historisch gesehen waren langfristige Aktienanlagen die beste Anlageform.

Welche ETFs lohnen sich für einen Sparplan?

Grundsätzlich empfiehlt sich eine breite Streuung, um das Risiko zu verteilen. Von daher könnte ein monatlicher Sparplan auf den MSCI World für einen langfristigen Vermögensaufbau infrage kommen. Der MSCI World umfasst über 1600 Aktienunternehmen aus 23 Ländern. Damit haben Sie eine breite Risikostreuung und bei langem Anlagehorizont auch attraktive Renditechancen.

Wie sicher ist ein Online-Depot?

Online-Depots sind sehr sicher, sofern Sie bestimmte Sicherheitsregeln einhalten. Auf allen Endgeräten sollte ein aktueller Virenscanner und eine Firewall installiert und aktiviert sein. Der Internet-Browser oder die App sollte immer auf dem neuesten Stand sein. Und speichern Sie keine Passwörter, Geheimzahlen oder TANs auf Festplatte oder Cloud.

Um Kosten zu sparen, überlege ich, ETFs über das Internet zu kaufen. Was meinen Sie?

Für den Handel mit Wertpapieren sollte man etwas Erfahrung mitbringen. Wichtig ist: Der ETF sollte echte Aktien des zugrunde liegenden Index enthalten. So ein Fonds ist maximal so gut wie der Index. Die geringen Kosten sollten nicht der einzige Grund für einen ETF sein. Wichtig ist auch, dass der Anteil Ihrer Anlage in ETFs zu Ihrer Gesamtvermögensstruktur passt.

50 000 Euro liegen zinslos auf dem Sparbuch. Jetzt wurde mir ein Mischfonds mit einem Aktienanteil von 13 Prozent angeboten, um die Rendite zu verbessern. Was meinen Sie?

Wenn Sie eine attraktive Rendite erzielen möchten, ist der Aktienanteil zu niedrig. Alternativen mit höherem Aktienanteil wären ratsam. Oder Sie investieren einen Teil des Geldes in einen weltweiten Aktienfonds, der auf dividendenstarke Aktien setzt.

Ich möchte einen offenen Immobilienfonds kaufen, aber der Ausgabeaufschlag von vier Prozent erscheint mir sehr hoch. Was tun?

Verhandeln Sie mit Ihrer Bank, ein Rabatt auf den Ausgabeaufschlag ist möglich. Im Durchschnitt brauchen sie bei vier Prozent Ausgabeaufschlag zwei Jahre, bis Sie im Plus sind. Würde der Aufschlag zum Beispiel nur zwei Prozent betragen, wären Sie schon nach einem Jahr in der Gewinnzone.

Ich möchte für meine Enkel je 150 Euro monatlich sparen. Lohnt sich dafür ein Fondssparplan?

Das ist eine gute Möglichkeit, die Renditechancen sind langfristig gut, am besten mit Aktienfonds-Sparplänen. Hier müssen Sie zwar Wertschwankungen aushalten können, aber Sie nutzen diese auch für sich. Bei sinkenden Kursen kaufen Sie für Ihre Sparrate mehr Fondsanteile als bei hohen Kursen. So ergibt sich über die Zeit ein guter Durchschnittspreis.