Experten schlagen Alarm Leonberger Stadthalle muss dringend saniert werden
Um den Betrieb nicht zu gefährden, braucht der zentrale Veranstaltungsort ein bauliches Zukunftskonzept. Doch es gibt noch mehr Pläne rund um den Stadtpark.
Um den Betrieb nicht zu gefährden, braucht der zentrale Veranstaltungsort ein bauliches Zukunftskonzept. Doch es gibt noch mehr Pläne rund um den Stadtpark.
Die Geschichte der Stadthalle ist eine von großen wie unerfüllten Plänen. Die „gute Stube“ Leonbergs, wie sie mitunter verniedlichend genannt wird, ist schon mehr als das. Das Veranstaltungsgebäude am Rande des Stadtparks bietet rund 750 Sitzplätze, wobei der große Saal auch verkleinert werden kann.
Kleinere Tagungsräume werden gerne von Firmen gemietet, in den langen Monaten des Rathaus-Neubaus und während der Corona-Zeit tagten hier der Gemeinderat und die Ausschüsse. Nicht zuletzt steht der Begriff „Stadthalle“ für ein Restaurant, das von Freunden der gehobenen griechischen Küche gerne angesteuert wird.
Klein, aber nicht zu klein: Dieses Konzept für die zentrale Veranstaltungshalle einer mittleren Stadt, die es nicht mit den Großevents im benachbarten Stuttgart aufnehmen kann, aber doch dem eigenen Publikum ein Angebot an künstlerischer Qualität machen sollte, hat sich in der jüngsten Zeit als stimmig erwiesen. Das war nicht immer so.
Ein richtiges Kongresszentrum schwebte dem früheren Oberbürgermeister Martin Georg Cohn vor, ein Ort, an dem nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Dies wiederum hätte einen Neubau unabdingbar gemacht. Und der wäre vor allem eines gewesen – teuer.
Jahrelang wurde hin- und herdiskutiert. Der Zahn der Zeit machte unterdessen vor dem 42 Jahre alten Gebäude nicht Halt. Die Toiletten für das Publikum waren in keinem guten Zustand, die Künstlergarderoben erst recht nicht, die Belüftung des großen Saals war alles andere als zeitgemäß.
Mittlerweile ist die Vision vom großen Kongresszentrum vom Tisch, die Toiletten sind renoviert, und auch für eine bessere Saalluft wurde einiges getan. Doch dem Gesamtzustand der Halle gibt das städtische Gebäudemanagement keine gute Noten. Es bestehe „ein erheblicher Sanierungsstau“, stellt das Fachamt fest. Dies betreffe „die bauliche Substanz, die technische Ausrüstung sowie energetische Anforderungen“.
Unter dem Strich sei es fraglich, ob die gesetzlichen Sicherheitsvorgaben auf Sicht eingehalten werden könnten. Deshalb, so befürchten die Fachleute im Dezernat des Baubürgermeisters Klaus Brenner, bestehe „das Risiko, dass der Betrieb künftig eingeschränkt oder im schlimmsten Fall untersagt werden“ könne.
Das Gebäudemanagement empfiehlt daher eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen, „die eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung der Stadthalle liefert“. Ziel sei es, „verschiedene Sanierungsoptionen systematisch zu untersuchen und vergleichbar darzustellen“.
Dabei sehen die Bauexperten drei Möglichkeiten: eine Mindestsanierung, um die Betriebsfähigkeit sicherzustellen. Der Mittelweg sei eine umfassendere Sanierung und Modernisierung der gesamten Halle. Die inhaltliche beste Lösung könnte indes neben der Instandsetzung in einer Erweiterung der Anlage liegen.
Neben der Auffrischungskur für die Halle will die Stadt in einem Atemzug ein weiteres seit Langem brachliegendes Projekt wieder angehen: den sogenannten Grüngürtel. Hinter dem verbirgt sich vor allem eine Aufwertung des Stadtparks. Bei beiden Vorhaben erwartet Oberbürgermeister Tobias Degode eine nicht unerhebliche Förderung aus den Töpfen von Land, Bund und der EU. Auch eine Umgestaltung des Bürgerplatzes vor der Stadthalle, hier fanden bis vor drei Jahren die „Leonpalooza“-Festivals statt, ist wieder in greifbare Nähe gerückt.
Im Gemeinderat ist der Handlungsbedarf unstrittig, zumal „viele Jahre mit Visionen über einen vermeintlich wichtigen Neubau verplempert wurden“, wie der SPD-Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier spitz anmerkte. Jetzt soll das Baudezernat ein geeignetes Fachbüro suchen, das eine Entscheidungsgrundlage für die Zukunft erarbeiten. So lange muss die Technik noch halten.