Experten-Tagung: Ist Deutschland ein Ort der Angst? Wenn Angst außer Kontrolle gerät

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Zwölf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Angststörungen. Die Hälfte von ihnen wird gar nicht oder falsch behandelt. Was sind die Symptome, Ursachen und Folgen der Erkrankung? Welche Therapien helfen?

Wer unter Angststörungen leidet, hat das Gefühl, in einen tiefen Brunnen zu stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Foto: Wikipedia commons/Henry Mühlpfordt CC BY-SA 3.0
Wer unter Angststörungen leidet, hat das Gefühl, in einen tiefen Brunnen zu stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Foto: Wikipedia commons/Henry Mühlpfordt CC BY-SA 3.0

Berlin/Stuttgart - Was Angst ist, weiß man spätestens, wenn man das Filmmelodram „Angst essen Seele auf“ aus dem Jahr 1974 von Rainer Werner Fassbinder gesehen hat. In den Hauptrollen die grandiose Brigitte Mira, El Hedi ben Salem und Barbara Valentin.

Deutschland – ein Ort der Angst?

Ist Deutschland ein Ort der Angst? Den Fakten zufolge: Ja! Rund zwölf Millionen Menschen hier zu Lande leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin an Angststörungen. In Europa sind es schätzungsweise 60 Millionen.

Angsterkrankungen sind damit die häufigste psychische Erkrankung – noch vor Depression. Doch nur bei der Hälfte der Betroffenen wird sie erkannt und richtig behandelt. Millionen Menschen sind ihren Ängsten ohne ärztliche und therapeutische Hilfe ausgeliefert, fühlen sich allein, hilflos, verzweifelt.

Die DGPPN hat sich gemeinsam mit der Gesellschaft für Angstforschung (GAF) in Göttingen auf ihrem 25. Hauptstadtsymposium mit den Phänomen der Angst in der Gesellschaft, ihren Gründen, Folgen und den Therapiemöglichkeiten befasst.

Angst vor der Angst

„Aus Angst vor der Angst vermeiden viele betroffene Situationen, die ihre Furcht auslösen, beschreibt der der Psychiater und GAF-Vorsitzende Borewin Bandelow das Dilemma. „Sie ziehen sich immer mehr aus dem Leben zurück und haben häufig Probleme in der Partnerschaft, der Familie oder im Berufsleben. In ihrer Verzweiflung greifen sie auch zu Alkohol oder Beruhigungsmitteln.“

Wenn Angsterkrankung nicht richtig behandelt würden, drohen Chronifizierung und Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Sucht, warnen die Fachgesellschaften.