Stuttgart - Sie sehen unscheinbar aus wie ein etwas überdimensionierter USB-Stick, aus dem Dampfschwaden entweichen. Der Herstellerfirma, dem amerikanischen Start-up-Unternehmen Juul Labs, mit Sitz in San Francisco (US-Bundesstaat Kalifornien), hat der Hype um die neuartige E-Zigarette in den USA einen Verkaufsboom beschert.
Seit der Markteinführung in den USA Anfang Juni 2015 ist der Marktanteil der Firma bei E-Zigaretten von zwei auf 72 Prozent gestiegen. Besonders beliebt sind die Geschmacksrichtungen Minze, Apfel und Mango. Die Einnahmen aus dem Verdampfer-Geschäft spülen in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Dollar (880 Millionen Euro) in die Kassen.
Verkaufsschlager in den USA
Laut US-Medien ist die E-Zigarette vor allem unter Jugendlichen ein Verkaufsschlager. Nach Angaben der U. S. Food and Drug Administration (FDA), der Behörde für Lebens- und Arzneimittel, nutzen mehr als 3,6 Millionen Schüler die elektrischen Verdampfer – 1,5 Millionen mehr als noch vor einem Jahr.
Demnach nahm der Konsum unter High-School-Schülern seit 2017 um 78 Prozent zu. Unter den Sechst- bis Achtklässlern gab es demnach einen Anstieg um 48 Prozent. Besorgniserregend ist vor allem, dass mit dem E-Boom erstmals seit Jahren auch die Zahl der minderjährigen Zigarettenraucher in den USA wieder deutlich anstiegen ist.
Gesundheitsexperten sind alarmiert
Der Boom von Juul hat die FDA alarmiert. In mehreren Studien haben FDA-Experten auf die Gefährlichkeit des trendigen Produkts hingewiesen, das offenbar schneller abhängig macht als andere E-Zigaretten. Die Ergebnisse der Untersuchungen seien „alarmierend“, warnt FDA-Chef Scott Gottlieb. „Diese Zunahmen müssen aufhören. Ich werde nicht zulassen, dass eine Generation von Kindern durch E-Zigaretten nikotinsüchtig wird.“
Nun wollen die beiden Gründer von Juul-Labs James Monsees und Adam Bowen, frühere Studenten der US-Eliteuniversität Stanford, auch nach Deutschland expandieren und den hiesigen E-Zigaretten-Markt „aufmischen“. Bisher ist Juul neben den USA in Großbritannien, Russland und Israel erhältlich. Im Internet wird damit geworben, dass „das Trendteil aus den USA“ nach Deutschland kommt und im „Juul-Shop“ online zu kaufen ist.
Hoher Nikotin-Gehalt
Wie für alle Drogen gilt auch für E-Zigaretten: Die Dosis machts. Was Juul-E-Zigaretten so gefährlich macht, ist die höhere Dosierung von Nikotin als in anderen E-Zigaretten. Die Kapseln mit Liquid enthalten bis zu 50 Milligramm des abhängig machenden Inhaltsstoffs je Milliliter Flüssigkeit. In der Europäischen Union sind aber nur 20 Milligramm Nikotin je Milliliter erlaubt. Juul-Raucher nehmen beim Verdampfen also deutlich mehr Nikotin auf.
Nach einem Bericht der „Welt“ soll die Juul E-Zigarette für den europäischen Markt angepasst werden. Juul-Deutschlandchef Markus Kramer erklärte: „Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben.“ Die Light-Variante soll entsprechend den EU-Richtlinien höchstens 20 Milligramm Nikotin je Milliliter Flüssigkeit enthalten.
In E-Zigaretten werden aromatisierte Flüssigkeiten elektrisch verdampft. Die Geräte bestehen aus einem Akku, einem elektrischen Heizelement – dem sogenannten Vernebler – und einer Kartusche, in der sich die zu verdampfende Flüssigkeit – Liquid – befindet. Es entsteht kein Rauch, sondern ein Aerosol, ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas, das eingeatmet wird. Beim Erhitzen der Liquids entstehen aber auch krebserregende Substanzen wie Acetaldehyd und Formaldehyd, welche die Haut- und Schleimhäute reizen, die Atemwege schädigen und als krebserregend gelten.
US-Regierung will E-Zigaretten-Markt stärker regulieren
Die US-Regierung will jetzt den Verkauf von Juuls-Produkten und anderer E-Zigaretten stärker regulieren. Nach Plänen der FDA sollen einige aromatisierte E-Zigaretten nur noch in Läden verkauft werden, in die Jugendliche unter 18 Jahren entweder gar keinen Zutritt haben oder in denen es Bereiche gibt, wo sie sich nicht aufhalten dürfen.
Menthol- und Mintgeschmacksrichtungen sollen von den Einschränkungen ausgenommen werden. Bei Verkäufen im Internet will die Behörde strengere Altersüberprüfungen durchsetzen. Außerdem strebt sie ein Verbot von Mentholzigaretten an, dessen Umsetzung könnte allerdings Jahre dauern.
Wie wirkungsvoll die Einschränkungen tatsächlich sind, ist allerdings fraglich. Schon jetzt dürfen Zigaretten und E-Zigaretten in den USA nicht an Menschen unter 18 Jahren verkauft werden. Laut einem Bericht der „New York Times“ hatte die FDA ursprünglich ein komplettes Verbot von aromatisierten E-Zigaretten angestrebt. Anwälte hätten aber argumentiert, dass die Behörde nicht die rechtliche Befugnis habe, ein solches Verbot durchzusetzen.