Expertenmeinung Eine Ebola-Impfung kostet 100 Euro

Eine Ebola-Übung in Genf Foto: dpa
Eine Ebola-Übung in Genf Foto: dpa

Die Kosten für eine flächendeckende Ebola-Impfung sind enorm - davon ist ein Experte aus Leipzig überzeugt. Indes bereitet sich die Bundeswehr auf die Rückkehr ihrer Helfer vor.

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Düsseldorf - Auf die internationale Gemeinschaft kommen nach Einschätzung eines Experten hohe Kosten für die Ebola-Impfungen zu. „Eine Impfung wird sicher über 100 Euro kosten“, sagte Professor Bernhard R. Ruf, Chef der Leipziger Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin und Nephrologie. Die Bundeswehr bereitet sich nach dem Start ihres Hilfseinsatzes in Westafrika bereits auf die Rückkehr ihrer Helfer vor. Der Sanitätsdienst erklärte am Mittwoch in Koblenz, wie das Infektionsrisiko für Helfer in Afrika und die Gefahr einer Ansteckung anderer Menschen in Deutschland möglichst gering gehalten werden sollen.

Bei den Impfkosten seien die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Industrie gefragt, sagte der Infektiologie-Experte Ruf bei einem Gesundheitskongress in Düsseldorf. In Afrika, wo geimpft werden müsse, könnten sich die Menschen solche Summen nicht leisten.

Erprobung am Menschen

Forscher in Deutschland erproben derzeit einen Ebola-Impfstoff an Menschen. Er soll nach Angaben des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in den nächsten sechs Monaten an zunächst 30 Freiwilligen getestet werden. Im Falle erfolgreicher Tests könnte der Impfstoff nach Angaben des UKE etwa ab Herbst 2015 eingesetzt werden.

Ruf hält es für möglich, dass die Ebola-Impfung sogar schon vom kommenden Frühjahr an zum Einsatz kommen könnte. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Ebola-Impfung „rasch funktionieren“ werde. „Ebola ist eine klassische Virusinfektion“, sagte Ruf.

Am Freitag waren die ersten Freiwilligen der Bundeswehr zum Ebola-Einsatz in Liberia abgeflogen. Ein Aufbauteam soll ein Behandlungszentrum in der Hauptstadt Monrovia einsatzbereit machen. „Ebola ist einer der gefährlichsten Erreger“, sagte Oberstarzt Peter Lüke in Koblenz. Dennoch sei das Risiko, dass sich ein Helfer infiziere und in Deutschland zur Ansteckungsgefahr werde, sehr gering.

Damit sich die freiwilligen Helfer aus Deutschland nicht infizieren, müssen sie vor der Abreise eine Prüfung im Umgang mit Schutzanzug, Atemschutzmaske und Schutzbrille ablegen. Dabei fielen auch Kandidaten durch, sagte Lüke. Von den Freiwilligen der Bundeswehr seien insgesamt rund 200 für den Ebola-Einsatz in Liberia geeignet. „Von denen schicken wir immer 20 für vier Wochen runter.“ Die ersten werden Mitte Dezember zurückerwartet.

Freiwillige, dreiwöchige Auszeit

Vor dem Rückflug wird Fieber gemessen und nach Symptomen gefragt. Im Anschluss biete die Bundeswehr eine freiwillige, dreiwöchige Auszeit in geschützter Umgebung „im Sinne einer Präventivkur“ an, sagte Oberstarzt Lüke. Der Einsatz in einer sehr heißen Umgebung, wo viele Menschen sterben, sei für die Helfer sehr belastend. Nur wer einen direkten Kontakt zu einem Infizierten hatte, etwa über einen versehentlichen Nadelstich, komme in Quarantäne.

Insgesamt scheine sich die Lage in Monrovia etwas zu entspannen, die Zahl der Infizierten sinke. Lüke warnte aber vor voreiligen Schlüssen. „Auf dem Land gibt es eine große Dunkelziffer.“ Zwischen 50 und 70 Prozent der an Ebola erkrankten Patienten sterbe.

Nach neuen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation hat die Seuche in Westafrika schon mehr als 5000 Todesopfer gefordert. Insgesamt gebe es seit Bekanntwerden des Ausbruchs der Seuche im März 14 098 bestätigte Ebola Infektionen und 5160 Todesfälle. Es gibt der WHO zufolge jedoch Anzeichen dafür, dass die Zahl neuer Fälle in Guinea und Liberia landesweit nicht mehr steigt. In Sierra Leone hingegen sei weiterhin eine „starke Zunahme“ der Krankheitsfälle zu verzeichnen, teilte die Organisation mit. Aus dem westafrikanischen Mali wurden mittlerweile zwei neue Ebola-Tote bekannt. Zuvor hatte es dort nur einen Fall gegeben.




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