Expertentipps aus Fellbach Wie gelingt ein lebendiger Garten?

Christiane Meßner berät im Fellbacher Rathaus, wie der Garten artenreicher werden kann. Foto: Bepflanzung am Schwabenlandhallenpark Fellbach

Corona hat das Interesse am Garten verstärkt. Im Fellbacher Rathaus berät eine Expertin, wie es möglich ist, mehr Vielfalt zu erzeugen sowie Bienen und Co. einzuladen.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Die Coronapandemie hat das Interesse am Gärtnern beflügelt. Viele entdeckten im Lockdown ihren grünen Daumen oder haben durch Homeoffice einen neuen Blick auf ihren Garten erhalten. Doch der lässt manchmal noch einige Wünsche offen. „Ich habe leider gar nichts zu beobachten. In meinem Garten ist nichts los, da gibt es keine Tiere.“ So ähnlich habe ein Mann beschrieben, was er wahrgenommen hat, als er in Coronazeiten in seinem Garten saß.

 

Der Mann war einer der Teilnehmer, der sich bei Christiane Meßner zu einer Gartenberatung angemeldet hatte. „Grün kann auch tot und steril sein“, machte die Landschaftsarchitektin deutlich. Die Pflanzenexpertin gibt Interessierten im Fellbacher Rathaus Tipps, wie es gelingen kann, dass es im Garten summt und brummt, wie Artenreichtum im heimischen Garten möglich ist. Die Beratungstermine werden von der Stadt Fellbach organisiert und finanziert.

Interessenten bringen Fotos und Skizzen mit

Die Gartenbesitzerin, die an diesem Mittwochnachmittag vorbeikommt, hat sich gründlich vorbereitet, wie es vorab empfohlen wird. Sie hat eine Skizze des Gartens dabei, in der die wesentlichen Elemente wie Haus, Terrasse, Bäume und Beete eingezeichnet sind. Ebenso sind Fotos erbeten.

Christiane Meßner macht sich einen Überblick, fragt nach den Bereichen, die vorwiegend im Schatten oder in der Sonne liegen und will natürlich wissen, welche Bedürfnisse und Vorstellungen die Gartenfreundin hat. „Es soll mehr blühen, nicht nur diese paar Tulpen“, sagt diese. Die Kinder seien nun groß, nun sei es an der Zeit, den Garten etwas zu verändern. Im Laufe der intensiven Beratung, die auf rund eine Stunde angelegt ist, geht es auch um die räumliche Aufteilung des Gartens mit verschiedenen Schwerpunkten. Einiges gibt es zu berücksichtigen, den Sichtschutz zum Nachbarn, die Wegeführung, die bereits eingewachsenen Büsche und Bäume, die Bodenverhältnisse und vieles mehr. „Ihre Wiese ist ein echtes Kapital“, sagt Christiane Meßner. Schließlich werden Areale herausgearbeitet, die sich für die Pflanzung von Stauden anbieten würden. „Das Spiel von Licht und Schatten bietet viel mehr Möglichkeiten als ein Bereich mit brennender Sonne“, sagt die Pflanzenexpertin. Während der Beratung ist sie umgeben von verschiedenen Pflanzen und Stauden, um diese auch sinnlich wahrnehmen zu können. Im Fokus stehen dabei insektenfreundliche, aber auch dekorative Pflanzen. Zum Beispiel die Brunnera, das Kaukasusvergissmeinnicht, sei ein Generalist und bezaubert durch sein Blau. Es ist auch im Park der Fellbacher Schwabenlandhalle zu sehen. Christiane Meßner hat 2019 die Bepflanzung des Parks rund um die Schwabenlandhalle geplant und umgesetzt.

Das Gelb-Thema wird im Sonnenbeet fortgeführt

Da bei der Gartenbesitzerin bereits gelbe und rote Rosen wachsen, geht die Empfehlung dahin, das Gelb-Thema auch im Sonnenbeet aufzugreifen. Eine ganz klassische Leitpflanze sei dabei der Sonnenhut, auch das Mädchenauge könnte sich gut dazugesellen. Dass es bei mancher Pflanzengattung dabei oft jede Menge unterschiedlicher Arten und Varianten gibt, das führt die Fachfrau immer wieder an und zeigt deren Stärken und Unterschiede auf.

Auch erfährt man beiläufig, dass Geranium nichts mit den allseits bekannten Geranien auf dem Balkon zu tun hat, sondern es sich um einen Storchschnabel handelt, der mit einer ausdauernden Blüte punktet. Christiane Meßner achtet gleichzeitig darauf, nicht mit zu viel Know-how zu erschlagen und ermuntert vor allem zu einer realistischen Umsetzung. „Fangen Sie einen ersten Schritt an, und nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor“, sagt sie.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Damit Kinder Bienen schätzen lernen

„Auf solche Ideen bin ich noch gar nicht gekommen“, sagt die gartenaffine Frau aus Fellbach am Schluss. Und man merkt ihr an, dass es in ihr arbeitet, als sie die Tipps und Anregungen einpackt.

Christiane Meßner vom Leinfelder Büro Kienleplan hat in diesem Jahr wegen hoher Nachfrage einen Zusatztermin angeboten. „Wir wollen das Angebot auf alle Fälle fortsetzen“, sagt Gundis Steinmetz vom Stadtplanungsamt. Weitere Beratungstermine gibt es dann im kommenden Jahr. Dieses Jahr hätten bereits einige Interessenten vertröstet werden müssen. „Dass das Angebot so gut angenommen wird, das freut uns natürlich“, sagt Gundis Steinmetz. Erstmals ist auch ein Flyer mit Infos zur Gartenberatung, der auch eine Samenmischung für Blühpflanzen enthält, erschienen. Dieser liegt unter anderem im Fellbacher Rathausfoyer aus.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Garten Bienen Fellbach Pflanzen