Expertin aus Steinenbronn So finden Babys in den Schlaf
Jenny Gottschall aus Steinenbronn arbeitet als Schlafcoachin für Babys und Kleinkinder bis drei Jahre. Sie weiß, warum es todmüden Kindern manchmal so schwer fällt, zur Ruhe zu kommen.
Jenny Gottschall aus Steinenbronn arbeitet als Schlafcoachin für Babys und Kleinkinder bis drei Jahre. Sie weiß, warum es todmüden Kindern manchmal so schwer fällt, zur Ruhe zu kommen.
Die Kunden, die zu Jenny Gottschall Kontakt aufnehmen, sind völlig übermüdete Eltern, deren Babys oder Kleinkinder nachts stündlich aufwachen, morgens um 5 Uhr hellwach durchs Bett hüpfen, beim Einschlafen brüllen oder schwer in den Mittagsschlaf finden. Die Probleme der jungen Familien sind so vielfältig wie die Lösungsansätze, die die Schlafcoachin mit ihnen erarbeitet. Ihr unverrückbarer Standpunkt ist dabei: „Ich gebe nie das Versprechen, dass das Kind nach einem Coaching durchschlafen wird“, sagt die 32-Jährige. Sie sei nicht diejenige, die den Zauberstab schwinge und alle Probleme löse. Vielmehr erarbeite sie zusammen mit den Eltern Ideen, wie für das jeweilige Kind ein gutes Schlaffundament geschaffen werden könne. „Ich bin angewiesen auf die Eltern, denn sie sind die Experten ihres Kindes.“
Das Coaching mit dem Namen „Schlafselig“, das Jenny Gottschall seit anderthalb Jahren anbietet, hat sich schnell herumgesprochen und wird gut nachgefragt. „Es gibt immer müde Eltern“, sagt sie und lacht. Dank der Möglichkeit, sich über Videotelefonate zu begegnen, kommen ihre Kunden aus ganz Deutschland. Eine treue Kundin ruft sogar regelmäßig aus Australien an. „Sie kontaktiert mich immer bei Umstellungen“, sagt Gottschall. Und davon gebe es viele: Den ersten großen Umbruch in der Schlafentwicklung gebe es, wenn Babys vier Monate alt seien und der willkürliche Schlaf eines Neugeborenen zyklisch werde, dann noch mal mit neun, elf, 18 und 24 Monaten. Eltern merkten diese Umbrüche daran, dass ihre Kinder plötzlich nicht mehr wie gewohnt einschliefen. „In diesen Phasen nehmen Eltern oft viele Einschlafhilfen hinzu und ballern das Kind damit zu, in der Hoffnung, dass es einschläft“, sagt sie. Außer das Baby zu stillen, werde nun auch noch geschunkelt, herumgetragen und gesungen. Sie rate eher dazu, die gewohnten Routinen beizubehalten und stattdessen vielleicht an der Einschlafzeit zu feilen.
Denn ob ein Kind gut einschlafe, hänge letztlich mit dem Schlafdruck zusammen. Je höher die Müdigkeit, umso besser schlafe das Kind ein und umso ruhiger sei in der Regel die erste Schlafhälfte. Aber Achtung: „Nach müde kommt sehr müde – und dann kommt topfit“, sagt Gottschall, die selbst Mutter einer kleinen Tochter ist. Bei großer Erschöpfung werde das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet, das am Einschlafen hindere. Es könne ein bis zwei Stunden dauern, ehe der Körper das wieder abgebaut habe. Darum sei es wichtig, Müdigkeitsanzeichen der Kinder im Blick zu haben und rechtzeitig mit der Abendroutine zu beginnen.
Wichtig ist Jenny Gottschall, dass bei allen Veränderungen – das Kind soll ohne Stillen einschlafen oder im eigenen Bett schlafen – ganz kleine Schritte gegangen werden. „Wir etablieren vielleicht eine andere Einschlafhilfe, aber wir entziehen nie Nähe“, betont sie. Von Schlaftrainern, die Kinder eine Zeit lang alleine schreien ließen, distanziert sie sich. Ihr Weg sei immer, Kinder liebevoll beim Schlafen zu begleiten. „Das Kind soll Urvertrauen haben“, sagt sie.
Von Parolen wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ halte sie nichts. „Kein Kind muss schlafen lernen, die können’s. Es geht darum, als Eltern die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.“ Was für die eine Familie richtig sei, sei bei der nächsten etwas anderes. „Es gibt kein Schema F für jedes Kind.“ Oft helfe es Eltern auch, mehr Wissen über den Baby- und Kleinkindschlaf zu erlangen und dadurch zu verstehen, warum die Tochter oder der Sohn gerade eine unruhige Phase habe.