Explodierende Akkus Wenn das Handy heiß läuft

Von Steffen Haubner 

Das Samsung Galaxy Note 7 ist nicht das erste Handy, dessen Akku Probleme macht. Doch warum überhitzen die Geräte überhaupt?

Da Akkus häufig fest eingebaut sind, muss sich der Verbraucher darauf verlassen, dass der Hersteller nur qualitativ hochwertige Bauteile verwendet. Foto: dpa
Da Akkus häufig fest eingebaut sind, muss sich der Verbraucher darauf verlassen, dass der Hersteller nur qualitativ hochwertige Bauteile verwendet. Foto: dpa

Berlin - Der Lieferstopp für das Samsung Galaxy Note 7 verunsichert derzeit viele Verbraucher. Nachdem rund drei Dutzend Exemplare des Smartphones beim Laden in Flammen aufgegangen sind, hat der Hersteller eine weltweite Rückrufaktion gestartet. Es soll um rund 2,5 Millionen Geräte gehen, die umgetauscht werden müssen. Inzwischen warnt auch die US-Flugaufsicht FAA Passagiere aus Sicherheitsgründen davor, das neue Samsung-Smartphone Galaxy Note 7 während des Fluges anzuschalten oder zu laden. Sie empfiehlt zugleich dringend, die Mobiltelefone nicht im Gepäck aufzugeben. Mehrere Fluggesellschaften, darunter Singapore Airlines und Qantas, untersagen ihren Passagieren, sogar ganz, die betroffenen Geräte im Flugzeug zu nutzen.

Berichte über explodierende Akkus sind allerdings nicht neu. Immer wieder kommt es zu Bränden oder Verletzungen von Nutzern, auch durch Geräte anderer Hersteller.

Hersteller und Experten beteuern, dass es, gemessen an der millionenfachen Verbreitung dieser Geräte, nur sehr selten zu größeren Unfällen kommt. Häufiger geschieht es, dass sich Akkus aufblähen und im Geräteinneren platzen. Zu Verletzungen kommt es dabei zwar meist nicht. Ärgerlich ist es aber trotzdem, denn oft ist das Handy danach nicht mehr zu gebrauchen.

Die Li-Ion-Akkus sind eigentlich so geschützt, dass Überladungen verhindert werden

Bei den zurückgerufenen Batterien handelt es sich um Lithium-Ionen-Akkus, wie sie inzwischen bei den meisten mobilen Geräten zum Einsatz kommen. Elektrizität entsteht in solchen Akkus dadurch, dass in mehreren Zellen ein Ionenfluss zwischen zwei Elektroden erzeugt wird. Der Vorteil ist, dass Li-Ion-Akkus wieder aufladbar und sehr kompakt sind. Darüber hinaus enthalten sie kein hochgiftiges Cadmium. Problematisch ist das darin verwendete Lithium. Dabei handelt es sich um ein hochreaktives Metall, das sehr schnell oxidiert. Lange Zeit musste man deshalb auf den kommerziellen Einsatz der Li-Ion-Technologie verzichten, die bereits seit den 80er-Jahren bekannt ist.

Heute sind Li-Ion-Akkus hermetisch verkapselt, um Reaktionen mit Wasser oder Sauerstoff zu verhindern. Geschützt werden sie darüber hinaus von einem „Batteriemanagementsystem“, das oft in die Batterie integriert ist und Überladungen verhindern soll.

Bei fest eingebauten Akkus muss sich der Verbraucher auf den Hersteller verlassen

Dass es dennoch zu einer Überhitzung kommen kann, liegt daran, dass Handys und mobile Computer immer kompakter werden und gleichzeitig immer mehr Leistung bringen müssen. Man merkt das an der zunehmenden Wärmeentwicklung, wenn viele Anwendungen gleichzeitig laufen. Aufgrund des harten Preiskampfs in der Branche werden zudem nicht selten Billigprodukte verbaut.

Da Akkus häufig fest eingebaut sind, muss sich der Verbraucher darauf verlassen, dass der Hersteller nur qualitativ hochwertige Bauteile verwendet.

Auch der Nutzer selbst kann einiges dafür tun, böse Überraschungen zu vermeiden. So stellt sich in Untersuchungen immer wieder heraus, dass insbesondere der Einsatz billiger Ladegeräte und Kabel für Akku-Überlastungen verantwortlich ist. Stattdessen sollte man nur Markengeräte verwenden. Da moderne Hochleistungs-Akkus eine sehr hohe Energiedichte erreichen, sind starke mechanische Einwirkungen unbedingt zu vermeiden.

Autoablagen, enge Hosentaschen und Heizung sind für Akkus tabu

Sind, etwa durch einen Sturz, Pluspol und Minuspol des Akkus beschädigt, besteht akute Kurzschlussgefahr. Gegen solche Schäden helfen spezielle Schutzhüllen. Im Zweifel sollte man das Gerät durch einen Experten überprüfen lassen. Schützen sollte man Li-Ion-Akkus auch vor extrem hohen oder niedrigen Temperaturen sowie vor Feuchtigkeit. Auf der Autoablage haben Handys an Sonnentagen nichts zu suchen. Auch in engen Hosentaschen und nah am Körper sollte man sie nicht ständig mit sich herumtragen. All diese Maßnahmen schützen nicht nur vor Unfällen, sondern erhöhen auch die Lebensdauer des Geräts.

Sobald man beobachtet, dass sich ein Akku verformt oder ungewöhnlich heiß wird, sollte man ihn unbedingt austauschen oder – falls er fest verbaut ist – austauschen lassen. Auch bei sichtbaren Rissen in der Außenhülle gilt: sofort auswechseln! Defekte Akkus haben im Hausmüll nichts zu suchen und können stattdessen im Fachhandel oder bei einer örtlichen Recyclingstelle abgegeben werden.

Sollte es doch einmal zu einem Batteriebrand kommen, muss das Gerät sofort vom Netz getrennt werden. Auf keinen Fall sollte man es mit Wasser löschen, sondern mit einem Feuerlöscher, oder die Flammen ersticken, etwa mit Sand. Panik ist fehl am Platze: Die Gefahr einer Explosion ist extrem gering.