Expresspiste durchs Remstal Fellbach sucht den Fahrrad-Highway

Sollte der Radschnellweg hier verlaufen, müsste die rote Markierung an der Stuttgarter Straße deutlich breiter ausfallen. Foto: Gottfried Stoppel

Der Verlauf der Rad-Expresspiste zwischen Schorndorf und Stuttgart steht weitgehend fest. Nun muss Fellbach als letzte Kommune eine Entscheidung treffen. Drei Varianten sind in der engeren Auswahl.

Entscheidende Frage: Kommt bei RS5 nun V1, V2 oder V7 zum Zug? Hinter den verwirrenden Buchstaben-Ziffern-Kürzeln verbirgt sich eine der wichtigsten verkehrspolitischen Weichenstellungen in Fellbach: An diesem Dienstagabend muss das Lokalparlament endlich die Trasse des Radschnellwegs 5 festlegen. Denn während alle sechs anderen beteiligten Kommunen im Remstal den Verlauf auf ihrer jeweiligen Markung bereits fixiert haben, bildet Fellbach bei diesem Mammutprojekt das planerische Schlusslicht. Zehn Varianten hatte die Fellbacher Verwaltung untersuchen lassen, drei erfuhren eine noch intensivere Inspektion – und als Favorit kristallisiert sich nun doch wieder die bereits von Anfang an genannte Verbindung entlang der Schorndorfer und der Stuttgarter Straße heraus.

 

Trasse 7: Erst aus dem Hut gezaubert, jetzt wieder beerdigt

Dabei hatte die Stadt noch vor gut einem Jahr nach massiven Protesten „eine Alternativroute über die Tainer Straße aus dem Hut gezaubert“, wie es seinerzeit in dem entsprechenden Artikel unserer Zeitung hieß. Doch die Untersuchung dieser Variante 7 förderte derartig viele Mängel zutage, dass die Rathausspitze nun doch wieder davon abrückt. Die ebenfalls genauer untersuchte Variante 2 durch die Bruckstraße hat zudem aktuell die geringsten Chancen.

Bei allen diesen drei Varianten erfolgt die östliche Übergabe von Kernen her an der Bruckstraße, im Fellbacher Westen geht es dann nahe der Theodor-Heuss-Kaserne an der Beskidenstraße über die Nürnberger Straße weiter gen Bad Cannstatt.

Die Variante 7 ist mit ihren 3,7 Kilometern Länge „deutlich umwegiger als die Trassen 1 und 2“, erläutert Birgit Orner von der Stabsstelle Radmobilität im Fellbacher Rathaus in ihrer schriftlichen Ausarbeitung. Weitere Minuspunkte: Auf der Waiblinger Straße sind derzeit täglich 3600 Kraftfahrzeuge unterwegs, für Radschnellwege liegt die Grenze aber bei 2500 Fahrzeugen. Der dortige Linienbusverkehr wiederum macht die Einrichtung einer Fahrradstraße schwierig. Außerdem müsste eine Einbahnstraße eingerichtet werden, was zu Mehrbelastungen in der Cannstatter Straße und der südlichen Bahnhofstraße führt.

Mindestens genauso gravierend wären bei dieser Trasse 7 die Auswirkungen auf die künftige Neue Mitte beim Fellbacher Rathaus und die neue Stadtbahn-Endhaltestelle sowie die geplanten Bushaltestellen. Und auch weiter westlich beim Kombibad F3 sowie der Wegführung übers freie Feld gäbe es enorme Schwierigkeiten. So wäre dort eine Beleuchtung der Strecke vonnöten. Auch gäbe es Konflikte zwischen Radlern, Fußgängern und dem landwirtschaftlichen Verkehr. Und wegen des breiteren, zu asphaltierenden Feldwegs wäre eine Freiflächenversiegelung nötig. Rund 4200 Quadratmeter Fläche auf Ackerflächen und intensiv genutzten Gartenbauflächen würden beansprucht. Und für 8 Millionen Euro müsste man noch eine Unterführung zurück an die Stuttgarter Straße bauen.

57 Bäume müssen weichen, aber deutlich mehr werden neu gepflanzt

All dies führt nun bei der Stadt zur Rückbesinnung auf die Ursprungsvariante Nummer 1. Statt wie derzeit 800 wären laut Prognose künftig bis zu 4000 Radelnde unterwegs. Allerdings: 57 Bäume fielen weg, wobei durch Neupflanzungen in der Summe ein Plus von 67 Bäumen angepeilt wird.

„128 Stellplätze müssen an der Trasse weichen – ohne Kompensation wäre dies mit negativen Auswirkungen auf den Einzelhandel verbunden“, heißt es. Die Verwaltung prüft deshalb derzeit eine zusätzliche Tiefgaragenebene auf dem Postareal an der Stuttgarter Straße. Und: Zur Querung der Höhenstraße empfiehlt die Fellbacher Verwaltung den Bau einer Unterführung.

Der Standard beim Radschnellweg soll reduziert werden

Letztlich ist wegen des Radschnellwegstandards auf einigen Bereichen die „angemessene Gehwegbreite“ nicht möglich, konstatiert die Stadt. Vorgesehen ist deshalb ein „reduzierter Radschnellwegstandard“, sodass „wieder mehr Flächen für den Fußverkehr, die Grünplanung und Gastronomie und Einzelhandel zur Verfügung stehen“. Eine Untersuchung zur Trasse 1 mit dem erwähnten reduziertem Standard will man dann dem zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart „zur Einzelfallprüfung vorlegen“.

Die Sitzung des Fellbacher Gemeinderats beginnt an diesem Dienstag, 28. März, um 17.30 Uhr im Großen Saal des Rathauses. Weitere Themen: Städtebauliche Rahmenplanung Ortsmitte Oeffingen, Klimaschutzkonzept, ÖPNV-Zuschüsse für Beschäftigte der Stadt.

Radschnellweg im Remstal

22 Kilometer lang
Der künftige Radschnellweg durch das Remstal, offizielle Abkürzung RS 5, soll auf 22 Kilometern Länge von Schorndorf über Winterbach, Remshalden, Weinstadt, Waiblingen (dort allerdings nur auf einer Rand-Strecke) und Kernen durch Fellbach bis zum Übergabepunkt an der Nürnberger Straße in Stuttgart-Bad Cannstatt führen.

Vier Meter breit
In der Regel soll die Rad-Expresspiste vier Meter breit sein. Fachleute haben berechnet, dass auf dem Radschnellweg täglich bis zu 4000 Radfahrende unterwegs sein könnten. Die Gesamtkosten wurden im vergangenen Jahr auf 32 Millionen Euro geschätzt, wobei Fördergelder in Höhe von bis zu 87,5 Prozent zu erwarten sind.

Infos im Internet unter:
www.radfahren-im-rmk.de

Weitere Themen