„Extrablatt“ Tankstellen und Kaffeehäuser

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Die neueste Ausgabe der StZ-Reihe „Extrablatt“ führt an einen ungewohnten kulturellen Brennpunkt. Am Dienstag gestalten der Autor Wolf Haas und die Zeichnerin Teresa Präauer die erste Kulturseite der Zeitung. Ein Besuch in Wien.

Wolf Haas liebt es, die Geradlinigkeit der Vernunft infrage zu stellen. Foto: Achim Zweygarth
Wolf Haas liebt es, die Geradlinigkeit der Vernunft infrage zu stellen. Foto: Achim Zweygarth

Wien - Wien liegt im Nebel, das Flugzeug landet verspätet. Im Café Oberlaa sitzt Wolf Haas und wartet. Der Taxifahrer sieht aus wie der Schauspieler Josef Hader, ein wenig melancholisch, ein wenig aggressiv – vermutlich gibt es einen österreichischen Gemütsausdruck, der beides umspannt. Beim Namen Wolf Haas hellt sich seine Stimmung auf, was auf die Fortbewegungsgeschwindigkeit erfreuliche Auswirkungen hat: „Wolf Haas ist ein Großer“, sagt er und gibt vor einer sehr dunkelgelben Ampel noch einmal ordentlich Gas.

Die Brenner-Romane und ihre Verfilmung mit Josef Hader haben Wolf Haas zu einem österreichischen Nationalhelden gemacht. Und wer mit dem Begriff „Brenner-Roman“ nichts anfangen kann, der danke dem Herrgott, denn ihm steht offenbar die Begegnung mit einer der einprägsamsten Paarungen der jungen deutschsprachigen Literatur noch bevor: die mit dem verratzten Privatdetektiv Simon Brenner und seinem aufsässigen Erzähler. Sie lösen ihre Fälle dort, wo auf austriakischem Sozialmorast die schönsten sprachlichen Blüten treiben und wo man nicht weiß, worüber man sich mehr entsetzen oder freuen soll, über das kollektiv Bedenkliche oder die schlaue Stimme, mit der es zu uns spricht.

Brenner ist Geschichte. Im letzten Band der Reihe hat es den Erzähler erwischt. Jetzt sitzt er im Café Oberlaa und wartet. Weil aber der Taxifahrer bei aller Verehrung sich nicht völlig über die Gegebenheiten einer verstopften Metropole hinwegsetzen kann, bleibt noch Zeit zu erwähnen, dass in der Nach-Brenner-Ära der Angriff der Sprache auf die Wirklichkeit immer aufsässiger geworden ist und in den Romanen „Das Wetter vor 15 Jahren“ und die „Verteidigung der Missionarsstellung“ ein Ausmaß erreicht hat, mit dem ein einfacher Privatdetektiv ohne die Dienste einer linguistischen Sonderkommission überfordert wäre. Was das Vergnügen nur noch größer macht.




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