Bei Sachsenheim ist ein Schwarzstorch nachgewiesen worden. Das ist eine kleine Sensation. Die Vögel sind extrem scheu, die Population im Land ist klein.

Weißstörche waren im Land fast schon ausgerottet. Inzwischen sieht man die imposanten Vögel wieder häufiger. Auf fetten, grünen Wiesen tummeln sich manchmal ganze Gruppen. Ausgesprochen viel Glück muss man aber nach wie vor haben, wenn man den scheuen Vetter zu Gesicht bekommen möchte: den Schwarzstorch. „Die sind sehr selten in Baden-Württemberg“, sagt Dietmar Gretter, Geschäftsführer des Naturparks Stromberg-Heuchelberg. Insofern ist es eine kleine Sensation, dass just ein Exemplar dieser Gattung bei Sachsenheim nachgewiesen wurde, das zum Einzugsgebiet des Parks gehört.

 

Gerüchte kursierten schon länger, dass ein Ciconia nigra, wie der lateininische Name lautet, dort heimisch geworden sein könnte. Nun ist es gesichert. „Unsere Naturschutzbeauftragte hat einen Schwarzstorch verifiziert“, sagt Arved Oestringer, Pressesprecher von Sachsenheim. Der Vogel sei im Stadtteil Ochsenbach im Kirbachtal gesichtet worden, dort schon seit mehreren Monaten unterwegs. Man wisse aber weder, wo genau sich das Tier niedergelassen hat, noch, ob es vielleicht sogar weitere Artgenossen in diesem Bereich gibt.

Wobei schon das Vorkommen von einem der raren Vögel ungewöhnlich genug ist. „Schwarzstörche sind bundesweit mit circa 900 Brutpaaren sehr selten und bevorzugen in der Regel großräumige, ungestörte und gewässerreichere Wald-Landschaften, was für den dicht besiedelten Landkreis Ludwigsburg nicht charakteristisch ist“, gibt Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts Ludwigsburg, zu bedenken.

Nur 50 Brutpaare im ganzen Land

Dietmar Gretter vom Naturpark Stromberg-Heuchelberg ergänzt, dass in ganz Baden-Württemberg nur rund 50 Brutpaare heimisch seien. Eines davon lebe wohl auf der circa 400 Quadratkilometer großen Fläche des Naturparks, der sich über vier Landkreise erstreckt. Insofern sei es „etwas Besonderes“, wenn nun bei Ochsenbach einer der Vögel beobachtet werden konnte. Er arbeite seit 20 Jahren für den Naturpark, habe in der ganzen Zeit lediglich ein Exemplar zu Gesicht bekommen. „Und das war im Überflug“, erzählt Gretter. Die Tiere lebten versteckt im Wald und mieden Kontakt zu Menschen – und seien damit das genaue Gegenteil zu den Weißstörchen. „Denen kann es nicht belebt genug sein“, sagt Dietmar Gretter.

Vor 25 Jahren habe es in Baden-Württemberg lediglich noch ein oder zwei Reviere von Brutpaaren gegeben. Die Tendenz für den Bestand zeige seither leicht nach oben.

Laut Nabu fressen Schwarzstörche hauptsächlich Amphibien und Fische, gelegentlich auch Wasserinsekten, deren Larven und Kleinsäuger. Sie bauen ihre Nester in den Kronen alter Bäume und werden rund einen Meter groß, also ungefähr die Maße, die auch ein Weißstorch erreicht.