Extremschwimmer Martin Tschepe stellt Buch in Ludwigsburg vor Nach dem Eisschwimmen zittert man sich warm

Von  

Er ist in der Nordsee und im Atlantik geschwommen, durch den Neckar und in allen großen Seen Europas. Der Redakteur Martin Tschepe hat ein Leben wie aus dem Roman – und hat seine Abenteuer als Buch verfasst.

Martin Tschepe  liest aus seinem Buch „Im Element“. Etwa über die 15 kältesten Minuten seines Lebens –  bei 2,3 Grad bei  den Eisschwimm-Weltmeisterschaften. Foto: factum/Weise
Martin Tschepe liest aus seinem Buch „Im Element“. Etwa über die 15 kältesten Minuten seines Lebens – bei 2,3 Grad bei den Eisschwimm-Weltmeisterschaften. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Warum tut einer das? In 2,5 Grad kaltem Wasser 1000 Meter schwimmen? Martin Tschepe bekommt das oft zu hören. „Manche nennen uns Extremschwimmer, manche extrem bescheuert“, sagt der 53-jährige Redakteur, der seit vielen Jahren im Rems-Murr-Kreis für Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten schreibt. Nun hat er seine Erlebnisse im Buch „Im Element“ zusammengefasst, das er am Sonntag in Ludwigsburg erstmals vorgestellt hat.

Doch wer den umtriebigen Mann aus Korb kennt, der seit 40 Jahren Mitglied im Schwimmverein Ludwigsburg ist, den überrascht kaum noch etwas. Rastlos sucht Tschepe nach neuen Rekorden. Niemand kann von der Nordseeinsel Föhr nach Sylt schwimmen? Zwei Menschen sollen dabei schon ums Leben gekommen sein? Martin Tschepe macht es einfach im Juni dieses Jahres: „Die fiese Strömung der Ebbe war schon stark, aber es ging gut.“

Wenn die Strömung kommt, geht es Richtung England

War das nicht gefährlich? „Wenn es schief geht, wird man halt Richtung England rausgezogen“, antwortet Tschepe achselzuckend. Neoprenanzug und Beiboot schützten ihn. Ähnlich starke Bedenken gab es beim Projekt, 300 Kilometer den Neckar von Sulz bis Mannheim zu schwimmen. Mit seinem Freund Volker Hayn vom Schwimmverein Ludwigsburg hat er das 2016 aber dennoch gemacht.

Was, wenn ein Schiff kommt? „Einfach zur Seite schwimmen“, sagt Tschepe. Am Rand sei es ohnehin so flach, dass die Tanker nicht fahren könnten. Die Strömung spüre er kaum als geübter Schwimmer. Es ging gut damals, 15 Tage lang. Fast immer hat er bei Freunden am Ufer übernachtet und dabei noch Geld für ein Projekt gesammelt, behinderten Menschen das Schwimmen (besser) beizubringen.

Nach dem Eisschwimmen nicht heiß duschen

Die wahren Herausforderungen lauern für Tschepe beim Eisschwimmen. Vor drei Jahren bekam er von seinem Kumpel Oliver Halder einen Gutschein, im Wildwasser in Österreich zu schwimmen. Irgendwann war Tschepe zur Vorbereitung im eiskalten Titisee – und erinnerte sich, wie er 1978 mit seinem Schwimmlehrer Hans Trippel dort trainierte: „Er ruft mir heute aus dem Himmel noch zu: Ich will, ich kann, ich muss!“ Ein Tipp für Nachahmer: Danach nicht heiß duschen, sondern einfach „langsam warmzittern“. Sonst fließe das kalte Blut zu schnell zum Herzen.

Tschepes „Im Element“, das jetzt im Buchhandel auch als eBook erhältlich ist, ist eine muntere Anekdotensammlung eines Mannes, dessen Leben wie aus einem Roman klingt: Geboren in Berlin, aufgewachsen auf Sylt und in Ludwigsburg, der Vater hat für den SWR gefilmt. In Stuttgart und Jerusalem hat er studiert, den Konrad-Adenauer-Preis gewonnen, kam nach der „Backnanger Kreiszeitung“ zur Stuttgarter Zeitung. Nebenher schreibt er für das Magazin „Swim.de“ oder in seiner zweiten Heimat für die „Sylter Rundschau“.

Warum tut Martin Tschepe das alles?

Auch am Sonntag ist Martin Tschepe wieder im Neckar gewesen, der am dritten Advent fast „Wettkampftemperatur“ hatte, also unter fünf Grad: Die Eisschwimm-Saison beginnt. Tschepe hat schon zehn Seen in Europa als Schwimmer erkundet und, natürlich, auch den Bodensee. Er war in Jordanien und ist im Atlantik um die Scilly-Inseln gekrault. Welche Extreme können da noch kommen? „Von der Hallig Hooge nach Langeneß und Föhr“, sagt der Vater einer erwachsenen Tochter.

In einer Passage seines Buches verrät der Extremsportler seine innere Motivation. Wenn bei stundenlangem Kraulen in eiskaltem Wasser die Bewegungen automatisiert laufen, der Schwimmer eins wird mit dem Element, nur das Plätschern der eigenen Kraulschläge zu hören ist. „Das ist ein Soundtrack der Vollkommenheit“, schreibt Tschepe. Dann ist er nicht mehr rastlos, sondern ganz bei sich. Eben „Im Element“.




Veranstaltungen