Extremsport-Aktion „Steffi rennt“ Lauf der Leiden

Steffi Praher am zweiten Tag bei Kilometer 150 im Götzenbachtal bei Lorch. Foto: Stoppel 41 Bilder
Steffi Praher am zweiten Tag bei Kilometer 150 im Götzenbachtal bei Lorch. Foto: Stoppel

250 Kilometer in 66 Stunden: Extremsportlerin Steffi Praher aus Plüderhausen hat den Remstal-Höhenweg bezwungen – fast ohne Schlaf und bei eisigen Temperaturen. Rund 14.000 Euro Spenden hat sie mit dieser Höchstleistung für das Olgahospital gesammelt.

Rems-Murr: Martin Tschepe (art)

Fellbach - Das Thermometer zeigt minus vier Grad. Es schneit seit vielen Stunden ununterbrochen. Fellbach schläft schon. Nur auf dem Parkplatz gleich neben der Neuen Kelter herrscht in dieser Nacht Hochbetrieb. Steffi Praher und ihr Team bereiten sich vor.

Die Fitnesstrainerin aus Plüderhausen hat sich vorgenommen den Remstal-Höhenweg am Stück zu laufen. Am Ziel in Neckarrems soll immer noch nicht Schluss sein. Steffi hat zwei routinierte Ultralangstreckenläufer als Begleiter, das Trio will vom Remsecker Stadtteil aus weiter bis zum Stuttgarter Olgäle laufen. Das waghalsige Vorhaben ist eine Benefizveranstaltung und soll möglichst viel Geld für die Kinderkrebsstation des Hospitals einbringen (das Spendenkonto ist auch nach dem Lauf noch offen). Die nüchternen Planzahlen des Projekts: 250 Kilometer, rund 7000 Höhenmeter und etwa 70 Stunden Anstrengung.

Steffi Praher blickt zum Himmel: „Da müssen wir jetzt durch.“ Der Schneefall sei „nicht so toll, aber hey, rumjammern wegen ein bisschen Schnee und Kälte, das gilt nicht. Ich bin doch ein Winterkind.“

„Du machst das“

Zwei Dutzend Freunde sind zum Start gekommen. Alle sagen: „Die Steffi schafft das.“ Ein paar Minuten vor Mitternacht. Auch das vierköpfige Begleitteam mit Auto und Wohnmobil ist startklar. Steffi schlottert vor Kälte und will endlich los. Ihr Bruder Sebastian Saul drückt sie noch kurz. „Du machst das.“ Mitternacht. Aus der Ferne ist das Schlagen einer Kirchturmuhr zu hören. Steffi rennt. Applaus. Ein Zuschauer ruft ihr nach: „Das ist der Lauf deines Lebens.“ Obgleich die Läufer Leuchtwesten und Stirnlampen tragen, hat die tiefschwarze Nacht sie schon nach wenigen Sekunden verschluckt.

Steffi Praher ist 1983 im thüringischen Jena geboren, seit 1990 lebt sie im Remstal. In der Kindheit trainiert sie Judo, später sei sie dann ziemlich träge geworden, sagt sie. Rauchen statt Sport. „Ich war der faulste Mensch der Welt.“ Sie wird Mutter von zwei mittlerweile vier und sechsjährigen Mädchen. Dann fasst sie den Entschluss: Adrenalin statt Nikotin. Sie fängt wieder an Sport zu treiben, zunächst ganz sachte, bald intensiver, dann der erste Halbmarathon, später startet Steffi Praher erstmals bei dem ziemlich durchgeknallten Strongman-Run, quält sich durch eiskaltes Wasser, robbt durch Schlamm, überwindet vier Dutzend Hindernisse. Und ist begeistert.

Begeisterte Wildsau-Racerin

Sie schließt sich den Cabanauten an, eine Truppe verrückter Extremsportler. Die gelernte Bankkauffrau, die im Schorndorfer Oskar-Frech-Bad arbeitet, startet als eine von ganz wenigen Frauen beim Tough-Guy-Race in England, beim Wildsau-Dirtrace in Österreich und bei zig anderen abgedrehten Veranstaltungen. Dann hat sie genug von den Spaßläufen. Man könnte sagen: Sie wird langsam seriös. Steffi Praher entdeckt die Ultraläufe, die länger sind als ein Marathon und möglichst viele Höhenmeter haben sollten.

Tag 1 um 2.20 Uhr, Weinstadt-Strümpfelbach – 15 Kilometer. Nach acht Minuten Pause geht es schon wieder weiter Richtung Schorndorf. Es ist saumäßig kalt, unter den Füßen der Läufer knirscht der Schnee. Alles läuft nach Plan.

9.14 Uhr, Lorch-Rattenharz – 55 Kilometer. Steffi Praher ist zwei Stunden schneller als geplant. Die Begleitmannschaft wartet auf einem Parkplatz. Die Extremsportlerin, ihre beiden Dauerbegleiter Steffen Kohler und Georg Kunzfeld sowie die Ab-und-zu-Mitläufer bekommen Salzkartoffeln serviert. Kurze Pause. Weiter.

12.55 Uhr, Straßdorf – 70 Kilometer. Steffi Praher ist immer noch sehr schnell unterwegs. Sie strahlt, ruft „wie geil ist das denn?“. Kurze Pause. Salzkartoffeln und heißer Tee. Was jetzt ansteht, ist super anspruchsvoll: hier macht der Remstal-Höhenweg seinem Namen alle Ehre: Hoch und runter, hoch und wieder runter.




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