Extremsport in Degerloch Die Downhillstrecke fordert Opfer

Von Sascha Maier 

Dass die Downhillstrecke von Degerloch nach Heslach manche Anwohner verärgert, ist nicht neu. Doch jetzt sprechen Rettungsdienst und Marienhospital erstmals über Verletztenzahlen – und zeigen damit ein ganz anderes Problem auf, das die Sicherheit des Mountainbikepfads in Frage stellt.

Rasant  abwärts geht es auf der Downhillstrecke zwischen Sonnenberg und Stuttgart-Süd. Aber auch die Verletzungsgefahr ist hoch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Rasant abwärts geht es auf der Downhillstrecke zwischen Sonnenberg und Stuttgart-Süd. Aber auch die Verletzungsgefahr ist hoch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Degerloch/Sonnenberg - Die bei Mountainbikern beliebte Downhillstrecke, die von Degerloch nach Heslach führt, sorgt erneut für Unmut. Der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Stuttgart sowie das Marienhospital klagen vor allem in den Sommermonaten über eine Zusatzbelastung, verursacht durch Unfälle der Extremradfahrer.

„Ta­tü­ta­ta“, einmal pro Woche tönt in Degerloch derzeit die Notarztsirene, wenn Mountainbiker auf der Downhillstrecke, die seit Herbst letzten Jahres in Betrieb ist und in der Szene „Woodpecker-Trail“ genannt wird, die Kurve nicht mehr kriegen. „Es ist eine Belastung für uns Anwohner“, sagt Doris Kümmel, die direkt am Einstieg der Downhillstrecke an der Helene-Pfleiderer-Straße wohnt.

Das DRK bestätigt, zahlreiche Einsätze wegen der Mountainbiker fahren zu müssen. „Wir haben dort mindestens einen Einsatz pro Woche – bei gutem Wetter“, sagt Udo Bangerter, Pressesprecher des DRK Stuttgart. Harte Zahlen, die das belegen, gibt es keine, da die Strecke durch mehrere Erfassungsgebiete führt und es für sie keine eigene Statistik gibt. Aber so empfinden es die Rettungskräfte, die in Degerloch und Stuttgart-Süd im Einsatz sind. Laut dem Marienhospital, wo die Verletzten als nächstgelegene Klinik versorgt werden, sind es sogar noch mehr Fälle von Brüchen, Verstauchungen, Prellungen und Schlimmerem. „Unsere Notfallpraxis schätzt die Zahl der Verletzten, die von der Downhillstrecke kommen, auf zwei bis drei in der Woche“, sagt Rainer Kruse, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Marienhospital.

Bis zu drei Stürze pro Woche

Das seien deutlich mehr Verletztenfälle als bei anderen extremen Sportarten, die ein hohes Verletzungsrisiko mit sich bringen – wie etwa das Skateboardfahren. Insgesamt machen die Unfallopfer der Downhillstrecke knapp ein Prozent der in der Notfallpraxis zu behandelnden Fälle aus, schätzt Kruse. „Das sind zwar eine Menge. Aber ein Grund, neue Kräfte einzustellen, ist das nicht“, sagt er.

Dennoch: Teilweise sind die Fälle der Mountainbikestürze im Wald gar lebensgefährlich: „Neulich wurde hier ein Patient mit stumpfem Bauchtrauma eingeliefert, der innere Verletzungen erlitten hat“, sagt Kruse. Die meisten Fälle sind aber deutlich harmloser.

Fangnetz sollte für mehr Sicherheit sorgen

Das erklärt auch den Unterschied der gezählten Fälle zwischen DRK und Marienhospital, was Stürze angeht. „Die Hälfte bis ein Drittel der Verletzten von der Downhillstrecke schafft es auch ohne den Notarzt zu uns“, sagt Kruse.

Betrieben wird die Downhillstrecke in Degerloch vom Sportamt Stuttgart. Der Eröffnung im Oktober 2015 ging eine zehn Jahre währende Diskussion zwischen der Stadt und der Interessengemeinschaft AG Downhill Stuttgart voraus. Kurz darauf, im Februar 2016, wurde sie für über einen Monat wieder geschlossen – wegen Wartungsarbeiten.

Im Zuge dessen wurde aus Sicherheitsgründen ein Fangnetz bei der großen, aus Holzbohlen geformten Steilkurve für die Fahrer angebracht. In Anbetracht der Verletztenzahlen, die nach Schätzungen des Marienhospitals jährlich im dreistelligen Bereich sein dürften: Womöglich hätten ein paar Netze mehr dem Aspekt Sicherheit nicht geschadet.

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