Extremsport Skater aus Ludwigsburg: Auf Inlinern von Passau bis Sylt
Der Ludwigsburger Bernd Gutöhrlein startet Anfang August bei der Ultra Skate Challenge – einmal durch die ganze Republik, rund 1500 Kilometer weit. Und das mit 66 Jahren.
Der Ludwigsburger Bernd Gutöhrlein startet Anfang August bei der Ultra Skate Challenge – einmal durch die ganze Republik, rund 1500 Kilometer weit. Und das mit 66 Jahren.
Nur noch ein paar Tage, dann geht’s los: auf Inline-Skates einmal durch die ganze Republik, von der Drei-Flüsse-Stadt Passau an der bayerisch-österreichischen Grenze bis nach List auf Sylt, dem nördlichsten Ort Deutschlands. Der Ludwigsburger Bernd Gutöhrlein ist mit 66 Jahren nicht mehr der Jüngste, aber der Maschinenbau-Ingenieur im Ruhestand ist nach wie vor fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Fit für die sogenannten Ultra Skate Challenge (USC), für zwei Wochen auf Skates, für rund 1500 Kilometer auf Radwegen und kleinen, wenig befahrenen Nebenstraßen.
Gutöhrlein ist Wiederholungstäter. Seit 2013 startet er Jahr für Jahr bei der USC, einer privat organisierten Veranstaltung von und für (sport)verrückte Männer und Frauen, die sich auch im Alltag alle paar Tage Schuhe mit kleinen Rollen unten dran anziehen und voll durchstarten. Die Sportlerinnen und Sportler suchen sich Sommer für Sommer eine neue Herausforderung, sie sind schon mal von der Schweizer Grenze bis nach Usedom geskatet (1500 Kilometer), mal von Lyon bis nach Amsterdam (1800).
Jetzt also haben sie sich die Königin der Nordsee ausgesucht: Hörnum, den südlichsten Sylt-Ort, wollen die Slaker indes mit der Fähre von Cuxhaven aus erreichen. Auf dem Damm nach Sylt, der einzigen Landverbindung, rollen ausschließlich Züge. Laufen, Radfahren und Skaten ist tabu – also das Schiff. Angekommen auf der Insel der Reichen und Schönen, wollen die Sportler zum Abschluss ihrer Wahnsinns(tor)tour dann am Samstag, 16. August, noch die rund 40 Kilometer von Hörnum bis zum Ellenbogen in List skaten.
Ein Tag Ende Juli. Die Sonne brennt vom Himmel. Gegen 18 Uhr steht Bernd Gutöhrlein in voller Wettkampfmontour bereit. Sein Training beginnt beim Freibad in Ludwigsburg-Hoheneck. Der Mann mit den Rollen unter den Füßen legt volle Pulle los. Sein Plan für diesen Nachmittag: auf dem Neckartal-Radweg immer geradeaus, mindestens bis nach Stuttgart, umdrehen und dann wieder zurück nach Ludwigsburg. Im Nu hat er Tempo 25 erreicht – der Inline-Skater kommt einem Rennradfahrer immer näher, auf der Höhe von Poppenweiler setzt der Routinier zum Überholen an, er hängt den Biker ab – und ist wenig später nicht mehr zu sehen. Auf und davon in Richtung Landeshauptstadt.
Wie nur kommt man auf die Idee viele hundert Kilometer auf Inlinern durch Deutschland und halb Europa zu fahren? Wenn Gutöhrlein solche Fragen gestellt bekommt, dann muss er weit ausholen. Sport, sagt er dann sinngemäß, sei schon immer sein Ding gewesen. Früher hat er viel Fußball und Squash gespielt. Er ist mit dem Mountainbike über die Alpen gefahren. Vor rund 30 Jahren hat der Mann, der sein ganzes Arbeitsleben bei Bosch zugebracht hat, für sich das Inline-Skaten entdeckt. Gutöhrlein ist bei allen möglichen und ein paar schier unmöglichen Wettbewerben gestartet. Einmal hat er in seiner Altersklasse sogar den Marathon bei den offenen ägyptischen Meisterschaften in Luxor gewonnen. Er ist bei Weltmeisterschaften gestartet und ganz oft beim Berlin-Marathon. Sport, sagt der Mann, der im Hohenlohischen aufgewachsen ist, „macht in der Gruppe besonders viel Spaß“. Deshalb will er auch in Zukunft bei der USC dabei sein.
Die Strecke von Passau bis nach List haben ein paar der Challenge-Starter vorab ausgekundschaftet. Täglich werden 100 und mehr Kilometer runtergespult. Böse Überraschungen, etwa gesperrte Wege oder zu steile Abfahrten, wollen die Skater möglichst vermeiden. Während der Tour transportiert ein Begleitfahrzeug das Gepäck, die Unterkünfte entlang der Route wurden längst gebucht.
An dem Abend im Juli ist Bernd Gutöhrlein nach knapp zwei Stunden zurück von seinem Abendtraining auf dem Neckartal-Radweg. Er ist bis zum Theaterschiff in Bad Cannstatt gekommen und hat dann umgedreht, rund 35 Kilometer sind auf der Uhr. Nun fiebert er auf den Start am Samstag, 2. August, in Passau hin.
Und was ist das Schönste an der Challenge? „Das Gefühl, es geschafft zu haben“, antwortet der Masters-Sportler und grinst. Und dann erzählt Gutöhrlein noch, dass er in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geschätzt knapp 70 000 Kilometer weit geskatet ist. Wenn der Ludwigsburger gesund bleibt, dann will er noch viele Jahre inlinern. Hat er noch ein ganz großes Ziel? Die schnelle Antwort: Klar, mal von Vancouver im Westen Kanadas bis nach New York im Osten der USA fahren – geschätzt rund 3700 Kilometer weit.