Extremsportler aus dem Kreis Böblingen Zwei Rohrauer trotzen allen Qualen

Der Rohrauer Robin Wagner (rotes T-Shirt) beim Marathonlauf – eine der Disziplinen bei der Xtra Mile 2023. Foto: XtraMile

Für die Xtra Mile 2023 müssen Robin Wagner und Micha Schmid aus Rohrau 555 Kilometer in 55 Stunden zurücklegen – schwimmend, radelnd und laufend. Warum tun die Männer sich die Strapazen des Extremsports an?

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Es könnte so leicht sein: Bei strahlendem Sonnenschein aufs Rad schwingen und entspannt einige Kilometer radeln. Danach vielleicht noch ein paar Höhenmeter zu Fuß am Feldberg, dem höchsten Berg des Schwarzwalds. Etwas sportlich betätigen, aber auch durchatmen und die Natur genießen, in einer Gaststätte einkehren und dort den Feierabend einläuten.

 

555 Kilometer in 55 Stunden

Zwischen dem 16. und 18. Juni bestünde für Robin Wagner und Micha Schmid die Gelegenheit, ihre Freizeit so zu gestalten. Doch es wird gewiss anders kommen. Die beiden Rohrauer werden bei der Xtra Mile, einem Fundraising-Event mit Extremsportcharakter, an den Start gehen. Auf dem Programm: vier Kilometer in der thüringischen Bleilochtalsperre schwimmen, 509 Kilometer Rennrad fahren zwischen Rot am See und Freiburg, 42,2 Kilometer Marathon rund um den Feldberg – alles innerhalb von 55 Stunden.

Foto: XtraMile

Warum sich die beiden Männer diesen sportlichen Wahnsinn antun? „Ich bin ein ehrgeiziger Typ. Mit anderen zusammen eine solche Herausforderung für einen guten Zweck zu meistern motiviert mich“, erklärt Robin Wagner. Den (extremen) Sport sieht der begeisterte Radfahrer auch als Ausgleich zu seinem Arbeitsalltag im Büro eines Stuttgarter Automobilkonzerns: „Da ich von montags bis freitags acht Stunden sitze, bin ich froh über die Bewegung.“

Auch für den zweiten Rohrauer im Bunde, den 33-jährigen Micha Schmid überwiegt der Reiz, die 555 Kilometer in 55 Stunden zu schaffen: „Das Sportliche ist das eine. Noch wichtiger ist aber das Gemeinschaftsgefühl, das man hat, wenn man im Team eine solche Herausforderung annimmt“, sagt der Elektrotechniker. Anders als bei großen Sportveranstaltungen wie dem global bekannten Ironman kämpfen die Xtra-Mile-Teilnehmer nicht um Platzierungen, sie wollen nur innerhalb der Zeitmarke von 55 Stunden die vorgegebenen Kilometer bewältigen.

Die Rohrauer sind zum vierten Mal dabei

Schon in den vergangenen Jahren waren Robin Wagner und Micha Schmid Teil der Xtra Mile. „Ich habe erst spät mit Triathlon angefangen. Als Kind und Jugendlicher habe ich Fechten betrieben, dann stieg ich um auf Kraftsport. Radfahren habe ich immer gerne gemacht“, erzählt der 32-jährige Wagner. Bei der ersten Ausgabe des Extremsportevents konzentrierte sich das Programm noch aufs Radfahren. Damals ging es beim sogenannten „Coronaride“ erstmalig über 1000 Kilometer von Flensburg nach Friedrichshafen. Ein Jahr später dann mussten die Teilnehmer in 70 Stunden 700 Kilometer zurücklegen.

Erst 2022 erweiterte sich das Profil auf Schwimmen und Marathonlaufen – Disziplinen, die alles abverlangen werden. „Natürlich war es schon ein Highlight, durch den Bodensee zu schwimmen. Es ist aber nichts Alltägliches, vier Kilometer in Freiwasser zu kraulen“, merkt Wagner an. Überhaupt hätten die beiden Hobby-Extremsportler – wie jeder Sterbliche – auch die Momente, in denen sie lieber jetzt als gleich das Handtuch werfen würden. „Man muss leidensfähig sein, wenn so etwas macht. Das Spendenziel, das Gemeinsame, aber auch unser Glaube ermuntern uns, nicht aufzugeben, sondern sich durchzubeißen“, erläutert Wagner.

Die Organisatorinnen haben alle Hände voll zu tun

Dass der Schwierigkeitsgrad der Ausgabe 2023 nochmals eine Schippe draufgelegt hat, liegt auch an Helena Müller. Die Wahlberlinerin, die aus Weil im Schönbuch stammt und dort in Kirchengemeinde und Sportverein aktiv war, gehört zum Organisationsteam der Xtra Mile. „Wir haben vorigen November angefangen, die diesjährige Version zu planen“, sagt Müller. Neben einem ausgeklügelten Sicherheitskonzept – seine Bedeutung wurde jüngst bei der Ironman-Veranstaltung in Hamburg deutlich – müssen sich Helena Müller und ihre Kolleginnen auch um passende Streckenprofile und Genehmigungen kümmern. „Dass wir zum Beispiel in der Bleilochtalsperre unseren Schwimmwettbewerb ausführen dürfen, liegt einer Genehmigung durch kommunale Verwaltungen zugrunde“, erläutert die Weilemerin.

Insgesamt fünf in Deutschland engagierte gemeinnützige Organisationen bilden das Fundament von Xtra Mile. Dazu gehören Vereine, die sich in Berliner Brennpunktbezirken um Nachhilfe für sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmern oder – wie das Seehaus in Leonberg – straffällig gewordene Jugendliche bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützen. Das Spendenziel 2023 lautet 150 000 Euro – ein großer Anreiz für die Sportler: „Es schafft zusätzlich Motivation, wenn man bedenkt, wofür man 555 Kilometer in 55 Stunden absolviert. Durch solche öffentlichkeitswirksamen, auf den Gemeinschaftssinn zielende Veranstaltungen sind solche Beträge hoffentlich zu schaffen“, sagt Micha Schmid.

Weitere Infos – auch für Spender – gibt es im Netz unter: https://xtra-mile.de

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