Extremsportler aus Neckartenzlingen Paddel-Marathon bei Regen und Sturm

Die Schönwettertage waren bei Harald Kümmels SUP-Tour rund um die Baleareninsel Mallorca gezählt. Foto:  

300 Kilometer der Insel Mallorca hat Harald Kümmel auf dem Stand-up-Paddle umrundet. Mit dem Abenteuer sammelt der Neckartenzlinger für den guten Zweck.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Nachts schlief der Stand-up-Paddler Harald Kümmel in den Höhlen auf der Baleareninsel Mallorca. Da spürte der Neckartenzlinger die Naturgewalten. Denn wenn die unruhige See an die Felsen klatschte, wusste er, dass die nächste Etappe schwer werden würde. 300 Kilometer der Insel hat der Extremsportler umrundet. Wegen der schweren Unwetter schaffte er den nordwestlichen Teil der Ferieninsel nicht. „Das war heftig“, sagt der 68-Jährige über seine Mallorca-Umrundung für den guten Zweck. Mit der Tour sammelte er Geld für den Förderkreis für krebskranke Kinder im Stuttgarter „Olgäle“.

 

„Paddeln gegen den Krebs“ nennt er sein Abenteuer, mit dem er den betroffenen Jungen und Mädchen auch Mut machen will. Die 500 Kilometer, die er sich eigentlich vorgenommen hatte, schaffte Harald Kümmel nicht. Da machten ihm Stürme, Gewitter und Unwetter einen Strich durch die Rechnung. 17 Tage lang hat er gegen Wind und Wellen gekämpft. Manchmal ging es einfach nicht mehr. Und auch wenn er mit seinem SUP in See stechen konnte, waren die Bedingungen schwer: „Ich musste mich gegen die Wellen stemmen.“ Vielfach sei er auf Knien auf dem Board gerobbt. Dabei hat Harald Kümmel sich verletzt. Den Schmerz spürt der Extremsportler noch jetzt.

Seine Tour hat ihm auch die Augen für die Umweltprobleme geöffnet. Die Auswirkungen des Klimawandels sind gerade auf der Ferieninsel deutlich zu spüren. Das Mittelmeer ist aufgeheizt, 31,87 Grad haben die Meteorologen da im August gemessen. Dadurch nimmt die Gefahr von Starkregen und Gewitter zu. Schockiert war der erfahrene Paddler über die Müllmengen, die Touristen auf der Insel liegenlassen. „Das zerstört die Landschaft“, hat er vom Wasser aus beobachtet. Wunderschöne Buchten oder Höhlen, die von Müllbergen überzogen sind. Da wünscht sich der Fitnessexperte, der als Coach arbeitet, „sehr viel mehr Umweltbewusstsein von den Touristinnen und Touristen auf der Insel“. Er hofft, dass er mit seiner Tour auf dem Paddelbrett „Sensibilität für die Schönheit der Insel schärfen kann“.

Reiseeindrücke auf den sozialen Medien

Am Hafen von Mallorca in El Arenal ist Kümmel gestartet. Sein Board pumpt er von Hand auf. Auf Facebook und Whatsapp ließ Kümmel seine Follower an dem Abenteuer teilhaben. Wenn er abends nach sieben Stunden auf dem Board noch nicht zu müde war, hat er Bilder, Videos und Informationen ins Netz gestellt. Die Kommentare hätten ihm Mut gemacht. Fotos vom herrlichen blauen Meer machen Lust, selbst aufs SUP zu steigen. Doch dass das auf dem Mittelmeer nichts für Anfänger ist, sagt der Gesundheitscoach deutlich. Als er zwangsweise pausieren musste, stellte er das Bild eines Unwetters ins Netz.

Mit Touren für den guten Zweck hat Kümmel Erfahrung. 2022 paddelte er mit seinem SUP 700 Kilometer auf der Elbe. „Ich hoffe, dass sich noch mehr Menschen dazu bewegen lassen, zu spenden.“ Ihm ist es wichtig, mit seiner sportlichen Leidenschaft Gutes zu tun. Deshalb hat er schon vor der Tour Sponsoren gesucht, die jeden gepaddelten Kilometer mit einer Spende belohnen.

Unter freiem Himmel zu schlafen, das hatte er sich von Anfang an vorgenommen. Nachts hat er in die Sterne geschaut und die Ruhe genossen. Sein Gepäck hatte er vorne aufs Board geschnallt. Bei seinen Landgängen hat der kommunikative Sportler viele Kontakte geknüpft. „An den Stränden kamen immer wieder Leute her. Sie wollten wissen, was ich denn da mache.“ Für diese Begegnungen ist der Schwaben dankbar. Dass er das Interesse mit seinem schwer bepackten, mehr als drei Meter langen Board auf sich zog, hat ihm gefallen: „So kommt man mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch.“

Auf seiner Reise hat Harald Kümmel vom Wasser aus erlebt, dass die Ferieninsel Mallorca so viel mehr zu bieten hat als Ballermann-Tourismus. Da lässt er keine Vorurteile gelten – auch wenn einige Teile der Insel fest in der Hand der Party-Szene sind. Idyllische Buchten und Höhlen, die das Meer ausgewaschen hat, haben ihn fasziniert. Durch das weiche, leicht erodierbare Kalkgestein der Insel haben sich im Lauf der Jahrtausende beeindruckende Höhlenlandschaften geformt. Bei Sonnenuntergang ist dem Paddler sogar ein Delfin vor die Kamera gesprungen. Diese Erlebnisse möchte Kümmel nicht missen, auch wenn er keinen Hehl daraus macht, wie anstrengend und manchmal auch gefährlich sein Abenteuer war. In Erinnerung bleiben ihm die wunderschönen Sonnenuntergänge, freundliche Menschen und der Erfolg, die Herausforderung auf dem SUP gemeistert zu haben. Zur Einschulung seines Enkels in München war der Opa pünktlich wieder da. Auf der Rückreise legte er einen Stopp in der Autobahnkirche im bayerischen Adelsried ein, wie er sagt: „Um für die sichere Heimkehr zu danken.“

Ein Abenteuer für den guten Zweck

Biografisches
Harald Kümmel ist 68 Jahre als und lebt in Neckartenzlingen und Renningen. Er arbeitet als Personal Trainer und Gesundheitscoach für ältere Menschen, um deren Lebensqualität zu verbessern. Er hat ein Buch geschrieben: „Die Z.E.N.-Strategie. Mit Achtsamkeit zu ganzheitlicher Fitness“, das 2018 im Neuen Sportverlag erschienen ist.

Spenden
Der Förderkreis krebskranke Kinder unterstützt betroffene Familien im Olgahospital Stuttgart seit 1982. Die Mitglieder betreiben unter anderem das Blaue Haus, in dem Familien während der Behandlung ihrer Kinder leben dürfen. Wer mithelfen möchte: Spendenkonto KSK Nürtingen-Esslingen, „Paddeln gegen Krebs“/Harald Kümmel IBAN: DE 92 6115 0020 0104 0043 04.

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