Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder: Landeshochschulen erobern Spitzenplatz

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So gut wie Baden-Württemberg hat kein Land bei der Exzellenzstrategie abgeschnitten: Tübingen, Heidelberg, Konstanz und Karlsruhe sind ganz vorne mit dabei.

In den Weltraum hat es das KIT zumindest in Form seines Logos zusammen mit Alexander Gerst (rechts) bereits geschafft, jetzt ist das KIT auch wieder Eliteuni. Foto: dpa
In den Weltraum hat es das KIT zumindest in Form seines Logos zusammen mit Alexander Gerst (rechts) bereits geschafft, jetzt ist das KIT auch wieder Eliteuni. Foto: dpa

Stuttgart - Holger Hanselka ist überglücklich. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist zurück im Kreis der Eliteuniversitäten. Rektor Hanselka feiert den „herausragenden Erfolg“ zusammen mit den Mitarbeitern. „Wir haben uns im wichtigsten und härtesten Wettbewerb der Universitäten in Deutschland erfolgreich durchgesetzt“, freut sich der Rektor und atmet auf. Immerhin hatte das KIT den Titel in der zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs verloren gehabt.

Gewonnen haben auch die Universi­täten Tübingen, Heidelberg und Konstanz. Sie haben ihre Titel erfolgreich verteidigt. So sind vier Hochschulen aus dem Südwesten unter den elf Leuchttürmen der deutschen Forschungsuniversitäten. So viele gibt es in keinem anderen Bundesland.

„Damit ist Baden-Württemberg Deutschlands Wissenschaftsstandort Nummer eins“, jubelt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Sie sieht die Entscheidung als „eine großartige Bestätigung für die universitäre Spitzenforschung im Südwesten“.

Nicht geschafft haben es die Universitäten Stuttgart und Freiburg. Doch dass sie in die Endrunde gekommen sind, betrachtet Bauer ebenfalls als „ganz große Auszeichnung“. Alle sechs Anträge aus dem Südwesten seien „exzellent“ gewesen. „Alle unserer Universitäten haben ihre enorme Forschungsstärke und einen großartigen Teamgeist ihrer Forscherinnen und Forscher unter Beweis gestellt“, sagte Bauer.

Universitäten atmen auf

„Mit diesem hart erkämpften Erfolg ist die Grundlage gelegt, um Tübingen dauerhaft in der kleinen Gruppe der weltweit besten Universitäten zu etablieren“, sagte der Tübinger Rektor Bernd Engler. Er ist sicher, die Exzellenzentscheidung werde positive Auswirkungen auf die gesamte Region haben: „Universitäten sind im 21. Jahrhundert die Motoren der wirtschaft­lichen Entwicklung.“ So könne die Region die wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte meistern.

Bernhard Eitel, der Rektor der Uni Heidelberg, sprach von einem „großartigen und verdienten Erfolg“. Heidelberg war bereits in den beiden Vorläuferinitiativen der Exzellenzstrategie erfolgreich. Ebenso wie Konstanz. Dort jubelt die Rektorin Kerstin Krieglstein: „Wir freuen uns über alle Maßen. Wir feiern einen Erfolg, den wir unserer Kultur der Kreativität und unserem Miteinander an der Universität zu verdanken haben.“ Konstanz ist mit 11 000 Studierenden mit Abstand die kleinste Uni im Kreis der Titelträger und stellt ihr Konzept ganz ins Zeichen der Kreativität. Während das KIT auf den Ausbau der Spitzenforschung abzielt, setzt Heidelberg auf die Stärken als Volluniversität. Tübingen will sich weiter für globale Fragestellungen öffnen.

Wirtschaft hat weitere Erwartungen

Die Wirtschaft im Land ist ebenfalls recht angetan vom Erfolg der Südwestuniversitäten. Für die Arbeitgeber Baden-Württembergs lobt ihr Geschäftsführer Bildung, Stefan Küpper: „Das sehr gute Abschneiden ist ein Meilenstein bei der nachhaltigen Stärkung unseres Innovations- und Wirtschaftsstandorts.“ Doch müssten die Universitäten die Lehrverpflichtungen senken, um internationale Wissenschaftler gewinnen zu können. Christian O. Erbe, der Vizepräsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags, würdigt ebenfalls die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und fordert gleichzeitig, „der Technologietransfer sollte stärker im Fokus der Hochschulen stehen“.

Förderung auf Dauer

Die Entscheidung fällte die sogenannte Exzellenzkommission aus Wissenschaftlern und den Wissenschaftsministern des Bundes und der Länder. Die Spitzenforschung der Exzellenzuniversitäten wird mit jährlich rund 15 Millionen Euro unterstützt. Die Förderung beginnt im November. Sie ist auf Dauer angelegt. Voraussetzung ist aber eine erfolgreiche Evaluation durch den Wissenschaftsrat nach sieben Jahren. Auch müssen die Universitäten in der nächsten Ausschreibungsrunde im Jahr 2026 mindestens zwei Forschungsprojekte, sogenannte Cluster, einwerben. Das Ziel der Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist, die Universitäten beim Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung dauerhaft zu stärken. Das Geld kommt zu drei Vierteln vom Bund und zu einem Viertel vom jeweiligen Land, in dem die Hochschule ihren Sitz hat.

Titelträger sind auch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, der Verbund Berlin, die Uni Bonn, die TU Dresden, die Uni Hamburg, und die Ludwig-Maximilians Universität sowie die Technische Universität in München. In der Endrunde waren insgesamt 17 Einzeluniversitäten und zwei Universitätsverbünde vertreten.