Facebook-Party in Backnang Facebook-Party-Initiator bleibt unbekannt

Von fro 

Die Polizei kann jenen Anonymus, der für den Aufruf zu einer illegalen Massenparty im Plattenwald verantwortlich gemacht wird, nicht ermitteln. Seine Nutzerdaten auf Facebook sind offenbar gelöscht worden.

Die Partyauswüchse im Plattenwald sollen nicht folgenlos bleiben. Foto: Gottfried Stoppel
Die Partyauswüchse im Plattenwald sollen nicht folgenlos bleiben. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Die zahlreichen „Ansprachen“ und die „härtere Gangart“ haben offenbar langfristig Wirkung gezeigt. Die Aktivitäten der Project-X-Partymacher auf der Internetplattform Facebook tendierten zumindest im Rems-Murr-Kreis mittlerweile gegen Null, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Waiblingen auf Anfrage. Er muss allerdings auch einräumen, dass der Initiator der ersten Facebook-Party letztlich wohl ungeschoren davon kommt. Die Polizei hat ihn nicht ermitteln können.

Wie mehrfach berichtet, war es am 30. Juni in der Murrstadt zu einem Großeinsatz der Ordnungshüter gekommen. Via Internet hatten zuvor Unbekannte zu einer sogenannten Project-X-Party auf einem Grillplatz im Backnanger Naherholungsgebiet Plattenwald aufgerufen. Mehr als 20 000 Besucher hatten sich auf der Plattform Facebook dazu angemeldet. Die Stadt hatte die Massenveranstaltung per Allgemeinverfügung verboten, weil man um die öffentliche Sicherheit fürchtete. Trotz dieses Verbots wurde weiterhin auf Facebook für die Veranstaltung getrommelt. Rund 1000 Partywillige kamen letztlich tatsächlich. Sie zogen vom Bahnhof durch die Stadt bis an den Rand des Plattenwalds und sahen sich dann mit einem Großaufgebot der Polizei und anderer Ordnungskräfte konfrontiert. Dort und in der Stadt kam es zu einigen Ausschreitungen.

Mit rund 140 000 Euro bezifferten die Stadtverwaltung und Polizei ihre Aufwendungen für den Einsatz. Diese, so drohte man an, wolle man jenen Unbekannten in Rechnung stellen, die sich über das Verbot hinweg gesetzt und weiter zu der Party aufgerufen hatten. Doch diese Ankündigung wird sich wohl nicht in die Tat umsetzen lassen. Die Anfrage nach den Nutzerdaten bei Facebook-Europa in Irland sei nur mit starker Verzögerung beantwortet worden, sagt der Waiblinger Polizeisprecher – und mit dem ernüchternden Ergebnis, dass die Daten mittlerweile gelöscht seien. Zudem hätten „andere Sachgründe“ die Fahndung erschwert, was die Polizei nicht näher erläutern will, um Nachahmern das Handeln nicht zu erleichtern.

Konsequenzlos werde die verhinderte Party freilich nicht bleiben. Neun Strafverfahren gegen Personen, deren Identität man habe ermitteln können, seien eingeleitet worden, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs, Diebstahls und Beleidigung von Polizeibeamten. Zudem werde in 16 Fällen gegen Unbekannt ermittelt, ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahls.

Auch jener 15-jährige Jugendliche aus dem Remstal, der auf Facebook vier Wochen später eine zweite Auflage der Party im Plattenwald initiieren wollte, muss ein saftiges Bußgeld bezahlen. Die Stadt Backnang hat bereits einen Bescheid über 1000 Euro versendet. Ob der Jugendliche, beziehungsweise seine Erziehungsberechtigten die Einsatzkosten tragen müssen, werde noch geprüft. Eine justiziable Grundlage gilt aber als unwahrscheinlich. Der Junge hatte seinen Aufruf Anfang Juli gestoppt, noch bevor ihm die Polizei auf die Schliche gekommen war. Sein Vater hatte die Aktivität des Sohnes bemerkt.

An dessen Stelle waren dann erneut Project-X-Partymacher getreten, möglicherweise die selben wie bei dem ersten Aufruf. Trotz erneut mehrerer tausend Zusagen wurde die Party im Keim erstickt. Die Polizei kündigte nicht nur an, von ihrem defensiven, an die Vernunft der Teilnehmer ausgerichteten Einsatzkonzept abzurücken, sondern machte bereits vor dem Termin zahlreiche potenzielle Gäste auf die möglichen Konsequenzen aufmerksam. Insgesamt 124 „Gefährden­ansprachen“ wurden durchgeführt. Das vornehmlich junge Publikum wurde zum Teil am Arbeitsplatz oder in der Schule aufgesucht. Dafür habe man auch Kritik geerntet, sagt der Polizeisprecher, betont aber, dass man keine willkürliche Auswahl vorgenommen habe: Besucht worden seien Partywillige, die in ihren Kommentaren entweder zu Gewalt aufgerufen, Beleidigungen gegen die Ordnungskräfte ausgesprochen oder andere angestachelt hätten. Die „massive Öffentlichkeitsarbeit“, die man auch betrieben habe, um „landesweit ein Zeichen zu setzen“, habe sich letztlich ausgezahlt, sagt der Polizeisprecher. „Aktuell gibt es keine vergleichbaren Aktivitäten in unserem Zuständigkeitsbereich.“




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