Facebook wertet Journalismus weiter ab Kampfansage an die Medien

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Facebook scheint immer weiter auf Konfrontationskurs mit dem klassischen Journalismus zu gehen. Die für Medienpartnerschaften zuständige Managerin Campbell Brown hat jetzt brüsk verkündet: „Menschen kommen nicht wegen der Nachrichten zu Facebook.“

Facebook-Managerin Campbell Brown wählt  klare Worte: Es sei nicht ihr Job, Verlage glücklich zu machen. Foto: AFP
Facebook-Managerin Campbell Brown wählt klare Worte: Es sei nicht ihr Job, Verlage glücklich zu machen. Foto: AFP

Kalifornien - Was ist los auf der Welt? Das erfahren Menschen noch immer zu einem nicht geringen Anteil durch die Arbeit von Journalisten. Aber wie Nutzer und Nachricht, Leser und Journalisten in Kontakt miteinander kommen, das hat sich dramatisch gewandelt. In den letzten Jahren hat sich Facebook zu einer wichtigen Verteilmaschine von Nachrichten, Analysen und Kommentaren entwickelt. Umgekehrt haben klassische Medienhäuser die Attraktivität von Facebook für Menschen jenseits der Frühpubertät mit ihren dort bislang gratis verteilten Inhalten enorm aufgewertet.

Das war schon immer eine ungleiche Partnerschaft, aber nun scheint sie ganz zu zerbrechen. In einer Diskussionsveranstaltung zu Wochenbeginn in Huntington Beach, Kalifornien, sprach Campbell Brown, die bei Facebook für Medienpartnerschaften zuständige Managerin, in ganz neuer Schärfe und Verächtlichkeit über den Journalismus im sozialen Netzwerk. Knallharter Kernsatz ihrer Absage an Informationsangebote: „Menschen kommen nicht wegen der Nachrichten zu Facebook.“

Da schießt nach ziemlich einhelliger Einschätzung der Branchenkenner keineswegs eine scharfzüngige Jungmanagerin im rhetorischen Eifer einer Debatte doch ein wenig weit übers Ziel hinaus. Das Ganze scheint die Fortsetzung eines Entkopplungsprozesses zu sein, den Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu Beginn des Jahres schon eingeleitet hatte. Er kündigte an, Facebook werde seine Sortieralgorithmen ändern, um den Nutzern künftig sehr viel weniger Beiträge von Medien, Verlagshäusern und anderen Profis anzuzeigen, dafür aber mehr private Nachrichten und Bilder anderer Nutzer.

Eine drängende Frage

Fraglos hat das mit dem politischen und juristischen Ringen in vielen Ländern um den Kampf gegen Fake News, gegen geheimdienstliche Desinformationskampagnen und gegen die Hasskampagnen von Extremistengruppen zu tun. Doch mehr privaten Tratsch und weniger Nachrichten zu verteilen, war eine Kurzschlussreaktion von Facebook: Seriöse Medien kann man wegschieben, aber Verbreiter von Fake News können sich als Privatnutzer tarnen.

Als Zuckerberg aber die Änderung ankündigte, da waren die neuen Algorithmen bereits eingespielt, wie Zeitungen, Radiosender und andere Nutzer des sozialen Netzwerkes am sofortigen Einbruch ihrer Reichweiten bemerkten. Manche ließen sich dadurch gar nicht einschüchtern, sondern stellten nun, da der brüchige Friede mit dem Cyber-Schwergewicht sowieso vorbei schien, einen andere drängende Frage: Sollte nicht Facebook schleunigst zu seriösen Partnern zurückkehren – und die für das Bereitstellen von Inhalten entlohnen?

Lieber kleine Projekte

Browns harte Worte – „Es ist nicht mein Job, Verlage glücklich zu machen“ – sind die Antwort auf solche Begehren nach fairerer Gewinnverteilung. Die Managerin trifft denn auch eine Unterscheidung, an der man die gefährliche Politik ihres Konzerns deutlich macht: Viel guter Journalismus würde heutzutage von kleinen Projekten in der Nische betrieben, den wolle man durchaus fördern. „Für mich liegt dort die Zukunft des Journalismus“, formuliert sie freundlich.

Was sie damit meint, ist wohl: Kleinere, ganz vom Netz abhängige Medienbüros ohne eigene Printzirkulation, ohne zahlungswillige Abonnenten und ohne damit einhergehendes Anzeigenaufkommen außerhalb des Netzes können sich kaum gegen Facebook wehren. Sie sollen nun in Stellung gebracht werden gegen jene Verlage, die vielleicht noch Forderungen an das soziale Netzwerk stellen könnten.