Alexander Hoss ist Fahrradfahrer aus Leidenschaft. Die Begeisterung dafür begleitet ihn schon seit seiner Jugend. Schon den Weg zum Sindelfinger Goldberg-Gymnasium legte der Aidlinger meist mit dem Rad zurück. Während seiner Studienzeit schraubte er dann nebenberuflich für eine Böblinger Firma an Fahrrädern herum.
Fahrrad-Mechaniker-Ausbildung statt Studium
„Irgendwann habe ich festgestellt, dass das Studieren nichts für mich ist“, erinnert sich Alexander Hoss. Stattdessen entschied er sich für eine Ausbildung - bei einer Renninger Firma, die Fahrradteile produzierte und eine Ausbildung im Fahrradmechanik anbot.
Mittlerweile betreibt Alexander Hoss seit 2013 die Radtheke in Stuttgart. Eine Werkstatt, die sich ausschließlich um alle Belange rund um das Fahrrad kümmert. Dort kam der 39-Jährige auch erstmals mit Lastenrädern in Berührung.
Gut für die Umwelt und weniger Probleme bei Parkplatzsuche
Das Lastenfahrrad ist in den vergangenen Jahren vor allem in Großstädten immer populärer geworden. Mit elektrischem Antrieb und großer Ladefläche bietet die Fahrradvariante eine prima Alternative zu Autos und besitzt dabei zwei entscheidende Vorteile: Sie ist besser für die Umwelt und man spart sich die lästige Parkplatzsuche. „Ich bin überzeugt, dass Lastenräder auch auf dem Land der nächste Schritt sind“, sagt Alexander Hoss. In diesem Zusammenhang ist vor einer Zeit ein Wunsch in ihm gereift: Das Lastenrad in seiner Heimatgemeinde Aidlingen bekannt machen und ein eigenes Geschäft im Ort zu eröffnen. „Ich habe jetzt lange in Stuttgart gelebt, aber ich wollte immer irgendwann nach Aidlingen zurückziehen“, verrät er. „Da liegen einfach meine Wurzeln.“ Ein Traum, den Alexander Hoss im vergangenen Jahr in die Tat umgesetzt hat.
Alte Mühle gefällt dem neuen Ladenbetreiber
In der Alten Mühle an der Aidlinger Hauptstraße haben sich Räumlichkeiten gefunden, die optimal für den Verkauf von Lastenfahrrädern geeignet sind. Damit verbindet Alexander Hoss gleich zwei große Leidenschaften: Die Fahrradliebe und die Begeisterung für alte Gebäude, die eine gewisse Historie mitbringen. Die Alte Mühle ist allerdings nur die Startplattform - langfristig gesehen hofft Hoss darauf, ein Gebäude zu finden, in dem er Lastenräder nicht nur verkaufen, sondern auch reparieren kann. Für Werkstatt-Arbeiten muss Alexander Hoss nämlich noch immer zur Radtheke nach Stuttgart pendeln - eine Strecke, die er natürlich auch gerne mit dem Fahrrad zurücklegt. „Das Gebäude sollte, wenn möglich, nicht nur die technischen Voraussetzungen erfüllen, sondern auch Charakter und Geschichte haben – wie die Alte Mühle“, erklärt er. Etwas Altes selbst herzurichten und zu renovieren, würde ihn dabei nicht stören. „Ich würde mich freuen, aus etwas Altem etwas Neues machen zu können.“
Aber was halten eigentlich die Kollegen der Radtheke von dem neuen Standort in der doch eher unbekannten Perle des Heckengäus? „Die waren erst mal ein bisschen verhalten“, grinst Alexander Hoss. „Aber das anfangs ist immer so, wenn es um Spinnereien geht.“ Auch die Radtheke habe zu Beginn einiges an Kritik einstecken müssen, da Skeptiker sich nicht vorstellen konnten, wie eine reine Fahrradwerkstatt überleben soll. „Auch da haben wir viele Leute Lügen gestraft“, sagt Alexander Hoss.
In Aidlingen wurde „Fahrrad Hoss“, wie der Lastenradverkauf in der Alten Mühle nun heißt, auf jeden Fall bereits gut angenommen. Der Tag der offenen Tür Mitte April hat gezeigt, dass tatsächlich auch auf dem Land ein reges Interesse für Lastenräder herrscht. Dass Alexander Hoss inzwischen selbst wieder hier wohnt und ein bekanntes Gesicht in der Gemeinde ist, ist da sicher hilfreich.
Mit einer Batterieladung nach Böblingen und zurück
Aber auch abgesehen davon eignet sich der Ort in seinen Augen optimal dafür, ein Standort für Lastenfahrräder zu werden. „Aidlingen hat keine S-Bahn-Station und ist durch die Natur ideal zum Fahrradfahren“, findet er. „Außerdem gibt es im Kreis Böblingen, meines Wissens nach, keinen anderen Verkäufer von Lastenrädern - und eine Werkstatt dafür schon gar nicht.“
Trotzdem habe er nicht das Ziel, dafür zu werben, dass Fahrräder die Autos komplett ersetzen sollen. „Ich fahre selbst auch gerne Auto und für größere Strecke sind Fahrräder einfach nicht so geeignet“, sagt Alexander Hoss. „Aber zum Einkaufen und für kleine Routen sind sie eine super Alternative zu fossilen Brennstoffen.“ Einmal aufgeladen könne man mit einem Lastenfahrrad sogar locker von Aidlingen nach Böblingen und wieder zurückfahren. „Mein Wunsch ist es, dass dadurch die nahe Infrastruktur wieder mehr genutzt wird“, so Alexander Hoss.