Fachklassentrakt wird abgerissen Schlamperei im Rathaus

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Das schadstoffbelastete Haus muss abgerissen werden. Zum Wohle der Kinder, aber auch aus Gründen der Glaubwürdigkeit der Politik.

Kein sicherer Hort: im Ludwigsburger Rathaus  ging ein wichtiges Gutachten verloren. Foto: Pascal Thiel
Kein sicherer Hort: im Ludwigsburger Rathaus ging ein wichtiges Gutachten verloren. Foto: Pascal Thiel

Ludwigsburg - Es musste 2008 erst einmal einen Brand im Haus geben und danach viele beharrlich vorgebrachte Klagen von Lehrern über Kopfschmerzen, Übelkeit oder starke Reizungen der Schleimhäute, um in Erfahrung zu bringen, was man schon seit 20 Jahren hätte wissen können: Der alte Fachklassentrakt am Ludwigsburger Innenstadtcampus ist nicht nur abgewirtschaftet, er ist auch mit PCB belastet. Schon 1998 wurde das von Gutachtern festgestellt – mit der Maßgabe, das Haus möglichst bald abzureißen. Doch seither ist nichts geschehen. Mit Ausnahme eines skandalösen Beispiels von bürokratischer Schlamperei: Das betreffende Dokument ist auf seiner Reise durch die langen Rathauskorridore verloren gegangen.

Das ist nicht nur unbegreiflich, das ist ungeheuerlich. Oder wie es Grünen-Stadtrat Michael Vierling ausdrückte: „Jetzt stehen wir ganz schön blöd da.“ Klar, die heute im Rathaus Verantwortlichen waren damals noch nicht da. Damit sind sie persönlich entschuldigt, aber die Sache ist es deshalb noch lange nicht. Jetzt aber nach Schuldigen zu suchen, ist ebenso müßig wie weiterhin die leidigen Litaneien der Grenzwerte herunterzubeten und sich hinter behördlichen Maßnahmenkatalogen zu verschanzen. Dass ein so wichtiges Gutachten abhanden gekommen ist, gibt den auch so schon berechtigten Forderungen von Lehrern und Eltern noch mehr Gewicht.

Das Versagen der Bürokratie kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber man kann noch immer den Auslöser des Übels beseitigen – und zwar schneller als bisher vorgesehen. Das scheint auch Bürgermeister Konrad Seigfried klar geworden zu sein. Hätte er sich gewunden und den Betroffenen einen konkreten Abrisstermin verweigert, hätte er das Vertrauen in die Integrität der politisch Verantwortlichen, die er zuvor für sich selbst reklamiert hatte, verspielt. Gut also, dass es nun eine klare Vorgabe gibt: Das schadstoffbelastete Haus wird spätestens im Sommer 2019 geräumt. Und – auch das ist sehr wichtig – bis dahin wird alles getan, um den Betonbau weitgehend überflüssig zu machen.