Elektroniker bei Netze BW „Energie reizte mich schon in der Schule“

Der junge Netzmonteur Quinten Heinrich bei der Arbeit an einem Dachständer im Ausbildungszentrum der Netze BW in Esslingen. Foto: Michael Steinert

Quinten Heinrich arbeitet als junger Monteur bei Netze BW. Er erklärt, wie viel man im Handwerk verdienen kann - und versteht nicht, warum alle jungen Leute das Studium vorziehen. 

Ohne genug Elektroinstallateure, Heizungsbauer oder Monteure keine Energiewende. Der Elektroniker Quinten Heinrich (23) arbeitet bei Netze BW daran – und sieht für sich und andere gut bezahlte Entwicklungschancen.

 

Herr Heinrich, warum haben Sie sich denn für einen Beruf im Handwerk entschieden?

Während meiner Schulzeit habe ich Praktika gemacht: Ich war in der Produktion einer Messerfabrik und bei technischen Zeichnern. Beides hat mir nicht zugesagt. Und ich habe in einem Kindergarten was Soziales ausprobiert. Dann habe ich ein Praktikum bei der Netze BW absolviert. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich dort um eine Lehrstelle beworben habe. Energie – von der Erzeugung bis zu Verteilung – hat mich schon in der Schule gereizt. Das Thema meiner mündlichen Abschlussprüfung in der Realschule war die Windkraft.

Worin liegen die Vorteile einer beruflichen Ausbildung?

Man lernt viele handwerkliche Fähigkeiten, die man überall anwenden kann, etwa, wenn man zuhause eine Lampe montiert oder auf Fehlersuche geht, wenn die Sicherung rausfliegt. Da geht es nicht nur um Theorie, sondern man macht richtig was.

Was muss man für einen erfolgreichen Weg im Handwerk mitbringen?

Ein bisschen technisches Verständnis ist auf jeden Fall von Vorteil. Man kann natürlich alles lernen, aber es ist gut, wenn man keine zwei linken Hände hat und weiß, in welche Richtung man eine Schraube zu- und aufdreht. Aber es gibt in der Berufsschule auch ziemlich anspruchsvolle Fächer wie Elektrotechnik oder Physik. Das war selbst für einige Studienabbrecher in meiner Berufsschulklasse eine Herausforderung.

Wie sehen Sie Ihren weiteren Weg?

Jetzt mache ich erst mal meinen Industriemeister Netz, Sparte Strom, wie das bei uns genau heißt. Dann wartet auf mich schon eine Stelle als Qualifizierungsmeister. Da werde ich zuständig für Auszubildende in unserem Fachbereich und für das Einlernen neuer Mitarbeiter in allen Gewerken – Freileitung, Stationsbau, Kabelbau.

Sind Sie mit den Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden, oder gibt es Grenzen?

Wenn man sich weiterentwickeln will, wird man auch gefördert. Da heißt es nie: „Wir brauchen jetzt aber dringend Monteure. Das kannst du jetzt nicht machen.“ Das sieht man auch daran, wie viel Geld in die Förderung der Mitarbeiter gesteckt wird. Und nach dem Meister gibt es auch die Möglichkeit, in einem Masterstudiengang an der Hochschule zum Netzingenieur zu werden. Oder man macht noch den Fach- oder Betriebswirt.

Und wie sieht es mit dem Verdienst aus?

Seit ich 2018 mit meiner Ausbildung fertig bin, wurde für Auszubildende die Bezahlung deutlich erhöht. Ich habe im ersten Lehrjahr um die 800 Euro brutto im Monat verdient. Das sind jetzt 1140 Euro. Und ein fertiger Monteur verdient gleich zu Beginn ein Jahreseinkommen von circa 42 000 Euro brutto. Das Gehalt eines Meisters beginnt bei 55 000 Euro brutto. Wenn man aber mehrere Jahre als Monteur gearbeitet hat, ist man in den Erfahrungsstufen weiter und verdient mehr. Plus Zulagen, wenn man fleißig ist, Bereitschaften macht und sich Störeinsätze etwa bei einem kaputten Hausanschluss an einem Wochenende auszahlen lässt.

Wie wirkt sich die Digitalisierung aus?

Wir haben schon viele Programme, die wir über Handy, Tablet oder Laptop laufen lassen. Bei unseren Monteuren werden aktuell Apple Watches mit Peilsendern ausprobiert. Falls sie von einem Mast herunterfallen und in ihrer Sicherung hängen, würde Alarm ausgelöst. Ebenso testen wir den Einsatz von Drohnen zur Inspektion von Masten und Freileitungen. Wir haben alle Pläne über Strom-, Gas- und Wasserleitungen, also alles, was man wissen muss, wenn man zum Beispiel ein Kabel freigraben muss, auf dem Handy. Und das Fernauslesen von Geräten läuft auch über Handy, Tablet und Laptop.

Verstehen Sie, warum sich nur so wenige junge Leute für eine berufliche Ausbildung interessieren?

Auch in meinem Umkreis studieren viele nur, damit sie studiert haben. Teilweise haben die Leute nicht einmal ein großes Interesse daran. Vielleicht üben da auch die Eltern einen gewissen Druck aus. Und in der Gesellschaft allgemein heißt es doch oft: „Wenn du nicht studiert hast, erreichst du nichts im Leben und verdienst kein Geld.“ Da fehlt die Anerkennung für das, was ich tue. Auch einige meiner Mitschüler auf der Realschule hatten irgendwie drin, dass sie nach der Fachhochschulreife noch studieren müssen. Ich halte das für falsch. Denn man sieht ja: Auch nach seiner Berufsausbildung kann man noch ein Studium absolvieren. So bekommt man das ganze Praxiswissen, die Erfahrung und kennt nicht nur die Theorie.

Aber das Ansehen von Meistern ist geringer als das von Mastern, heißt es. Macht Ihnen das persönlich etwas aus?

Das stört mich überhaupt nicht. Das sind zwei verschiedene Abschlüsse, und jeder bringt verschiedene Fähigkeiten ein.

Quinten Heinrich

Wer
 Der 23-Jährige ist im Großraum Stuttgart geboren und aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife 2015 absolviert er bis 2018 eine Ausbildung als Elektroniker in Betriebstechnik bei der Netze BW. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal war er dort als Freiwilliger mit Netze BW im Einsatz. In seiner Freizeit spielt er Handball, fährt Mountainbike und geht ins Fitnessstudio.

Was
 Von 2018 bis 2020 arbeitete er als Netzmonteur in Wangen im Allgäu. Seither arbeitet er in Ludwigsburg und absolviert parallel dazu – von der Firma gefördert – seinen Meisterkurs. Zudem schult er als Fachtrainer Azubis und Kollegen in den Grundlagen von Nieder- und Mittelspannung.  Weitere Informationen zu Ausbildung und Berufsorientierung bei Netze BW gibt es unter: https://karriere.enbw.com/ausbildung.

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