Fachkräftemangel im Rathaus Mitarbeiter bekommen in Köngen Kreditkarten mit Guthaben geschenkt

Die Gemeinde Köngen setzt für ihre Beschäftigten im Rathaus und anderswo weitere Anreize, um die Mitarbeiterbindung zu stärken. Foto: /Kerstin Dannath

Die Gemeinde Köngen setzt auf zusätzliche Boni für ihre Mitarbeiter, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Mitarbeiter haben die Wahl zwischen einer Kreditkarte mit monatlichem Guthaben und einem Deutschlandticket.

Die Gewinnung und die Bindung von Fachkräften wird für die Kommunen zunehmend zur Herkulesaufgabe. Längst gilt eine Gehaltsanpassung nicht mehr als Allheilmittel zur Bindung von Mitarbeitern – auch das Aufzeigen von Karriere- und Entwicklungsperspektiven, Wertschätzung, eine gute Atmosphäre, flexible Arbeitszeitgestaltung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mobiles Arbeiten gehören dazu. Dennoch ist eine angemessene Entlohnung für die erbrachte Arbeitsleistung eine wichtige Grundvoraussetzung.

 

Zusätzliche Anreize sollen die Mitarbeitermotivation in Köngen erhöhen

Auch für die Gemeinde Köngen rückt die Schaffung zusätzlicher attraktiver Anreize für ihre Angestellten immer mehr in den Fokus. „Der Fachkräftemangel betrifft längt nicht mehr nur die Erzieherinnen, sondern auch den Verwaltungsbereich“, erklärte Köngens Hauptamtsleiter Gerald Stoll auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Das Rathaus Köngen will seinen Mitarbeitern mehr bieten – und hofft so auf neue Bewerbungen. Foto: Horst Rudel

Schon länger versucht die Gemeinde über diverse Benefits wie etwa einen Radlerbonus, ein zinsfreies Darlehen für ein Job-Rad oder die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten – soweit es im Rahmen des individuellen Arbeitsplatzes möglich ist – zusätzliche Anreize für ihre Beschäftigten zu schaffen. Als weitere Möglichkeit will man in Köngen nun steuerfreie Sachzuwendungen, was sich in Form einer Prepaid-Karte umsetzen lässt, nutzen.

Diese Form der Mitarbeitermotivation verbinde Flexibilität mit finanziellen Vorteilen – alles im Rahmen des gesetzlichen Steuerfreibetrags, heißt es in der Vorlage. Bis zu 50 Euro netto pro Monat können Arbeitgeber so ihren Beschäftigten zukommen lassen, ohne dass zusätzliche Abgaben anfallen. Die Karte kann flexibel eingesetzt werden und funktioniert wie eine Kreditkarte – nur überzogen werden kann sie nicht. Eingesetzt werden kann sie aber nur in Geschäften, in den denen man generell mit Kreditkarte bezahlen kann.

Ein weiterer Vorteil: Über die wiederaufladbare Karte lässt sich die Kaufkraft an den Ort binden: „Der Geltungsbereich lässt sich über die Postleitzahl auf einen bestimmten Ort einschränken“, erklärte Stoll. Für den Hauptamtsleiter ist das eine Win-Win-Situation, da gleichzeitig die Geschäfte in Köngen gestärkt werden.

Köngen gibt etwa 100 000 Euro für die Karten aus

Die jährlichen Kosten würden sich im Falle eines Sachbezugs von 50 Euro inklusive Ausgaben für die Aufladevorgänge bei derzeit 160 Mitarbeitenden auf etwa 100 000 Euro belaufen. Parallel dazu stellten die Grünen jüngst den Haushaltsantrag, Beschäftigte der Gemeinde mit monatlich 25 Euro beim Kauf eines Deutschlandtickets zu unterstützten. Dieser Betrag könnte zusätzlich zu der Prepaid-Karte geleistet werden. Die Verwaltung rechnet indes damit, dass dieser Wunsch nicht allzu oft geäußert wird – bislang zumindest ist kein Mitarbeiter mit einem solchen Ansinnen auf die Gemeinde zugekommen.

Allerdings sieht es finanziell angesichts hoher Investitionen in den nächsten Jahren nicht besonders rosig in Köngen aus. „Ein Deutschlandticket on Top auf die Prepaid-Karte zu setzen würde den finanziellen Rahmen sprengen“, gab Köngens Bürgermeister Ronald Scholz zu bedenken.

Nach einer intensiven Diskussion einigte sich der Gemeinderat letztlich auf die Variante, dass sich Mitarbeitende der Gemeinde künftig zwischen einer monatlichen 50-Euro-Prepaid-Karte oder einem Deutschlandticket entscheiden können. Verwaltungschef Scholz betonte, dass man damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlage: „50 Euro sind viel Geld. Und wenn dieser Betrag nur in Köngen ausgegeben werden kann, ist der neue Mitarbeiterbenefit gleichzeitig eine Finanzspritze in die örtliche Wirtschaft.“

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