Fachkräfteprogramme des Landes Das Anwerben von Fachkräften ist alles andere als ein Selbstläufer
Fachkräfte gezielt aus dem Ausland anzuwerben ist in der Praxis oft mühsam – viele Firmen sind dazu nicht bereit, meint Daniel Gräfe.
Fachkräfte gezielt aus dem Ausland anzuwerben ist in der Praxis oft mühsam – viele Firmen sind dazu nicht bereit, meint Daniel Gräfe.
Groß aufgelegte Programme, gezielt Fachkräfte aus dem Ausland nach Baden-Württemberg zu holen, sorgen oft für viel Aufsehen. Sie sind aber alles andere als ein Wundermittel, auch wenn sie einen zusätzlichen, wenngleich mühsamen Weg erschließen helfen. Es geht vor allem darum, den Spracherwerb und die Unterschiede in Alltagsleben und Arbeitskultur zu meistern und die Mühlen der Bürokratie zu überstehen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass insbesondere überlastete Behörden zum Flaschenhals werden, wenn es um Visa, Anmeldungen oder die Anerkennung von Abschlüssen geht.
Das macht die Personalplanung oft schwer berechenbar. Zudem müssen die Firmen selbst viel Zeit und auch Geld investieren, um die Neuen zu sich zu holen und einzulernen – im Wissen, dass ein Scheitern wahrscheinlicher ist als in anderen Fällen. Zur Wahrheit gehört auch: Praktisch alle Unternehmen wollen gute Fachkräfte, so schnell und unkompliziert wie möglich. Doch die Bereitschaft, dabei selbst einen Beitrag zu leisten – zum Beispiel bei der Suche nach einer Wohnung oder bei der sozialen Integration – ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Auch deshalb wenden sich viele Firmen eher an die Geflüchteten aus der Ukraine, anstatt nach Indien oder Marokko zu schauen. Diese dürfen sofort arbeiten, haben oft schon Sprach- und Integrationskurse besucht und sind vor allem leicht zum Vorstellungsgespräch vor Ort einzuladen. Die Kooperationsprogramme des Landes sind auch deshalb alles andere als ein Selbstläufer.
Und sie sollten auch nicht von den bekannten Dauerbaustellen bei der Gewinnung von Fach- und Arbeitskräften ablenken. Es gilt, Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bekommen, Beschäftigte auf zukunftsfähigere Tätigkeiten umzuschulen, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern und die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege weiter zu verbessern. All das ist weniger spektakulär, aber umso dringlicher.