Baden-Württemberg Dramatischer Anstieg: immer mehr Badetote im Land

Von Bettina Hartmann 

Das anhaltend schöne Wetter hat auch eine tragische Seite: Schon jetzt sind im Land mit 37 Ertrunkenen fast genau so viele Menschen beim Baden ums Leben gekommen wie im gesamten Vorjahr.

Taucher im Einsatz bei einem Unfall in Kirchentellinsfurt. Foto: 7aktuell.de/Hald
Taucher im Einsatz bei einem Unfall in Kirchentellinsfurt. Foto: 7aktuell.de/Hald

Stuttgart - Das Jahr 2018 könnte das Jahr mit den meisten Badetoten im Südwesten werden. „In jedem heißen Sommer gibt es viele Badeunfälle“, sagt Ludwig Schulz, Leiter der Landesgeschäftsstelle Baden der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) – aber 2018 sei der Anstieg besonders drastisch. Bis jetzt sind 37 Menschen im Land ertrunken. Im gesamten Vorjahr waren es 38. „Wenn das Wetter so bleibt, wird die Zahl weiter steigen“, so Schulz.

59 Prozent aller Zehnjährigen schwimmen nicht gut

Als Ursache machen Fachleute nicht nur den frühen Sommerbeginn aus. Sie nehmen auch die Politik in die Verantwortung. Eine Forsa-Umfrage hat ergeben, dass 59 Prozent aller Zehnjährigen in Deutschland keine sicheren Schwimmer sind. „Daher dürfen keine weiteren Bäder geschlossen werden“, fordert Ursula Jung, Vizepräsidentin der DLRG Württemberg. Seit dem Jahr 2000 musste bundesweit jedes zehnte Schwimmbad dichtmachen. Von ehemals 6716 Bädern sind nur noch rund 6000 übrig. Hinzu komme, dass es an Schulen immer seltener Schwimmunterricht gebe. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Deutschland zum Land der Nichtschwimmer werde, warnt DLRG-Vizepräsident Achim Haag.

Zu wenige Badestellen werden bewacht

Die Fachleute kritisieren außerdem, dass zu wenige Badestellen an Seen und Flüssen bewacht werden. Dabei gelten gerade die Binnengewässer als Gefahrenquelle Nummer eins. Vor allem der Rhein werde immer beliebter – ein gefährlicher Trend. Die DLRG habe dort in diesem Jahr bereits „an die 20 Suchaktionen nach Vermissten“ starten müssen, sagt DLRG-Mann Schulz. Das sei für die Hilfsorganisation teuer: Je nach Größe koste ein Einsatz bis zu 5000 Euro. Besonders gefährdet sind laut Schulz Männer – sie seien häufig zu leichtsinnig. Auch Flüchtlinge zählen zur Risikogruppe: „Sie können oft nicht schwimmen.“