Fachschule für Landwirtschaft Den modernen Stall am 3D-Drucker herauslassen

Erst wird geplant und vorgestellt, dann ein Modell des Landwirtschaftsprojekts am 3D-Drucker ausgedruckt. Foto: Stefanie Schlecht

In nur fünf Tagen entwerfen die 19 Studierenden der Fachschule für Landwirtschaft konkrete Stallbauprojekte für fünf Schülerbetriebe.

Was haben ein neuer Laufstall für Pferde in Renningen und verschiedene Bauvorhaben auf Milchviehbetrieben in Mühlacker, Haiterbach, Baiersbronn und Münsingen gemeinsam? Sie sind kapitalintensive Großprojekte, die langfristig und damit maßgeblich über die Zukunftsfähigkeit eines landwirtschaftlichen Betriebs entscheiden.

 

Die 19 Studierenden an der Herrenberger Fachschule für Landwirtschaft kommen aus neun Landkreisen, lernten in der vergangenen Woche im Rahmen des fünftägigen „Stallbaublocks“ die vielzähligen Schritte bei der Projektentwicklung kennen: Ein Raumprogramm sowie einen Funktionsplan des Gebäudes zu erstellen. Fragen unter anderem zur Futtermittelbeschaffung, Gülle- und Mistlagerung sowie -entsorgung, aber auch hinsichtlich Bau- und Immissionsschutzrecht zu klären. Mögliche Ansprüche auf Fördergelder zu prüfen. Und verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu ermitteln und zu beurteilen. Auf Basis all dieser Daten inklusive einer Risikoanalyse fällten die Studierenden letztlich die Entscheidung, ob sich das Vorhaben – auch mit den geplanten Arbeitskräften – wirtschaftlich trägt.

Fünf Stallbauvorhaben, die tatsächlich realisiert werden könnten

Zwei Besonderheiten gab es dabei: Erstens liegen den fünf Stallbauvorhaben konkrete Überlegungen zugrunde, die in absehbarer Zeit auf den Schülerbetrieben tatsächlich realisiert werden könnten. Zweitens hatten sie erstmals die Möglichkeit, Modelle ihre entwickelten Stallpläne zur Veranschaulichung mit dem schuleigenen 3D-Drucker auszudrucken.

Da die Studierenden die Modellierungssoftware vorher nicht kannten, sei zum täglichen Input mit Fachvorträgen auch noch drei Stunden Einarbeitung in das Programm gekommen, berichtete die Schulleiterin Meike Heusel vom Amt für Landwirtschaft des Landkreises Böblingen, der Träger der Schule ist: „Sie haben sehr viel Arbeit reingesteckt“, lobte sie die Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Weiterbildung über fünf Semester in Teilzeit absolvieren.

25 Pferde sollen in einer Gruppe leben

Zum Abschluss der Projektwoche standen am Freitag die Präsentationen auf dem Programm – auch für die Gruppe um Philipp Grötzinger aus Renningen. Angrenzend an den bestehenden elterlichen Betrieb, der bisher Plätze für rund 90 Pferde in Laufstall- oder Boxenhaltung sowie für Selbstversorger bietet, soll ein weiterer Aktivstall mit zusätzlichem Weideauslauf im Sommer entstehen. 25 Vierbeiner sollen dort in der Gruppe leben – mit zwölf Quadratmetern Liegefläche und 100 Quadratmetern Auslauf für jedes Tier.

Nachdem die Fläche vorhanden sei, die Lagerkapazität für Mist ausreiche, die Futtergrundlage über eigene Flächen gedeckt werden könne und die Erweiterung mit den vorhandenen Arbeitskräften bewältigt werden könne, sprach aus Sicht der Gruppe nichts gegen die nach ihren Berechnungen 500 000 Euro teure Investition. Aufgrund der finanzstarken Kundschaft aus dem Einzugsgebiet, das bis Stuttgart, Sindelfingen, Böblingen und Leonberg reicht, sah Philipp Grötzinger das größte Risiko in der Möglichkeit, dass die Einkommen sinken.

Kuhstall mit Hackschnitzeln ist nicht genehmigungsfähig

Dass es nicht immer „Daumen hoch“ heißt, zeigte sich am Projekt von Martin Schwenkel in Baiersbronn: Der Plan, einen Stall für 30 bis 40 Milchkühe zu verwirklichen, die auf eigenen Hackschnitzeln laufen, die in einem Rotteprozess zu hochwertigem Humus für Felder und Äcker umgesetzt werden sollen, sei mit den angenommenen Parametern unwirtschaftlich und zudem immissionsschutzrechtlich nicht genehmigungsfähig, lautete das Fazit. In der anschließenden intensiven Diskussion empfahl Martin Walter, der als Stallbauexperte von der Unteren Landwirtschaftsbehörde Ludwigsburg das Projekt begleitete, „erst mal optimieren, was da ist“ – etwa mit Blick auf die vorhandene Maschinenhalle.

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