Kurze Transportwege, frisch vom Acker geerntete Produkte von Bauern aus der Umgebung – es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, Obst und Gemüse, Marmelade oder Nudeln in den Hofläden der Region einzukaufen. Die Studierenden an der Fachschule für Landwirtschaft (FSL) in Herrenberg sind die Landwirte der Zukunft, und um ihnen schon während ihres Studiums praxisnahe Übung in der Vermarktung ihrer Produkte zu ermöglichen, hat sich die Schulbeauftragte Meike Heusel ein besonderes Projekt ausgedacht: Die Studierenden entwickeln einen schuleigenen Hofladen.
Nicht weniger als einen „Meilenstein in der Ausbildung von Nachwuchsführungskräften“ nennt Simone Hotz vom Landratsamt, dem die Fachschule angehört, das neue Projekt, das es so an keiner anderen landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte in Baden-Württemberg gebe. Den Mehrwert für die Studierenden benennt Meike Heusel so: „Es ist die beste Vorbereitung für die spätere Tätigkeit als Fach- und Führungskraft in der Agrarwirtschaft.“
Die jungen Männer und Frauen müssten Verantwortung übernehmen und würden am praktischen Beispiel Direktvermarktung erlernen. Jenseits der Theorie sollten Praxiserfahrungen gesammelt werden – ein Bereich, der an landwirtschaftlichen Schulen häufig zu kurz komme. Seit November arbeiten die Studierenden an dem Konzept, haben verschiedene Standorte, die Zielgruppen, den Markt und seine Mitbewerber analysiert.
Wie wird der Hofladen aussehen?
Angeschafft wird kein Automat, sondern eine begehbare, videoüberwachte Box, „größer als ein Schiffscontainer“, kündigt Heusel an. Sie soll direkt an der Fachschule an der Berliner Straße 1 stehen. Wer hinein möchte, muss sich schon beim Eintreten in irgendeiner Form ausweisen – entweder per EC-Karte oder über eine App. Letzteres habe den Nachteil, dass Spontankäufer eher abgehalten würden, fürchtet Heusel. Momentan vergleiche die Projektgruppe noch Angebote.
Womit wird der Hofladen bestückt?
Innen soll die Box mit Regalen, Kühl- und Gefrierschränken ausgestattet sein, in denen Lebensmittel aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern ihren Platz finden werden. „Es soll ein breites Sortiment sein“, kündigt Heusel an und geht davon aus, dass in der Box eine Stückzahl von 400 bis 500 Dingen Platz finden wird. Welche Erzeuger diese Produkte liefern werden, ist allerdings noch offen. Die Studierenden seien dabei, herauszufinden, welche Landwirte es im Umkreis gebe und wer Interesse haben könnte, seine Erzeugnisse anzuliefern. Bei einem Infotermin für potenzielle Lieferanten am 25. März möchte die Projektgruppe dafür werben.
Damit der Hofladen im Schulbetrieb stemmbar ist, sollen die Erzeuger ihre Waren selbst anliefern und einräumen, „sie bleiben die Eigentümer ihrer Waren“, erklärt Heusel das Konzept. Aufgabe der Stundenten sei es, „zu gucken, dass es läuft“, das alles ordentlich aussehe und Waren nach vorne gerückt würden. Auch Werbemaßnahmen oblägen den Studierenden. Wichtig ist Heusel zu betonen, dass der Hofladen für die Bauern keine Konkurrenz darstellen, sondern vielmehr einen neuen regionalen Absatzweg für ihre Waren bilden soll.
Wie wird das Projekt finanziert?
Der Verband Region Stuttgart fördert das Projekt drei Jahre und übernimmt in dieser Zeit die Hälfte der Investitionskosten; die andere Hälfte trägt der Landkreis. Die laufenden Kosten sollen über die Einnahmen gedeckt werden. Ziel ist laut Heusel, dass der Container sich nach der Förderzeit selbst trägt. Der Start ist im Frühsommer geplant.