Fachwerktag in Schorndorf Baustellen-Führung durch die künftige Stadtbibliothek

Die ehemalige Meierei am Schorndorfer Archivplatz ist eine große Baustelle. Anfang 2027 soll hier die Stadtbibliothek eröffnen. Foto: Jan Potente

Zum Deutschen Fachwerktag konnten Interessierte die Baustelle am Archivplatz in Schorndorf besichtigen. Ein Pilzbefall hatte den Großteil der Holzbalken des Gebäudes von 1685 zerstört.

Betreten der Baustelle verboten – diese Regel hat in Schorndorf am Sonntag ausnahmsweise nicht gegolten. Anlässlich des Deutschen Fachwerktags hatte die Stadt ganz offiziell zu mehreren Baustellen-Führungen durch ein Fachwerkgebäude am zentral gelegenen Archivplatz eingeladen. Das Haus soll in Zukunft in Verbindung mit einem neuen Anbau in Form eines Bücherturms die Stadtbibliothek beherbergen. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei 13,5 Millionen Euro, die Hälfte der Summe übernimmt das Land.

 

Die Sanierung des stattlichen Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert entpuppte sich nach dem Baubeginn als weit aufwendiger, langwieriger und daher auch deutlich teurer als gedacht und hat für manche Debatte gesorgt. Entsprechend groß war der Andrang auf die drei Touren über die Baustelle: Alle Plätze waren ruck, zuck vergeben.

„Auf den ersten Blick sah das Fachwerk recht gut aus“, berichtete Klaus Konz, der Fachbereichsleiter des Gebäudemanagements der Stadt Schorndorf, über die Anfangszeit der Sanierung. Beim Entkernen des Gebäudes sei dann die böse Überraschung gefolgt: „Ab der Oberkante des Erdgeschosses war das komplette Fachwerk kaputt.“ Ein Pilz hatte sich in vielen der alten Holzbalken eingenistet und diese teils komplett zerstört. Die Ursache war eine spezielle Behandlung, der die Holzbalken bei einer Sanierung in den 1980er-Jahren unterzogen worden waren. „Sie haben einen Epoxidharzüberzug bekommen, was damals durchaus Stand der Technik war.“

Nur 25 Prozent der Holzbalken waren noch verwendbar

Das Harz verhinderte jedoch, dass Feuchtigkeit entweichen kann. Die Folgen waren extrem: Weil ein Großteil der Balken schwer geschädigt war, entschloss man sich, die Holzkonstruktion bis auf die Decke über dem Erdgeschoss abzutragen und das Gebäude zu rekonstruieren. Lediglich 20 bis 25 Prozent der Originalholzbalken habe man beim Wiederaufbau verwenden können, erklärte Konz den Besuchern. „Es ist schade um das alte Material. Andererseits ist das Gebäude nun bauphysikalisch auf dem neuesten Stand und hat eine gute Zukunftsperspektive.“

Das Haupttragwerk besteht noch aus den Originalbalken. Dieser Bereich im Dachgeschoss ist künftig für junge Besucher reserviert. Foto: Jan Potente

In den vergangenen Monaten wurden alle Hölzer einzeln geprüft, wenn möglich restauriert und für den Wiederaufbau des Gebäudes verwendet. Der Mix aus alten und neuen Holzbalken, die in Schorndorf von speziellen Fachleuten auf traditionelle Weise zusammengefügt wurden, sei eigentlich nicht ungewöhnlich für Fachwerkhäuser, berichtete Klaus Konz. Diese Häuser seien seit jeher im Lauf der Zeit immer wieder ergänzt und umgebaut worden: „Man findet in einem Fachwerkhaus meistens Hölzer, die Hunderte von Jahren auseinander liegen. Insofern ist das, was wir hier machen, eine alte Tradition.“ Die Balken wurden auch auf ihr Alter untersucht. Das Ergebnis: Die Bauhölzer für das Fachwerk und das Dachtragwerk des Gebäudes in der Archivstraße 4 wurden im Winter und Frühjahr des Jahres 1685 gefällt. Weil der große Stadtbrand von 1634 die Gebäude des Wirtschaftshofes wohl weitgehend zerstört hatte, wurde die Meierei um 1685 neu aufgebaut.

So sieht es derzeit im ersten Stock des Gebäudes aus. Foto: Jan Potente

Während das Haus von außen gesehen schon gut da steht, gibt es innen einiges zu tun bis zur Eröffnung der Bibliothek im kommenden Jahr. Viele Meter farbige Kabel warten darauf, verlegt zu werden. Auf dem Boden schlängeln sich allerlei Schläuche im Staub. An der Decke des Eingangsbereichs wurden Stahlbänder zur Verstärkung befestigt. Linkerhand wird es ein Lesecafé geben, rechts geht es zum neuen Anbau. Der Estrich dort ist frisch, aber schon so fest, dass er betreten werden darf. „Das ist ein sehr spektakulärer Raum“, sagt Klaus Konz über den Bücherturm, in dem sich eine geschwungene Wendeltreppe nach oben schraubt. Er bekommt noch einen Parkettboden und Regale für die Medien. Den meisten Besucherinnen und Besucher gefällt der Neubau.

Dachgeschoss ist das Reich der jungen Leserinnen und Leser

Zurück im Altbau geht es über eine Metalltreppe in den ersten Stock, dann ins Dachgeschoss. Dort sind die dicken alten Originalbalken des Haupttragwerks verbaut, ergänzt durch eine moderne Dachkonstruktion samt Wärmedämmung. Geheizt wird das Haus mit einer Wärmepumpe, auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage installiert. Neue Gauben lassen Tageslicht in den Bereich, der künftig für die jugendliche Leserschaft reserviert ist.

Klaus Konz erzählt vom Spagat zwischen Denkmalschutz und Alltagstauglichkeit, der bei der Sanierung alter Gebäude stets nötig ist. Im Dachspitz bietet sich ein schöner Blick über die Stadt, die hier verbauten Balken sind neu. Der Bereich ist für die Jüngsten gedacht. „Unter der Treppe entsteht noch eine Höhle für die Kids.“

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