Fackeln im Baumwollfeld Lucky Luke kämpft mit dem schwarzen Sheriff Bass Reeves gegen Rassismus

Von red/dpa 

Lucky Luke ist auf seinen Abenteuern in Amerika Chinesen, Holländern, Italienern und jüdischen Einwanderern begegnet. Im neuen Titel „Fackeln im Baumwollfeld“ ist eine Hauptfigur ein Schwarzer. Unser Cowboy erlebt, was Rassismus ist.

In dem neuen Comicheft wird das Thema Rassismus thematisiert. Foto: dpa
In dem neuen Comicheft wird das Thema Rassismus thematisiert. Foto: dpa

Paris - Lucky Luke kann sein Glück kaum fassen. Ohne sein Zutun ist er zum Besitzer einer der größten Baumwollplantagen im südlichen Louisiana geworden. Doch die Freude ist von kurzer Dauer. Der Comic-Held entdeckt eine Gesellschaft, die sich stark von seinem Wilden Westen unterscheidet, mit einer rassistischen weißen Elite, die die schwarzen Landarbeiter ausbeutet und terrorisiert.

Für den einsamen Cowboy, der Verbrecher verfolgt und Armen und Benachteiligten hilft, ein Schock. Er will die Erbschaft unter den Schwarzen verteilen. Doch da hat er nicht mit den weißen Gutsbesitzern und dem Ku-Klux-Klan gerechnet. Im jetzt erschienenen Lucky-Luke-Album „Fackeln im Baumwollfeld“ greift das Duo Jul und Achdé erstmals das Thema der Rassentrennung auf. Ein Band, der im Kontext der Black-Lives-Matter-Bewegung hochaktuell ist.

Titel: „Fackeln im Baumwollfeld“

Das ist jedoch Zufall. Das Thema habe ihn vier Jahre umgetrieben, sagt Texter Jul im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Schon nach Erscheinen seines erstens Albums über eine jüdische Einwanderfamilie auf ihrem Weg durch die USA habe er sich gesagt, dass es noch eine andere Lücke zu füllen gelte. Das Album habe viel Zeit gebraucht. Denn Lucky Luke musste Lucky Luke bleiben. „Fackeln im Baumwollfeld“ ist Juls drittes Album, das nun im Egmont Ehapa Verlag erscheint.

Für die Kontinuität hat Zeichner Achdé gesorgt. Offiziell ist der 59-Jährige seit 2002 für den visuellen Humor der Comic-Geschichten zuständig, die schon seit 1946 erscheinen. Mit ausdrucksstarken Karikaturen hat er die reichen weißen Großgrundbesitzer aufs Korn genommen. Seit dem Tod des belgischen Lucky-Luke-Schöpfers Morris leben die Abenteuer in den Zeichnungen von Achdé weiter. Dem Stil ist er weitgehend treu geblieben: klare Linien und viel Bewegung.

Historischer Sheriff als Vorbild für das Comic

Zum Schmunzeln bringt die Naivität von Lucky Luke, der eher an die Desperados des Wilden Westens gewöhnt ist als an eine Gesellschaft auf dem Rücken von Sklaven und den rassistischen und gewalttätigen Geheimbund Ku-Klux-Klan. Deshalb sucht sich der Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten, als Verbündeten den schwarzen Sheriff Bass Reeves, erster schwarzen Gesetzeshüter in der Geschichte Amerikas. Es hat ihn wirklich gegeben. „Fackeln im Baumwollfeld“ ist in der Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) angesiedelt.  

Es ist nicht das erste Mal, dass die „Lucky Luke“-Reihe auf eine Ikone der Vereinigten Staaten zurückgreift. Figuren wie Billy The Kid, Calamity Jane oder Abraham Lincoln kamen bereits vor. Aber es ist das erste Abenteuer, in dem ein Afroamerikaner eine der Hauptfiguren ist. Bass Reeves, der vom Sklaven zu einem der meistgefürchteten Gesetzeshüter des Wilden Westens wurde, soll Hunderte Kriminelle und berüchtigte Revolverhelden gestellt haben.

Regiseur plant Film über Bass Reeves

Bass Reeves sei zu seinen Lebzeiten sehr bekannt gewesen, erzählt Jul im dpa-Interview. Dann sei er in Vergessenheit geraten und schließlich von Hollywood zu einem weißen Sheriff gemacht worden. Doch heute werde er wieder zunehmend ins Gedächtnis gerufen. Als Beispiel nannte Jul die Serie „Watchmen“. Vor wenigen Monaten wurde auch bekannt, dass der amerikanische Schauspieler und Regisseur Morgan Freeman über Reeves ein Biopic drehen will. 

„Lucky Luke ist kein Vintage-Objekt, das man kommerziell ausbeuten kann, sondern hat seinen Platz innerhalb der Debatte“, so Jul. Der Comic habe die Fähigkeit, etwas in einem leichten Ton zu erzählen, das Jung und Alt, Arbeiter und Bankiers gleichermaßen anspreche. „Heute gibt es nicht viele Medien, die sich an alle wenden und von allen gelesen werden.“




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