Zum Glück ist im Flugfeld-Restaurant Check Inn gerade Mittagspause gewesen, als am Mittwoch vergangener Woche auf den Handys des gesamten Teams die Warnung aufpoppte, dass in Teilen Böblingens das Hahnenwasser wegen Verunreinigung vorerst nur noch abgekocht verwendet werden durfte. Dadurch musste keinem Gast der halb getrunkene Kaffee unter der Nase weggezogen werden. „Auf den Abend hin hatten wir uns dann schon neu aufgestellt“, sagt der Betriebsleiter Benjamin Eisele. Wie berichtet, hatten am Mittwoch, 30. August, die Böblinger Stadtwerke mitgeteilt, dass in Teilen des Trinkwassernetzes Wasserproben positiv auf E.-coli-Bakterien (Escherichia Coli) getestet worden waren. Seitdem galt in den betroffenen Gebieten ein Abkochgebot für Trinkwasser. Erst am Freitag konnte es aufgehoben werden.
Das Abkochgebot hatte für Gastronomen wie Benjamin Eisele weitreichende Folgen. Im ersten Schritt überlegten er und sein Team, welche Bereiche des Restaurantbetriebs von der Verunreinigung betroffen sind. „Wir haben uns gefragt: Wo verwenden wir überall Wasser?“, berichtet der Gastronom. Schnell habe man festgestellt: ständig und überall. Doch für alles konnte das Check-Inn-Team kurzfristig eine Lösung finden. Die Eiswürfel, die sonst aus einer hauseigenen Eiswürfelmaschine kommen, wurden im ersten Schwung in einem nahe gelegenen Großhandel gekauft, die Tage danach bestellte Eisele sie beim Lieferanten. Die Eiswürfel, die im Gefrierfach gelagert waren, wurden umgehend entsorgt.
Leitungswasser wird im Alltag ständig benutzt
Vom verunreinigten Wasser war aber auch der Kaffee betroffen, da die Kaffeemaschine des Check Inn am Frischwasserzulauf hängt und das Wasser beim Aufbrühen nicht ausreichend erhitzt wird, um es bedenkenlos verwenden zu können. Die normale Kaffeemaschine war deshalb seit Mittwoch außer Betrieb. Auf Espresso, Cappuccino oder Café Crème mussten die Gäste dennoch nicht verzichten, da das Check Inn für das Catering in der Motorworld Kaffeemaschinen besitzt, die mit separaten Wassertanks laufen und mit eingekauftem stillem Wasser befüllt wurden. Besonderes Glück hätten die Gäste am ersten Abend der Umstellung gehabt, erzählt Eisele und lacht: „Das war ein Teinacher-Gourmet-Kaffee, weil es anfangs das einzige stille Wasser war, was ich da hatte.“ Aber auch das Servieren von Tafelwasser und Softdrinks waren von dem Abkochgebot betroffen. Denn hierfür verwendet das Check Inn sogenannte Postmix-Anlagen, bei denen während des Zapfens Sirup mit Leitungswasser und Kohlensäure vermischt werden. Die Lösung: „Wir haben alle Getränke in Flaschen eingekauft“, sagt Eisele. Etwas Aufwand sei es gewesen, die Theke umzuräumen und die Kühlung neu zu sortieren.
Getränke kommen jetzt aus Flaschen
Auch das Küchenteam musste einige Abläufe und Gewohnheiten ändern. Denn auch zum Waschen von Obst und Gemüse durfte das Wasser nicht frisch aus der Leitung verwendet werden und auch nicht, um Oberflächen zu reinigen. Deshalb kochte das Küchenteam morgens mehrere große Töpfe mit Wasser ab, das dann im Laufe des Tages zum Waschen und Putzen verwendet wurde. Auch die Servicekräfte nutzten das abgekochte Wasser, um damit die Tische abzuwischen. Und ein alter Bekannter aus Coronatagen trat wieder in Erscheinung: „Wir haben das Desinfektionsmittel wieder in Betrieb genommen“, sagt Eisele. Damit seien gleich zu Beginn alle Tische gründlich gereinigt worden. Ein altvertrauter Handgriff, der noch saß: „Die Übervorsichtigkeit durch Corona ist noch geläufig.“
Seitens der Gäste hat Eisele keine große Verunsicherung mitbekommen. Ein Veranstalter, der sich für das Wochenende im Check Inn mit einer größeren Gruppe eingebucht hat, habe gefragt, ob das Restaurantteam die Vorgaben im Griff habe. Für Eisele stellte die Veranstaltung aber kein Problem dar, die neuen Abläufe waren eingespielt.
Trotzdem war der Gastwirt am Freitagnachmittag erleichtert, dass das Abkochgebot nun ein Ende hat und die Vorsichtsmaßnahmen langsam zurückgefahren werden können. „Wir werden die stillgelegten Dinge lange durchspülen, reinigen und desinfizieren“, sagt er. Unterm Strich, so der Check-Inn-Gastronom, sei die Krisensituation in seinem Haus gut bewältigt worden. Zwar habe es einen Mehraufwand bedeutet, da das Personal einige Handgriffe mehr zu tun hatte, auch ein paar zusätzliche Kosten seien entstanden, aber „in vertretbarem Rahmen“. Eisele: „Ich bin froh, dass wir jetzt wieder in den Normalbetrieb wechseln können.“