Fällaktion wegen Laubholzbock in Hildrizhausen Die Motorsägen sind verstummt

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Die Fällaktion wegen des Asiatischen Laubholzbocks ist beendet. Mehr als 600 Bäume oder Büsche mussten fallen, aber die Wunden sind nicht so tief wie andernorts.

Dies war früher eine Allee. Nun säumen Baumstümpfe die Zufahrtsstraße. Foto: factum/Bach
Dies war früher eine Allee. Nun säumen Baumstümpfe die Zufahrtsstraße. Foto: factum/Bach

Hildrizhausen - An der Ehninger Straße, dem direkten Weg von und zur Autobahn, begrüßen Reihen von Baumstümpfen die Besucher Hildrizhausens. Bis vor wenigen Wochen war dies eine Allee. Ein Stück weiter hinten auf einem Feld lagern Stämme neben einem Schuppen. Die allerdings sind kein Zeichen der Fällaktion, die in den vergangenen Wochen die Hildrizhausener haben erdulden müssen. Jene Bäume, die wegen des Asiatischen Laubholzbocks weichen mussten, sind umgehend gehäckselt worden, um jede Gefahr einer weiteren Verbreitung des Schädlings zu bannen. Der Käfer war im August vergangenen Jahres entdeckt worden. Seitdem steht Hildrizhausen unter Quarantäne. Die Rodung hatte Ende Januar begonnen.

Zwei weitere befallene Stämme sind während der Fällaktion entdeckt worden. Und zwar nicht am Rand, sondern inmitten der Kreise mit einem Durchmesser von 100 Meter um jeden befallenen Baum. Sie markieren die Zone, in der gemäß einer Verordnung der EU vorsorglich alle Gehölze entfernt werden müssen, die der Schädling befällt. So mussten wegen des neuen Funds nur wenige weitere Bäume fallen. Ohnehin hat die Zwangsrodung in Hildrizhausen keine so tiefen Wunden geschlagen wie in anderen betroffenen Orten. Es scheint geradezu, als hätten die Einwohner der 3600-Einwohner-Gemeinde vorsorglich Gehölze gepflanzt, die der Schädling üblicherweise verschmäht. Ungeachtet dessen haben die Arbeiter mehr als 600 Bäume oder Büsche entsorgt.

Die eigentliche Suche nach dem Exoten wird erst noch beginnen

Betroffen waren auch etliche Privatgrundstücke. Deren Eigentümer erduldeten klaglos, dass ihre Gärten gerupft wurden. Jedenfalls „kam bei uns gar nichts in Form von Kritik oder Widerstand an“, sagt Bürgermeister Matthias Schöck. Der kahl geschlagene Ortseingang „fällt einem natürlich schon ins Auge“, sagt Schöck, „aber selbst in den Befallszonen gibt es Stellen, an denen einem nicht allzu Veränderung viel auffällt“.

Die eigentliche Suche nach dem Exoten wird erst noch beginnen. In den nächsten Jahren müssen Fachkundige im Umkreis von zwei Kilometern um Hildrizhausen jedes Gehölz auf Befallsspuren prüfen, bis in die Wipfel der Bäume hinein. Weite Teile des Gebietes sind bewaldet. Derzeit wird im Landratsamt daran getüftelt, wie die Arbeit bewältigt werden kann. Zumal „die Zahl der Experten endlich ist“, sagt der Amtssprecher Dusan Minic.

Finden die Experten weitere Käfer, beginnt das Verfahren von vorn

„Mindestens vier aufeinanderfolgende Jahre“ muss das Gebiet überwacht werden, heißt es in der EU-Verordnung. Dies „im ersten Jahr regelmäßig und intensiv“. Die Aufgabe soll das gleiche Personal bewältigen, das binnen sechs Monaten Hildrizhausen abgesucht hat. Finden die Experten weitere Käfer, beginnt das Verfahren von vorn, einschließlich weiterer Fällungen.

Ob die Ausbreitung exotischer Schädlingen mit Rodungen verhindert werden muss, ist strittig. Die bislang letzten Orte, die unter Quarantäne gestellt wurden, sind das bayerische Rosenheim und die Nachbarstadt Kolbermoor. Allerdings ist dort nicht der Asiatische Laubholzbock gefunden worden, sondern der Asiatische Moschusbock. Dieser Exot befällt Obstbäume und ist bisher europaweit nur in zwei Gegenden Italiens gesichtet worden. Den ersten Fund in Deutschland bekam der Insektenforscher Ernst-Gerhard Burmeister gemeldet. Der ehemalige Leiter der zoologischen Staatssammlung in München ist überzeugter Gegner vorsorglicher Fällaktionen, was den Behörden die Suche nach dem Schädling erschwerte: Burmeister weigerte sich, den Fundort zu verraten.




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